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Aus: Rettet GWA den Sozialen Staat? , Forum Sozial 1/2004 vom dbsh.de

Nachdruck aus : Forum Sozial 1/ 2004:

  Private Probleme werden zu öffentliche Themen
- Was wir von Geschichten des Community Organizing lernen können

von Michael Rothschuh

Die BILD- Zeitung hat derzeit ihr eigenes politisches Projekt, die Steuersenkung; der Kanzler sprang darauf auf und kurz danach – die Bildzeitung setzte in den ihr eigenen Lettern ein Formular auf die Titelseite: „Frau Merkel unterschreiben Sie“ – die Oppositionsführerin.
Auf der Internetseite der Bildzeitung können wir eine Serie anklicken, in der Personen verschiedener Einkommensebenen beschreiben, was sie sich alles leisten wollen, wenn doch erst die Steuerentlastung käme. „Ich würde 611 Euro mehr haben, mir gern einen DVD-Player kaufen. Momentan gucke ich eben weiter Video. Typisch Politik, Reformen zu verschieben – egal, welche Partei das Sagen hat.“ (Jurist, 2300 Euro) Natürlich lügt Bild, indem das Blatt verschweigt, was die Steuersenkung für die Menschen auch bedeutet: teure Kindergartenplätze, schlechtere Schulen, weniger Studienplätze, geringere Renten.
Die Bild-Zeitung weiß, wie man zu Zeiten, wo kaum jemand etwas von Parteien wissen will und das Vertrauen in Staat und politische Führungsschicht gefriert, Politik macht: nicht in der Proklamation der großen Erzählungen, nicht in der ausgefeilten Konstruktion von Zusammenhängen, sondern in der Transformation von privaten Ängsten, Wünschen und Sehnsüchten in politische Forderungen, die -jetzt!- verwirklicht werden können, Forderungen an Personen, die über ihr Handeln Rechenschaft ablegen, und nicht Programme für abstrakte Institutionen.

An der Grenze und den Schnittstellen von Privatem und Politik ist Community Organizing (CO) wirksam; ACORN, die größte Mitgliederorganisation des CO heißt nicht umsonst Organisation „for Reform NOW“: Jetzt das konkret verändern, was die Menschen belastet, und für öffentliche Accountability, Übernahme von Verantwortung, sorgen: „Hier, unterschreiben Sie…“. Der Unterschied zur Bild-Zeitung: CO lebt vom unmittelbaren offenen Dialog der Menschen miteinander, dem Aufbau einer handlungsmächtigen Gemeinschaft, von dem Miteinander der BürgerInnen auch nach einer Kampagne und von der Übernahme eigener Verantwortung- CO kann sich deshalb Lügen nicht leisten.

In drei Geschichten möchte ich vom amerikanischen Ansatz des CO berichten und darstellen, was wir vom Organizing lernen können, sei es in der Sozialen Arbeit, der Stadtteilentwicklung oder der Politik.

1. Erfolgsgeschichten des Community Organizing

(A) Logan Square in Chicago: Arbeitsplätze und intakte Nachbarschaften erhalten

„Dies ist eine Geschichte einer Bewohnergruppe, die entschieden hat: ‚Genug ist genug’“, berichtet Judy Hertz, eine Mitarbeiterin des National Training Institute in Chicago (NTIC).

Der Stadtteil Logan Square in Chicago war früher Industriegebiet, die Beschäftigten wohnten in der Umgebung; es gab stabile Jobs, geprägt war das Viertel von Bewohnern der Arbeiterklasse mit einer Mischung von erschwinglichen Einfamilienhäusern und Wohnungen. In den 80er Jahren gab es einen Kampf, um eine Fabrik offen zu halten; er wurde 1989 verloren. Auf dem Gelände wurde eine „Gated Community“, ein nach außen abgeschlossenes Wohngebiet für Reiche, gebaut. Diese „Gentrifikation“, bei der die Menschen mit geringem Einkommen aus der Arbeiterschaft verschoben werden in billigere Gebiete, vielleicht weit weg von den Jobs, den Familien und alten Nachbarn, „schwappt langsam von Stadtteil zu Stadtteil und schleicht an den
Boulevards von Logan Square entlang“.
Seit 1996 ging es vor allem um den Verkauf eines Warenhauses und die Frage, welche Perspektiven das Stadtviertel für Wohnen und Arbeiten entwickeln können. Im Rahmen der bestehenden Community-Organsation Logan Square Neighborhood Asssociation (LSNA) beginnen Führungspersonen aus der Nachbarschaft, wie z.B. eine Pastorin sowie langjährige Bewohnerinnen des Stadtteils mit wöchentlichen Treffen in der Kirche, um einen Plan von 500 Wohneinheiten für eine neue Gated Community zu stoppen.
Viele wollen sich zunächst nicht beteiligen, weil sie die Erfahrung der bitteren Niederlage im Kopf haben. Aber nachdem sie sich provoziert fühlen, weil die Verantwortlichen Bürgervertreter aus ihrem Büro heraus werfen, führt der Ärger zu dem Beschluss der Mitglieder, die bevorstehende Entwicklung auf diesem Gelände zu stoppen.

