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Stand: 16.02.2008

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Corporate Citizenship:
Unternehmen in Deutschland –Freunde oder Feinde der BürgerInnengesellschaft,
Freunde oder Feinde von Community Organizing?

 Von Rainer Neubauer

(Vortrag auf der foco-Herbsttagung 2002 in Berlin)

 

W enn wir uns in Deutschland in einem – zwar mühsamen und langsamen –  aber immerhin in einem Prozess der Neuorientierung und Neudefinition der Rollen der gesellschaftlichen  Gruppen, also der Bürgerinnen und Bürger,Vereine und Verbände, der Verwaltung und Politik und der Wirtschaft befinden, so ist die Frage ihres Verhältnisses untereinander besonders spannend. 

Ebenso wie die Menschen im Lande unser extrem ausgeprägtes repräsentatives System in Frage stellen und sich nach neuen Formen direkter Einflussnahme auf Politik und Gesellschaft umschauen, unter anderem durch Community Organizing, beginnen auch Unternehmen, das Verständnis ihrer Rolle gegenüber dem Gemeinwesen zu erweitern.

Im Sinne von "Corporate Citizenship" sehen sich solche Firmen als integrierte "Bürger" mit Rechten und Pflichten. Sie entwickeln Programme und Maßnahmen, die weit über Spenden und Social Sponsoring hinausgehen, beziehen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein und fördern deren ehrenamtliches Engagement, arbeiten zusammen mit NGO´s, sozialen Einrichtungen oder öffentlichen Institutionen (Public-Private-Partnerships). Natürlich ist dieses Engagement auch verbunden mit geschäftlichen Interessen. Aber ist das "self interest" eines Unternehmens per se etwas Unmoralisches? Oder zeichnen sich hier Möglichkeiten für Community Organizing ab, starke Koalitionspartner für Kampagnen zu gewinnen?

 In meinem Beitrag möchte ich in 6 Thesen die Entwicklung von Corporate Citizenship oder Corporate Social Responsibility beschreiben und das Verhältnis zwischen Unternehmen und Gemeinwesen diskutieren.

 BürgerInnengesellschaft – ein viel diskutierter und wenig scharf umrissener Begriff, dennoch eine Tendenz in Deutschland und aus meiner Sicht eine positive Entwicklung im Sinne von mehr Basisdemokratie, von Stärkung der Bürgerinnen und Bürger in der Gestaltung des Gemeinwesens und direkten Wahrnehmung  ihrer Interessen. CO als Methode der Organisation dieser BürgerInneninteressen zur Erlangung von Macht und Durchsetzungskraft nimmt dabei natürlich eine herausragende Stellung ein.

 Dies soll aber nicht Thema meines Beitrages sein, sondern vielmehr die Basis dafür, wenn ich jetzt der Frage nachgehe, wo denn in einer solchen, stärker basisdemokratisch orientierten Bürgergesellschaft Unternehmen ihren Platz haben. Dass diese Frage drängend wird, liegt auf der Hand. Durch Globalisierung, Europäisierung, die Bedeutung der Erwerbsarbeit und die zunehmende wirtschaftliche Macht der Unternehmen fällt ihnen latent, aber sozusagen frei Haus eine immer größere gesellschaftliche Bedeutung zu, ohne dass sie sich selbst aktiv darum bemühen würden. Darauf möchte ich später noch einmal zurückkommen.

 Ganz sicher ist die Position von Wirtschaft im gesellschaftlichen Gefüge in allen Ländern sehr unterschiedlich. Verschiedene politische Systeme wie auch abweichende nationale Ausprägungen eines ähnlichen Systems bringen unterschiedliche Strukturen hervor. Um zu verstehen, wo Unternehmen hier in Deutschland im Verhältnis zu anderen gesellschaftlichen Gruppen heute stehen, und damit auch, wie sie ihre eigene Situation wahrnehmen und definieren, müssen wir die Frage nach ihrer Rolle in der sozialen Marktwirtschaft hier in Deutschland stellen.

