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Von
Rainer Neubauer
(Vortrag auf
der foco-Herbsttagung 2002 in Berlin)
W enn
wir uns in Deutschland in einem – zwar mühsamen und langsamen – aber immerhin
in einem Prozess der Neuorientierung und Neudefinition der Rollen der
gesellschaftlichen Gruppen, also der Bürgerinnen und Bürger,Vereine und
Verbände, der Verwaltung und Politik und der Wirtschaft befinden, so
ist die Frage ihres Verhältnisses untereinander besonders spannend.
Ebenso wie die Menschen im Lande unser extrem ausgeprägtes
repräsentatives System in Frage stellen und sich nach neuen Formen direkter
Einflussnahme auf Politik und Gesellschaft umschauen, unter anderem durch
Community Organizing, beginnen auch Unternehmen, das Verständnis
ihrer Rolle gegenüber dem Gemeinwesen zu erweitern.
Im Sinne von "Corporate
Citizenship" sehen sich solche Firmen als integrierte "Bürger" mit
Rechten und Pflichten. Sie entwickeln Programme und Maßnahmen, die
weit über Spenden und Social Sponsoring hinausgehen, beziehen ihre
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein und fördern deren ehrenamtliches
Engagement, arbeiten zusammen mit NGO´s, sozialen Einrichtungen
oder öffentlichen Institutionen (Public-Private-Partnerships). Natürlich ist
dieses Engagement auch verbunden mit geschäftlichen Interessen. Aber ist das "self
interest" eines Unternehmens per se etwas Unmoralisches? Oder zeichnen
sich hier Möglichkeiten für Community Organizing ab, starke
Koalitionspartner für Kampagnen zu gewinnen?
In meinem
Beitrag möchte ich in 6 Thesen die Entwicklung von Corporate Citizenship
oder Corporate Social Responsibility beschreiben und das Verhältnis
zwischen Unternehmen und Gemeinwesen diskutieren.
BürgerInnengesellschaft – ein viel diskutierter und wenig scharf umrissener
Begriff, dennoch eine Tendenz in Deutschland und aus meiner Sicht eine
positive Entwicklung im Sinne von mehr Basisdemokratie, von Stärkung der
Bürgerinnen und Bürger in der Gestaltung des Gemeinwesens und direkten
Wahrnehmung ihrer Interessen. CO als Methode der Organisation
dieser BürgerInneninteressen zur Erlangung von Macht und
Durchsetzungskraft nimmt dabei natürlich eine herausragende Stellung ein.
Dies soll aber
nicht Thema meines Beitrages sein, sondern vielmehr die Basis
dafür, wenn ich jetzt der Frage nachgehe, wo denn in einer solchen,
stärker basisdemokratisch orientierten Bürgergesellschaft Unternehmen
ihren Platz haben. Dass diese Frage drängend wird, liegt auf der Hand.
Durch Globalisierung, Europäisierung, die Bedeutung der Erwerbsarbeit
und die zunehmende wirtschaftliche Macht der Unternehmen fällt ihnen
latent, aber sozusagen frei Haus eine immer größere
gesellschaftliche Bedeutung zu, ohne dass sie sich selbst aktiv darum bemühen
würden. Darauf möchte ich später noch einmal zurückkommen.
Ganz sicher
ist die Position von Wirtschaft im gesellschaftlichen Gefüge in allen
Ländern sehr unterschiedlich. Verschiedene politische Systeme wie auch
abweichende nationale Ausprägungen eines ähnlichen Systems bringen
unterschiedliche Strukturen hervor. Um zu verstehen, wo Unternehmen
hier in Deutschland im Verhältnis zu anderen
gesellschaftlichen Gruppen heute stehen, und damit auch, wie sie ihre eigene
Situation wahrnehmen und definieren, müssen wir die Frage nach ihrer Rolle in
der sozialen Marktwirtschaft hier in Deutschland stellen.
Mit der
sozialen Marktwirtschaft haben wir in Deutschland ein überaus effizientes
System der Aufgabenteilung und Repräsentation, und damit vor allem der
Delegation geschaffen. Grundlage ist das Postulat einer freien
Marktwirtschaft, der aber bestimmte Schranken auferlegt werden und die begleitet wird
von einem auf einer Parteiendemokratie beruhenden Staat mit
weitreichenden Befugnissen, der ein enges Netz der sozialen Sicherung
knüpft. Diese Grundpfeiler werden durch eine Vielzahl von Verbänden und
Institutionen ergänzt, die die Interessen einzelner Gruppen oder
im Sinne der Subsidiarität auch klar definierte Aufgaben wahrnehmen,
etwa die freien Wohlfahrtsverbände.