Der erste Schritt ist die „Erforschung der Machtverhältnisse“:

Man findet heraus, dass der für den Bezirk zuständige Abgeordnete sein eigenes Haus beim Planer der 500 Wohneinheiten gekauft hatte; daraufhin gehen 75 Leute zu seiner Baustelle gingen und hängen ein Band mit aneinander gereihtem Spielgeld auf. Die Botschaft: Die Nachbarschaft verlangt die selbe Art von einem „guten Geschäft“, wie es der Abgeordnete gemacht hatte. Hinzu kommt ein Bündnis mit dem Besitzer einer Fleischfabrik, der 500 Arbeiter mit ausreichendem Lohn und guter Kooperation mit den Gewerkschaften beschäftigt und droht, seine Fabrik abzuziehen, wenn diese Edelwohnungen entstehen würden. Dies veranlasst den Chicagoer Bürgermeister Daley, die Planung für eine Gated Community abzulehnen. Aber: Wenn keine Wohnungen entstehen, würden, was dann?
In einer Versammlung werden Kriterien festgelegt: Es sollen nur Planungen unterstützt werden, bei denen mindestens 500 „living wages jobs“, d.h. Jobs mit einem Einkommen, von dem man leben kann, entstehen, soziale Leistungen für die Beschäftigten gesichert sind, und ein Training für die vorgesehenen Arbeitsplätze angeboten wird.

Der nächste Schritt ist, „zum Rathaus zu gehen“ und sich mit den Verantwortlichen zu treffen.

In der die City Hall, ist das Zentrum für Politik und Verwaltung der Stadt, verweigert zunächst der Abgeordneten, gegen den sich die Aktion gerichtet hatte, ein Treffen, daraufhin gehen 20 Leute in seine reguläre Sprechstunde; ein Treffen mit dem Planungsamt ergibt nichts, weil das Amt nur reagieren und nicht selbst planen könne. „Offenbar handeln sie nur, wenn es ihnen passt, haben wir daraus gelernt.“

Eine Busladung mit Bewohnern fährt zum Rathaus und ist ab jetzt immer wieder im 5. Stock, wo der Bürgermeister residiert. „Wir wurden enge Freunde der Sicherheitswache des 5. Stocks“.

„Die konstante Anwesenheit bewirkt eine Änderung: die Leute aus dem Rathaus fangen an zuzuhören-  und die Haltung der Nachbarschaft verändert sich… Immer mehr Türen werden geöffnet. Das Planungsamt wusste, wann wir auf dem 5. Stock waren. Sie wurden viel aktiver, sie sandten Arbeitsplatzentwickler zu uns. Die Bewohner werden jetzt als organisierte Gruppe angesehen und merken, dass ihre Meinungen wert geschätzt werden.“

Dies ist die Voraussetzung für den nächsten Schritt, für konkrete Verhandlungen. Das Ergebnis ist schließlich ein Kompromiss, bei dem Arbeitsplätze mit einem erträglichen Lohn entstehen, aber nicht so viele, wie von der Organisation gefordert waren. Dafür sollen über die Bürgerorganisation Leute aus der Nachbarschaft eingestellt werden. 

Materiell liegt der Erfolg darin, dass zugleich das Wohnviertel bewahrt ist und neue Arbeitsplätze entstanden sind. Und für die Bürger bedeutet dies gleichzeitig, dass Vertrauen geschaffen ist in die Bürgerorganisation und in die eigene Kraft.