 Mit der sozialen Marktwirtschaft haben wir in Deutschland ein überaus effizientes System der Aufgabenteilung und  Repräsentation, und damit vor allem der Delegation geschaffen. Grundlage ist das Postulat einer freien Marktwirtschaft, der aber bestimmte Schranken auferlegt werden und die begleitet wird von einem auf einer Parteiendemokratie beruhenden Staat mit weitreichenden Befugnissen, der ein enges Netz der sozialen Sicherung knüpft. Diese Grundpfeiler werden durch eine Vielzahl von Verbänden und Institutionen ergänzt, die die Interessen einzelner Gruppen oder im Sinne der Subsidiarität auch klar definierte Aufgaben wahrnehmen, etwa die freien Wohlfahrtsverbände.

Praktisch heißt das: Die Wirtschaft erfüllt die Funktion, Arbeitsplätze und damit ein gutes Einkommen der Menschen zur Verfügung zu stellen und erfolgreich zu wirtschaften, um erfolgreiche Produkte und Dienstleistungen zu erzeugen und Steuern zahlen zu können. Ihre gesellschaftlichen Interessen lässt sie durch starke Verbände vor allem gegenüber der Politik vertreten.

 Der Staat ist für die Verwaltung und Versorgung der Bürgerinnen und Bürger zuständig und setzt weitreichende Rahmenbedingungen für das soziale Miteinander. Er sorgt dafür, dass es Strukturen gibt zur Auffangung von sozialen Problemen, entweder durch eigene Maßnahmen oder durch Delegation an professionelle Verbände und Organisationen im Sinne des Subsidiaritätsprinzips. Dennoch zahlt der Staat weiter für diese Leistungen.

 Was bleibt an Funktionen für Bürgerinnen und Bürger? Durch die Wahl einer bestimmten Partei Richtungsentscheidungen mit zu bestimmen, so dass Einzelaspekte des Systems stärker oder weniger stark betont und Korrekturmaßnahmen vorgenommen werden. Ansonsten innerhalb des vorgegebenen Rahmens  sich der eigenen Lebensgestaltung zu widmen, die Chancen und Freiheiten zu nutzen und sich gegebenenfalls in den vorhandenen Vereins- und Verbandsstrukturen oder Kirchen zu engagieren, um etwas zu verändern oder aus Freizeitvergnügen. Eine direkt erlebbare Notwendigkeit zu Engagement oder ein offenkundiger, leicht auszufüllender gesellschaftlicher Gestaltungsspielraum bestehen nicht.

Meine erste These lautet: Das System der sozialen Marktwirtschaft fördert nicht das bürgerschaftliche Engagement – im Gegenteil

Denn stark ausgeprägte, institutionalisierte Strukturen der Aufgabenteilung, der Delegation, der Übernahme von Aufgaben durch andere sind das Wesen dieses Konzeptes. Unsere Gesellschaft hat sich bei Problemen jedweder Art, die nicht den unmittelbaren Privatbereich betreffen praktisch angewöhnt, nicht nach einer Problemlösung zu suchen sondern nach derjenigen Institution, die für die Lösung des Problems verantwortlich ist, oder aber die die eigenen Interessen am besten vertritt. Anstelle des persönlichen Engagements zur Lösung eines Problems tritt also die Erwartungshaltung, dass eine Institution dies übernimmt. In der Diskussion um bürgerschaftliches Engagement wird dieses Phänomen vielfach thematisiert und beklagt.

 Eng verwandt mit dieser Situation stellt sich das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Gesellschaft dar: Wie sind  in diesem aufgabengeteilten Gesellschaftsgefüge die Unternehmen positioniert?

 Meine zweite These: die aufgabenteilige soziale Marktwirtschaft hat die Wirtschaft von der Gesellschaft abgekoppelt

 Die Wirtschaft hat den Auftrag erhalten, möglichst erfolgreich zu sein und viele Arbeitsplätze zu schaffen. Dazu wurden ihr sehr gute Bedingungen zur Verfügung gestellt (man denke nur z.B. an die Verkehrs-Infrastruktur). Darauf hat sie sich konzentriert. Ihre Interessen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen vertritt sie, wie erwähnt,  durch starke Verbände. Die Verantwortung für das Soziale überlässt sie dem Staat und erwartet, dass er seine Sache gut macht. Hier ist allerdings in jüngerer Zeit eine gewisse Ambivalenz aufgetreten, ja  fast ein Interessenskonflikt für die Wirtschaft.