Praktisch
heißt das: Die Wirtschaft erfüllt die Funktion, Arbeitsplätze und damit ein
gutes Einkommen der Menschen zur Verfügung zu stellen und erfolgreich zu
wirtschaften, um erfolgreiche Produkte und
Dienstleistungen zu erzeugen und Steuern zahlen zu können. Ihre
gesellschaftlichen Interessen lässt sie durch starke Verbände vor allem gegenüber der
Politik vertreten.
Der Staat ist
für die Verwaltung und Versorgung der Bürgerinnen und Bürger
zuständig und setzt weitreichende Rahmenbedingungen für das soziale
Miteinander. Er sorgt dafür, dass es Strukturen gibt zur Auffangung von
sozialen Problemen, entweder durch eigene Maßnahmen oder durch
Delegation an professionelle Verbände und Organisationen im Sinne des
Subsidiaritätsprinzips. Dennoch zahlt der Staat weiter für diese Leistungen.
Was bleibt an
Funktionen für Bürgerinnen und Bürger? Durch die Wahl einer
bestimmten Partei Richtungsentscheidungen mit zu bestimmen, so dass Einzelaspekte
des Systems stärker oder weniger stark betont und
Korrekturmaßnahmen vorgenommen werden. Ansonsten innerhalb des vorgegebenen
Rahmens sich der eigenen Lebensgestaltung zu widmen, die Chancen und
Freiheiten zu nutzen und sich gegebenenfalls in den vorhandenen
Vereins- und Verbandsstrukturen oder Kirchen zu engagieren, um etwas zu
verändern oder aus Freizeitvergnügen. Eine direkt erlebbare Notwendigkeit
zu Engagement oder ein offenkundiger, leicht auszufüllender
gesellschaftlicher Gestaltungsspielraum bestehen nicht.
Meine erste
These lautet: Das System der sozialen Marktwirtschaft fördert nicht
das bürgerschaftliche Engagement – im Gegenteil
Denn stark
ausgeprägte, institutionalisierte Strukturen der
Aufgabenteilung, der Delegation, der Übernahme von Aufgaben durch andere sind das Wesen
dieses Konzeptes. Unsere Gesellschaft hat sich bei Problemen
jedweder Art, die nicht den unmittelbaren Privatbereich betreffen
praktisch angewöhnt, nicht nach einer Problemlösung zu suchen sondern nach
derjenigen Institution, die für die Lösung des Problems verantwortlich
ist, oder aber die die eigenen Interessen am besten vertritt.
Anstelle des persönlichen Engagements zur Lösung eines Problems tritt
also die Erwartungshaltung, dass eine Institution dies übernimmt. In
der Diskussion um bürgerschaftliches Engagement wird dieses
Phänomen vielfach thematisiert und beklagt.
Eng verwandt
mit dieser Situation stellt sich das Verhältnis zwischen Wirtschaft und
Gesellschaft dar: Wie sind in diesem aufgabengeteilten
Gesellschaftsgefüge die Unternehmen positioniert?
Meine zweite
These: die aufgabenteilige soziale Marktwirtschaft hat die
Wirtschaft von der Gesellschaft abgekoppelt
Die Wirtschaft
hat den Auftrag erhalten, möglichst erfolgreich zu sein und viele
Arbeitsplätze zu schaffen. Dazu wurden ihr sehr gute Bedingungen
zur Verfügung gestellt (man denke nur z.B. an die
Verkehrs-Infrastruktur). Darauf hat sie sich konzentriert. Ihre Interessen zur
Verbesserung der Rahmenbedingungen vertritt sie, wie erwähnt,
durch starke Verbände. Die Verantwortung für das Soziale überlässt sie
dem Staat und erwartet, dass er seine Sache gut macht. Hier ist
allerdings in jüngerer Zeit eine gewisse Ambivalenz aufgetreten,
ja fast ein Interessenskonflikt für die Wirtschaft.