Das Resümee einer Leaderin:
„Du musst beharrlich weiter machen. Du erlebst viele Enttäuschungen. Leute sagen, dass sie zu einem Treffen kommen und tun es nicht. ... Dann kannst Du etwas Erfolg sehen. …Ich fühle, dass die Menschen in der Community die Verantwortung für ihre eigene Community übernommen haben. Und die Leute aus den Ämtern usw. können nicht einfach in unsere Community kommen und machen, was sie wollen, ohne sich mit uns zu beraten“.

(B) „Private“ Probleme zu öffentlichen Themen machen: Gegen das „Räuberische Verleihen“

Das National Training and Information Center (NTIC) merkte, dass bei Leuten, die zum ersten Mal ein Haus besaßen, in den letzten Jahren massenhaft Hypotheken für verfallen erklärt wurden, weil die laufenden Zinsen nicht bezahlt werden. Die Folge sind enorm hohe Verzugszinsen; können diese nicht bezahlt werden, verlieren die Eigentümer ihre Häuser. Und Bewohner nehmen die leeren Häuser in der Nachbarschaft wahr:
„Ich sah in einem Gebiet 37 mit Brettern zugenagelte Häuser. Ich merkte, dass das schlimmer ist, als diese Zahl ausdrückt; denn zugenagelte Häuser bedeuten Probleme mit der Sicherheit, Leute ziehen aus, Instabilität in der Nachbarschaft. Es war ein Thema für die Community. Etwas musste getan werden.“

Dabei erscheint der Verfall der Kredite den Betroffenen zunächst als Privatproblem: „’Ich hab’s verdient, ich war blöde.’
Aber: „Kommt man auf eine tiefere Schicht, merkt man: sie waren nicht blöde, sie waren verzweifelt: Der Ofen funktionierte nicht, der Winter kam und sie brauchten ein Darlehen um ihn zu reparieren.“

NTIC veranstaltet Versammlungen mit Hausbesitzern, die vor dem Verlust ihrer Häuser stehen und benennt das Verhalten der Kreditgeber: „PREDATORY LENDING“, räuberisches Verleihen.
„Dabei wird die Regel des Organizing befolgt: Nachdem die Leute die Chance hatten sich abzureagieren, muss ein Weg sein für da sie, in Aktion zu gehen um eine Änderung durchführen: ‚Wollt ihr was dagegen tun, dass andere davon betroffen werden?’“

So bilden sie eine Task Force, laden Repräsentanten der Staatlichen Aufsicht ein und wollen mit den Gesetzgebern des Staates reden. Von diesem gemeinsamen Anfangspunkt aus gehen die verschiedenen Organisationen des Community Organizing, die in Chicago bestehen, durchaus unterschiedliche Wege:

Das South West Organizing Project (SWOP) hält eine „Posada“ ab

SWOP ist eine Organisation von Gemeinden, Kirchen, Synagogen und Moscheen, Krankenhäusern, Schulen und anderen lokalen Institutionen und zählt damit zum „Broad Based Commmunity Organizing“ , einer Organisation von Organisationen.

Da SWOP eine religions-basierte CO ist, haben die SWOP Mitglieder, so der Bericht, das Gefühl, dass wütende Versammlungen nicht wirklich ihr Stil sind. SWOP rückt deshalb Aktionsformen in den Vordergrund, die die unterschiedlichen Kulturen in den Stadtteilen repräsentieren und organisiert unter anderem eine „Posada“.; eine Posada ist ursprünglich ein Schauspiel, wie Josef und Maria mit dem ungeborenen Jesus nach einer Unterkunft suchen, von Tür zu Tür weggeschickt werden und schließlich im Stall ankommen. Ein gemeinsames Gebet vor den Toren einer Finanzgesellschaft, die des Predatory Lending beschuldigt wird, wird Teil des Umzugs. So gelingt es, auch die Schwestern eines dortigen Ordens, die nie in Politik involviert waren, einzubeziehen. Das wiederum ermutigt andere mitzumachen.

Die Association of Community Organizations für Reform Now (ACORN) greift Finanzorganisationen an

ACORN arbeitet anders. ACORN wirbt in sehr einkommensschwachen Nachbarschaften Mitglieder durch Tür-zu-Tür Arbeit. Predatory Lending gehört zu den Themen, zu denen ACORN in vielen Staaten der USA Kampagnen durchführt. „Predatory Lending“ sieht ACORN als ein Mittel von auswärtigen Interessenten an, Geld aus den armen Communities heraus zu saugen.