 Einerseits hat sie große Erwartungen an den Staat, andererseits wird lautstark mit neoliberalistischem Gedankengut nach einem Rückzug des Staates und einer viel stärkeren Eigenverantwortlichkeit der Bürger gerufen. Dass dieser staatliche Rückzug notwendigerweise mit einer größeren Verantwortung der Unternehmen für gesellschaftliche Belange verbunden ist, kann noch nicht als weit verbreitete Erkenntnis gelten. Vereinfacht ausgedrückt stellt sich die Sichtweise und eigene Rollendefinition der Wirtschaft so dar: Wir kümmern uns um Geschäft und Arbeitsplätze, der Staat und die Bürgerinnen und Bürger um den Rest.

 Dies deckt sich meines Erachtens gut mit der Wahrnehmung der "anderen Seite", also des zweiten und dritten Sektors sowie der Bürgerinnen und Bürger. Auch sie sehen Unternehmen nicht beteiligt an sozialen Belangen, ja es herrscht eher Angst vor einer solchen Einflussnahme, da Unternehmen sozusagen von Natur aus grundsätzlich nur aus opportunistischen, egoistischen Gründen handelten, was nicht gut sein könne, so das gängige Klischee.

 Betrachtet man die Voraussetzungen für erfolgreiches Wirtschaften näher, stößt man auf eine hohe gemeinsame Schnittmenge von Interessen zwischen Unternehmen und Gesellschaft – dritte These

Ein Unternehmen braucht, um erfolgreich zu sein, nicht nur ein gutes Produkt und gute Maschinen, sondern noch immer gelten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als das größte Kapital. Gute, qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen ein entsprechend positives Lebensumfeld, das kulturell attraktiv und sicher sein und ein möglichst geringes soziales Konfliktpotential beherbergen muss. Neben dem Zugang zu materiellen Ressourcen und Märkten und den Produktionskosten ist das soziale Umfeld ein entscheidender Faktor bei Standortentscheidungen. Das positive soziale Umfeld zu erhalten liegt damit natürlich auch im langfristigen Interesse jedes Unternehmens. Im Deutschland der gut funktionierenden sozialen Marktwirtschaft wurde diese Sorge der Wirtschaft durch den Staat abgenommen. Bewegen wir uns aber auf eine Gesellschaft zu, in der der Staat sich zurückzieht und mehr Eigenverantwortung der übrigen gesellschaftlichen Gruppen liegt, müssen Unternehmen in ihrem eigenen "Self-Interest" umdenken.

 Meine vierte These lautet somit: BürgerInnengesellschaft  zwingt Unternehmen, ihre Rolle in gegenüber der Gemeinschaft  neu zu definieren und auszugestalten

 Sie können sich nicht mehr langfristig auf den Staat verlassen, der ihnen schon die richtigen Rahmenbedingungen schaffen wird. Sie müssen beginnen, selbst daran zu arbeiten und kommen auch zu der Einsicht, dass sie das nicht allein können, sondern mit anderen gesellschaftlichen Gruppen kooperieren und sich stärker sozusagen als BürgerInnen integrieren müssen. Diese Erkenntnis hat zu dem Begriff des "Corporate Citizenship" geführt. In Deutschland mit wenigen Ausnahmen noch kaum bekannt, in USA weit und immer weiter verbreitet, in England, Dänemark, Holland stark im Kommen.  

An dieser Stelle möchte ich in einem kurzen Ausflug beschreiben, was heute unter Corporate Citizenship praktisch verstanden, wie es von einigen Firmen umgesetzt und in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Beispiele und Entwicklungen zeigen, dass dies keine Sandkastenspiele sind, sondern dass mit Corporate Citizenship sehr handfeste Interessen verbunden sind.

Ein Beispiel ist der Autohersteller Ford. In der Strategie-Pyramide von Ford ist neben so entscheidenden Zielen wie "Strong global brands" und "Best total value to the customer" Corporate Citizenship als eine der fünf wesentlichen Unternehmensziele definiert.  Dahinter verbirgt sich ein weit verzweigtes Programm durch alle Ebenen und Tochterunternehmen. Es gibt Abteilungen, die sich hauptamtlich damit beschäftigen, und Corporate Citizenship-Ziele werden in die Zielvereinbarungen von Führungspersonal aufgenommen und überprüft. Corporate Citizenship bzw. Corporate Social Responsibility wird bei vielen großen Firmen zunehmend in die Unternehmensphilosophie, Kultur und Strategie aufgenommen. Jacque Nasser, ehemaliger CEO von Ford hat die strategische und damit geschäftliche Bedeutung von Corporate Citizenship so beschrieben:  

"Being a leader in corporate citizenship is not only the right thing to do, but also is fully aligned with our ultimate goal of providing superior shareholder returns over time". 