Einerseits hat
sie große Erwartungen an den Staat, andererseits wird lautstark mit
neoliberalistischem Gedankengut nach einem Rückzug des Staates und
einer viel stärkeren Eigenverantwortlichkeit der Bürger gerufen. Dass
dieser staatliche Rückzug notwendigerweise mit einer größeren
Verantwortung der Unternehmen für gesellschaftliche Belange verbunden ist,
kann noch nicht als weit verbreitete Erkenntnis gelten. Vereinfacht
ausgedrückt stellt sich die Sichtweise und eigene
Rollendefinition der Wirtschaft so dar: Wir kümmern uns um Geschäft und Arbeitsplätze,
der Staat und die Bürgerinnen und Bürger um den Rest.
Dies deckt
sich meines Erachtens gut mit der Wahrnehmung der "anderen Seite", also
des zweiten und dritten Sektors sowie der Bürgerinnen und Bürger. Auch
sie sehen Unternehmen nicht beteiligt an sozialen Belangen, ja es herrscht
eher Angst vor einer solchen Einflussnahme, da Unternehmen
sozusagen von Natur aus grundsätzlich nur aus
opportunistischen, egoistischen Gründen handelten, was nicht gut sein könne, so das
gängige Klischee.
Betrachtet man
die Voraussetzungen für erfolgreiches Wirtschaften näher, stößt
man auf eine hohe gemeinsame Schnittmenge von Interessen
zwischen Unternehmen und Gesellschaft – dritte These
Ein
Unternehmen braucht, um erfolgreich zu sein, nicht nur ein gutes Produkt und
gute Maschinen, sondern noch immer gelten die
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als das größte Kapital. Gute, qualifizierte
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen ein entsprechend positives
Lebensumfeld, das kulturell attraktiv und sicher sein und ein möglichst
geringes soziales Konfliktpotential beherbergen muss. Neben dem Zugang zu
materiellen Ressourcen und Märkten und den
Produktionskosten ist das soziale Umfeld ein entscheidender Faktor bei
Standortentscheidungen. Das positive soziale Umfeld zu erhalten liegt damit
natürlich auch im langfristigen Interesse jedes Unternehmens. Im Deutschland
der gut funktionierenden sozialen Marktwirtschaft wurde diese Sorge
der Wirtschaft durch den Staat abgenommen. Bewegen wir uns aber auf eine
Gesellschaft zu, in der der Staat sich zurückzieht und mehr
Eigenverantwortung der übrigen gesellschaftlichen Gruppen liegt, müssen
Unternehmen in ihrem eigenen "Self-Interest" umdenken.
Meine vierte
These lautet somit: BürgerInnengesellschaft zwingt
Unternehmen, ihre Rolle in gegenüber der Gemeinschaft neu zu
definieren und auszugestalten
Sie können
sich nicht mehr langfristig auf den Staat verlassen, der ihnen schon
die richtigen Rahmenbedingungen schaffen wird. Sie müssen beginnen,
selbst daran zu arbeiten und kommen auch zu der Einsicht, dass sie das nicht
allein können, sondern mit anderen gesellschaftlichen Gruppen
kooperieren und sich stärker sozusagen als BürgerInnen integrieren
müssen. Diese Erkenntnis hat zu dem Begriff des "Corporate Citizenship"
geführt. In Deutschland mit wenigen Ausnahmen noch kaum bekannt, in
USA weit und immer weiter verbreitet, in England, Dänemark, Holland stark
im Kommen.
An dieser
Stelle möchte ich in einem kurzen Ausflug beschreiben, was heute unter
Corporate Citizenship praktisch verstanden, wie es von einigen Firmen
umgesetzt und in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Beispiele und
Entwicklungen zeigen, dass dies keine Sandkastenspiele sind, sondern
dass mit Corporate Citizenship sehr handfeste Interessen verbunden
sind.
Ein Beispiel
ist der Autohersteller Ford. In der Strategie-Pyramide von Ford ist neben
so entscheidenden Zielen wie "Strong global brands" und
"Best total value to the customer" Corporate Citizenship als eine der fünf
wesentlichen Unternehmensziele definiert. Dahinter verbirgt sich ein weit
verzweigtes Programm durch alle Ebenen und Tochterunternehmen. Es gibt
Abteilungen, die sich hauptamtlich damit beschäftigen, und Corporate
Citizenship-Ziele werden in die Zielvereinbarungen von
Führungspersonal aufgenommen und überprüft. Corporate Citizenship bzw. Corporate
Social Responsibility wird bei vielen großen Firmen zunehmend in die
Unternehmensphilosophie, Kultur und Strategie aufgenommen. Jacque Nasser,
ehemaliger CEO von Ford hat die strategische und damit geschäftliche
Bedeutung von Corporate Citizenship so beschrieben:
"Being a leader in corporate citizenship is not only the right thing to
do, but also is fully aligned with our ultimate goal of providing
superior shareholder returns over time".