„Unsere Leute sind eine leichte Beute; sie haben immer die Angst, von den Banken abgewiesen zu werden. Die Verleiher kommen zu den Leuten, nehmen persönlichen Kontakt auf und beuten so die Leute aus.“

ACORN unternimmt direkte und zum Teil spektakuläre Aktionen gegen Finanzinstitutionen, und schließt dann Vereinbarungen  mit Finanzinstitutionen für neue Angebote: Eine leitende ACORN- Organizerin:

„Es muss Ergebnisse direkt für unsere Mitglieder geben. Wir müssen Produkte schaffen, die gangbare Alternativen sind zu dem, was die Leute von den Räubern angeboten bekommen“.

Die Northwest Neigborhood Federation (NFF) will „den Opfern helfen“

Einen anderen Ansatz hat die NNF, die ein multiethnisches Gebiet von Menschen aus der Arbeiterklasse repräsentiert:

„Zuerst sahen wir, ob das Gesetz des Staates Predatory Lending verhindert. Da das nichts nützte, änderten wir unseren Blickwinkel: Wir schauten auf die, deren Kredit verfiel und die aus den Häusern vertrieben werden sollten. Wir arbeiteten mit den Leuten, die mitten drin sind in den Problemen, statt bei der Prävention.“
Auch hier wird mit einigen Banken ein alternatives Produkt erarbeitet, mit dem die Hausbesitzern unterstützt werden, u.a. auch mit einer Absicherung durch kirchliche Fonds.

Schließlich bilden verschiedene Community Organisationen eine Koalition, um ein Gesetz zum Schutz der Hausbesitzer mit niedrigem Einkommen durchzusetzen. Sie erreichen eine Verordnung in der Stadt Chicago und auch im Bundesstaat Illinois; das Ergebnis
allerdings ist umstritten, denn:
„Regulierungen sind nur so gut, wie ihre Durchsetzung und so muss noch viel getan werden, bevor Hausbesitzer sicher sind vor Praktiken des Predatory Lending“.

2. Community Organizing - eine „Leistungsbeschreibung“

Es wären noch viele Geschichten zu erzählen, von Organisationen, die erfolgreich für kleinere und bessere Schulen kämpfen, von Kampagnen gegen Mietwucher, von Gesetzen zur Sicherung eines erträglichen Lohns. Immer geht es zugleich um zweierlei: um konkrete Verbesserungen für die Bewohner einer Community und um Empowerment der BürgerInnen durch den Aufbau und die Entwicklung von starken Bürgerorganisationen.

Der Aufbau von Bürgerorganisationen, so das Ergebnis einer
Evaluationsstudie (Strong Neighborhood- Strong Schools) schafft durch die Stärkung der jeweiligen örtlichen Gemeinschaft die Beharrlichkeit einer machtvollen Basis, das Bewusstsein, dass es um „das Eigene“ geht und den notwendigen politischen Willen und Druck, damit wirkliche Verantwortung übernommen wird für nachhaltige Veränderungen.

CO bietet im professionellen wie im Sektor freiwilliger Arbeit ein Repertoire von grundsätzlichen Handlungsorientierungen, Strategien und Methoden und einzelnen Techniken, die in den unterschiedlichen Kontexten genutzt und weiter entfaltet werden können.

„Wir definieren die Themen“

Als mächtig erweist sich in unserer Gesellschaft immer weniger der, der Entscheidungen über Lösungen trifft, sondern der, der die Probleme definiert und damit die politische Agenda bestimmt.

Mit persönlichem Austausch, Treffen im Wohnblock und der Nachbarschaft, öffentlichkeitswirksamen Aktionen und Versammlungen setzt CO an der Schnittstelle von Privatem und Öffentlichem an, bringt die Probleme, die die Menschen unmittelbar berühren, wirksam in die öffentliche Sphäre ein und gibt ihnen einen Bezugsrahmen, einen Frame; so z.B. wenn die Erfahrungen mit der Reduzierung öffentlicher Dienstleistungen dem Mainstream der „Steuerreduzierer“ entgegen gestellt

 „Wir entwickeln demokratische Führungspersonen“

Bewusst geht CO mit der Frage nach Führungspersonen und Führung (Leadership) um. Führungspersonen sind nicht die, die herrschen und anderen ihren Willen aufzwingen, sondern „mover and shaker“, Menschen, die etwas und andere bewegen und aufrütteln. Man wird nicht als Führungsperson geboren, sondern dies ist Ergebnis von Sozialisation, Entwicklung und Bildung; deshalb geht es um das Finden und Erkennen von potentiellen Führungspersonen, um deren Förderung, Bildung und auch persönliches Wachstum.