Vier zentrale Motivationen führen in Unternehmen zu gesellschaftlichem Engagement über die normale Geschäftstätigkeit hinaus:

1. Verständnis der eigenen Rolle als Teil der Gesellschaft:

" Wir nutzen die Ressourcen, also müssen wir sie auch unterstützen". Dass dieses Grundverständnis  bereits heute weit verbreitet ist, zeigt vor allem die Praxis und langen Tradition der Spendentätigkeit für gemeinnützige, kulturelle oder sportliche Zwecke  

2. Unternehmen stehen heute viel stärker in der Öffentlichkeit als früher.

Medien und Interessengruppen, Gewerkschaften und Behörden haben Zugang zu Informationen über das unternehmerische Handeln und seine Auswirkungen. Damit nimmt der Legitimationsdruck für Unternehmen erheblich zu, ihr Geschäftsgebaren muss von der Öffentlichkeit sanktioniert sein.  Das Beispiel der geplanten Versenkung der Ölplattform Brent Spar im Ozean durch Schell ist nur eines der prominentesten Beispiele.  

3. Steigerung des Unternehmenswertes

Die Bewertung eines Unternehmens auch anhand seiner ökologischen und gesellschaftlichen Bilanz gewinnt stark an Bedeutung, vor allem auch bei Rating-Agenturen, die für Banken und Investoren diese Unternehmensbewertungen durchführen. Für diese Art der Bewertung hat sich der Begriff der Triple Bottom Line etabliert (= Ökomische, ökologische und soziale Bilanz). Hoch interessant ist in diesem Zusammenhang das sich der Börsenwert von Unternehmen, die im sogenannten Dow Jones Sustainability Index gelistet sind, die also klar definierte Kriterien nachhaltigen Wirtschaftens erfüllen, im Zeitraum zwischen 1993 und Juli 2002 um 30% besser entwickelt haben als der Durchschnitt der herkömmlichen Unternehmen im Dow Jones.

.4. Unmittelbare, geschäftsrelevante Vorteile

Je nach dem Grad des gesellschaftlichen und ökologischen Engagementseiner Firma, der Tiefe der Verankerung in en Unternehmensstrukturen sowie der Konsequenz der Umsetzung sind konkrete geschäftliche Vorteile festzustellen.

Imageverbesserung
Mitarbeiterbindung und Loyalität
Förderung des Standortes
Einfluss auf die Standortpolitik
Frühwarnsystem für unternehmerisch relevante gesellschaftliche Entwicklungen
Nutzung von Einsparpotentialen – Ökoeffizienz
Inspiration für Innovation
Soziale Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Verbesserung der Unternehmenskultur  

Dass diese Vorteile tatsächlich realisiert werden, zeigen die Beispiele von Firmen, die solche Aktivitäten bereits seit Jahren, übrigens auch in wirtschaftlich schlechten Zeiten praktizieren und ausbauen.  Doch nicht nur die Wirtschaft selbst forciert in jüngster Zeit dieses Thema. Auch von politischer Seite kommt Unterstützung. So hat die EU in einem Grünbuch zum Thema soziale Verantwortung von Unternehmen vermehrte Anstrengungen durch Politik und wirtschaft gefordert und Handlungsempfehlungen gegeben und seither in ergänzenden Dokumenten weiter konkretisiert. In ihrem Abschlußbericht beschäftigt sich die Enquete-Komission der deutschen Bundestages zum bürgerschaftlichen Engagement intensiv mit Corporate Citizenship. Auf Länderebene gibt es verschiedene Fördermaßnahmen für Programme in diesem Bereich. An der kath. Universität Eichstätt begleitet das  "Center for Corporate Citizenship" wissenschaftlich die Entwicklung insgesamt sowie einzelne Projekte. Auch die Wirtschaft hat sich national und International zu verschiedenen Initiativen zusammengeschlossen, so z.B. CSR Europe, BSR, Business in the Community, in Deutschland Econsense oder die Initiative Freiheit und Verantwortung der großen Wirtschaftsverbände. 