Vier zentrale
Motivationen führen in Unternehmen zu gesellschaftlichem Engagement über die
normale Geschäftstätigkeit hinaus:
1. Verständnis
der eigenen Rolle als Teil der Gesellschaft:
" Wir nutzen
die Ressourcen, also müssen wir sie auch unterstützen". Dass dieses
Grundverständnis bereits heute weit verbreitet ist, zeigt vor allem die Praxis und
langen Tradition der Spendentätigkeit für gemeinnützige, kulturelle
oder sportliche Zwecke
2. Unternehmen
stehen heute viel stärker in der Öffentlichkeit als früher.
Medien und
Interessengruppen, Gewerkschaften und Behörden haben Zugang zu
Informationen über das unternehmerische Handeln und seine Auswirkungen.
Damit nimmt der Legitimationsdruck für Unternehmen erheblich zu,
ihr Geschäftsgebaren muss von der Öffentlichkeit sanktioniert
sein. Das Beispiel der geplanten Versenkung der Ölplattform
Brent Spar im Ozean durch Schell ist nur eines der prominentesten
Beispiele.
3. Steigerung
des Unternehmenswertes
Die Bewertung
eines Unternehmens auch anhand seiner ökologischen und
gesellschaftlichen Bilanz gewinnt stark an Bedeutung, vor allem auch bei
Rating-Agenturen, die für Banken und Investoren diese
Unternehmensbewertungen durchführen. Für diese Art der Bewertung hat sich der
Begriff der Triple Bottom Line etabliert (= Ökomische, ökologische
und soziale Bilanz). Hoch interessant ist in diesem Zusammenhang
das sich der Börsenwert von Unternehmen, die im sogenannten Dow Jones
Sustainability Index gelistet sind, die also klar definierte Kriterien
nachhaltigen Wirtschaftens erfüllen, im Zeitraum zwischen 1993 und Juli 2002
um 30% besser entwickelt haben als der Durchschnitt der herkömmlichen
Unternehmen im Dow Jones.
.4. Unmittelbare, geschäftsrelevante Vorteile
Je nach dem
Grad des gesellschaftlichen und ökologischen Engagementseiner Firma,
der Tiefe der Verankerung in en Unternehmensstrukturen sowie der
Konsequenz der Umsetzung sind konkrete geschäftliche Vorteile festzustellen.
•
Imageverbesserung
•
Mitarbeiterbindung und Loyalität
•
Förderung des
Standortes
•
Einfluss auf die Standortpolitik
•
Frühwarnsystem für unternehmerisch relevante gesellschaftliche Entwicklungen
•
Nutzung von Einsparpotentialen – Ökoeffizienz
•
Inspiration für Innovation
•
Soziale
Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
•
Verbesserung der Unternehmenskultur
Dass diese
Vorteile tatsächlich realisiert werden, zeigen die Beispiele von Firmen,
die solche Aktivitäten bereits seit Jahren, übrigens auch in wirtschaftlich
schlechten Zeiten praktizieren und ausbauen. Doch nicht nur
die Wirtschaft selbst forciert in jüngster Zeit dieses Thema. Auch
von politischer Seite kommt Unterstützung. So hat die EU in einem Grünbuch
zum Thema soziale Verantwortung von Unternehmen vermehrte Anstrengungen
durch Politik und wirtschaft gefordert und
Handlungsempfehlungen gegeben und seither in ergänzenden Dokumenten weiter
konkretisiert. In ihrem Abschlußbericht beschäftigt sich die
Enquete-Komission der deutschen Bundestages zum bürgerschaftlichen
Engagement intensiv mit Corporate Citizenship.
Auf
Länderebene gibt es verschiedene
Fördermaßnahmen für Programme in diesem Bereich. An der kath.
Universität Eichstätt begleitet das "Center for Corporate Citizenship"
wissenschaftlich die Entwicklung insgesamt sowie einzelne Projekte. Auch
die Wirtschaft hat sich national und International zu verschiedenen
Initiativen zusammengeschlossen, so z.B. CSR Europe, BSR, Business in
the Community, in Deutschland Econsense oder die Initiative Freiheit und
Verantwortung der großen Wirtschaftsverbände.