Festzuhalten ist also, dass der Prozess des Umdenkens in der Wirtschaft bereits begonnen hat. Er steckt in den Kinderschuhen, aber es tut sich etwas. Doch Integration heißt Zusammenarbeit mit anderen Gruppen. Und damit ist die Anfrage an die übrigen Gruppen in der Gesellschaft gerichtet, ob sie gewillt, offen und bereit sind, mit Unternehmen zusammen zu arbeiten. 

Meine fünfte These lautet also: Auch der zweite und dritte Sektor müssen umdenken, um mit der Wirtschaft zu einer Zusammenarbeit zu kommen

Hier ist zunächst noch einmal die Frage aufzuwerfen, ob eine Integration der Wirtschaft überhaupt von allen Seiten gewollt wird. Die Bedenken habe ich bereits eingangs erwähnt, und diese sind durchaus berechtigt. Denn letztlich wird ein Unternehmen nicht aus philanthropischen Erwägungen heraus handeln sondern Nutzenerwägungen geben den letzten Ausschlag. Für Community Organizing ist das allerdings nichts sonderlich Neues. Dass Self-Interest die Motivation für das Handeln eines jeden ist, haben uns Alinsky und Co ja reichlich eingetrichtert. Die Kunst ist es, mit dem Self Interest umzugehen, es zu kanalisieren und produktiv zu nutzen für die Interessen der Gemeinschaft.   

Nichts anderes trifft auf den Umgang mit Unternehmen zu. In der Konsequenz  führt das aber nicht zu dem, wie heute Kooperationen mit Unternehmen im  sozialen Bereich vielfach gesehen werden,  nämlich dass Firmen als neue  Ersatz-Geldquelle für rückläufige staatliche Förderung sozialer Arbeit einspringen,  sich sonst aber raushalten sollen. Dies wäre allein der Teilaspekt des Social Sponsoring. Zwar angesichts der Not vieler sozialer Einrichtungen verständlich, kann eine solche Sichtweise aber nicht als Grundlage für partnerschaftliche Zusammenarbeit im Sinne einer Bürgerinnengesellschaft gesehen werden.

 Kooperationen zwischen Unternehmen und anderen gesellschaftlichen Gruppen bedürfen also der Öffnung von beiden Seiten, der Bereitschaft, Partnerschaften einzugehen, die gegenseitigen Bedürfnisse und Denkweisen zu verstehen und zu akzeptieren, letztlich, sich einander zu nähern und die Ferne, die durch die Entwicklung der letzten Jahre in Deutschland entstanden ist, zu überwinden.

 Dieser Appell der Öffnung und Kooperation macht natürlich nur dann Sinn,wenn die Wirtschaft als Bestandteil und Partner der BürgerInnengesellschaft gesehen wird, was meine sechste These ist.

 Dazu nur so viel: Die Akzeptanz der sozialen Marktwirtschaft und ihre Weiterentwicklung zu einer BürgerInnengesellschaft muss notwendigerweise die Wirtschaft als mit gestaltenden Partner mit eigenen Interessen, aber auch eigenen Ressourcen integrieren und ernst nehmen. Ohne die Berücksichtigung der Wirtschaft wird BürgerInnengesellschaft nicht funktionieren, es sei denn durch Revolution. Die Gründe dafür habe ich bereits eingangs angesprochen.

 Auch CO muss in zunehmendem Maße den ersten Sektor einbeziehen, und zwar nicht als Feind, sondern als starken Partner und Verbündeten, wenn es gelingt, gemeinsame Interessen zu finden. (Wenn die Interessen konträr sind, dann sind Unternehmen natürlich weiterhin Ziele und Feinde von CO). Ich glaube, dass die Wirtschaft konstruktiv, unmittelbar und unterstützend an der Gestaltung des Gemeinwesens mitwirken muss, allein aus Self-Interest.

 Allerdings muss es allen in einer weiterentwickelten, partizipativen sozialen Marktwirtschaft auch daran gelegen sein, die Wirtschaft ein zu beziehen, die Gedanken des Corporate Citizenship in die Unternehmen hinein zu tragen und klar zu machen, dass es künftig nur gemeinsam gehen kann, wenn immer größere soziale und Umweltkatastrophen verhindert werden sollen und die Gesellschaft global und lokal positiv für die Menschen zu gestalten ist.  

neubauer.mainz@t-online.de

 

Herausgeber: Forum Community Organizing, Website: Michael Rothschuh, Brühl 20 31134 Hildesheim, HAWK