Festzuhalten
ist also, dass der Prozess des Umdenkens in der Wirtschaft bereits
begonnen hat. Er steckt in den Kinderschuhen, aber es tut sich etwas. Doch
Integration heißt Zusammenarbeit mit anderen Gruppen. Und damit ist die
Anfrage an die übrigen Gruppen in der Gesellschaft gerichtet, ob
sie gewillt, offen und bereit sind, mit Unternehmen zusammen zu
arbeiten.
Meine fünfte
These lautet also: Auch der zweite und dritte Sektor müssen umdenken, um
mit der Wirtschaft zu einer Zusammenarbeit zu kommen
Hier ist
zunächst noch einmal die Frage aufzuwerfen, ob eine Integration der Wirtschaft
überhaupt von allen Seiten gewollt wird. Die Bedenken habe ich bereits
eingangs erwähnt, und diese sind durchaus berechtigt. Denn letztlich wird
ein Unternehmen nicht aus philanthropischen Erwägungen heraus handeln
sondern Nutzenerwägungen geben den letzten Ausschlag. Für Community
Organizing ist das allerdings nichts sonderlich Neues. Dass Self-Interest
die Motivation für das Handeln eines jeden ist, haben uns Alinsky und Co
ja reichlich eingetrichtert. Die Kunst ist es, mit dem Self Interest
umzugehen, es zu kanalisieren und produktiv zu nutzen für die Interessen
der Gemeinschaft.
Nichts anderes
trifft auf den Umgang mit Unternehmen zu. In der Konsequenz führt das aber
nicht zu dem, wie heute Kooperationen mit Unternehmen im sozialen
Bereich vielfach gesehen werden, nämlich dass Firmen als neue
Ersatz-Geldquelle für rückläufige staatliche Förderung sozialer Arbeit
einspringen, sich sonst
aber raushalten sollen. Dies wäre allein der Teilaspekt des Social Sponsoring.
Zwar angesichts der Not vieler sozialer Einrichtungen verständlich,
kann eine solche Sichtweise aber nicht als Grundlage für
partnerschaftliche Zusammenarbeit im Sinne einer Bürgerinnengesellschaft gesehen
werden.
Kooperationen
zwischen Unternehmen und anderen gesellschaftlichen Gruppen
bedürfen also der Öffnung von beiden Seiten, der Bereitschaft,
Partnerschaften einzugehen, die gegenseitigen Bedürfnisse und Denkweisen zu verstehen
und zu akzeptieren, letztlich, sich einander zu nähern und die Ferne, die
durch die Entwicklung der letzten Jahre in Deutschland entstanden
ist, zu überwinden.
Dieser Appell
der Öffnung und Kooperation macht natürlich nur dann Sinn,wenn die
Wirtschaft als Bestandteil und Partner der BürgerInnengesellschaft gesehen wird,
was meine sechste These ist.
Dazu nur so
viel: Die Akzeptanz der sozialen Marktwirtschaft und ihre
Weiterentwicklung zu einer BürgerInnengesellschaft muss notwendigerweise die Wirtschaft
als mit gestaltenden Partner mit eigenen Interessen, aber auch eigenen
Ressourcen integrieren und ernst nehmen. Ohne die
Berücksichtigung der Wirtschaft wird BürgerInnengesellschaft nicht funktionieren,
es sei denn durch Revolution. Die Gründe dafür habe ich bereits
eingangs angesprochen.
Auch CO muss
in zunehmendem Maße den ersten Sektor einbeziehen, und zwar nicht als
Feind, sondern als starken Partner und Verbündeten, wenn es gelingt,
gemeinsame Interessen zu finden. (Wenn die Interessen konträr sind, dann
sind Unternehmen natürlich weiterhin Ziele und Feinde von CO). Ich
glaube, dass die Wirtschaft konstruktiv, unmittelbar und unterstützend
an der Gestaltung des Gemeinwesens mitwirken muss, allein aus
Self-Interest.
Allerdings
muss es allen in einer weiterentwickelten, partizipativen
sozialen Marktwirtschaft auch daran gelegen sein, die Wirtschaft ein
zu beziehen, die Gedanken des Corporate Citizenship in die
Unternehmen hinein zu tragen und klar zu machen, dass es künftig nur gemeinsam
gehen kann, wenn immer größere soziale und Umweltkatastrophen verhindert
werden sollen und die Gesellschaft global und lokal positiv für die
Menschen zu gestalten ist.
neubauer.mainz@t-online.de
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