Wir sprechen kaum von Führungspersonen, geschweige denn von Führern und Führerinnen. Wir wollen zu Recht keine Machtzusammenballung, aber ohne die Identifikation von "Leadern" geschieht oft genug Konzentration der Entscheidungen in den Händen einiger weniger oder öfters noch bei den Professionellen. Nur der gezielte Aufbau von "Leadership" führt dazu, dass die BürgerInnen nicht nur "beteiligt" werden, sondern wirklich die Richtung bestimmen.

„Es geht um die Macht.“

Ein solcher Satz geht uns schwer über die Lippen, weil wir lieber sagen würden, es ginge um „Überzeugung“ , um „das Recht“ oder um die „Moral“. Aber es geht eben auch um Macht. Macht in einem doppelten und spannungsreichen Verständnis: Um Macht, seinen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen - das Machtverständnis der Tradition von Max Weber - und Macht als die Fähigkeit, sich mit anderen zusammen zu schließen, und im Einvernehmen mit ihnen zu handeln - so die Position von Hannah Arendt.

Ein Instrument des CO ist die Machtanalyse: Welche Menschen können uns das geben, was wir wollen? Wie können wir sie wirksam beeinflussen?

Das zweite Instrument ist das direkte Zweiergespräch, wie es vor allem von den religionsbasierten Organisationen gepflegt wird: Was bewegt uns in unserem Kern? Wofür sind wir bereit, uns einzusetzen? Welche Ressourcen können wir einbringen?
So wird das „soziale Kapital“ der Bürgerorganisationen aufgebaut, das dem finanziellen und politischen „Kapital“ gegenüber gestellt werden kann.

Das dritte Instrument ist die direkte Aktion, die öffentlich die Kraft und die Macht der Organisation zeigt: Wie bringen wir die, die über Macht verfügen, dazu, Rede und Antwort zu stehen und sich ihrer Verantwortung zu stellen? Das kann eine spektakuläre Aktion sein, gezielte Medienarbeit  oder auch das bewusste Arrangement einer Versammlung.

„Wir organisieren strategisch Erfolge“

Gerade in Bürgergruppen vor Ort haben wir Vorstellungen, was wir wollen oder auch verhindern wollen, wir haben viele Ideen, was man machen könnte. Das, was uns oft fehlt, ist die Strategie, in der Aktionen und Ziele miteinander verbunden sind. Erfolge erscheinen so letztlich als zufällig und schon gar nicht planbar.

CO macht deutlich, dass die Chancen für Erfolge bewusst erhöht werden können: durch die überlegte Auswahl von Themen, durch eine fundierte Macht- und Ressourcenanalyse, durch gezielten Aufbau von Leadership, die systematische Mobilisierung von Menschen und die sorgfältige Vorbereitung und Gestaltung von Aktionen. Ein gutes Beispiel für einen strategischen Ansatz gibt die „Strategy-Card“ der Midwest Academy .

„Community Organizing ist lernbar und lehrbar“

Keine Frage, die „ideale OrganizerIn" oder der „ideale Leader“ ist nicht das Produkt eines sorgfältig ausgefeilten Curriculums, sei es eines Trainings oder eines Studiengangs an einer Hochschule. Aber die notwendigen Qualifikationen sind auch keine Eigenschaften, die angeboren sind oder  vom Himmel fallen. Leadership und Organizing mag auch eine Begabung sein, aber es ist auch etwas, wo man sich bewusst und gezielt weiter entwickeln kann. Dabei ist Lernen immer die Verknüpfung von Wissen und konkreten praktischen Erfahrungen.

Community Organizing, der Aufbau von Bürgerorganisationen, erscheint als ein Ansatz, der die Menschen als Gestalter ihrer eigenen Lebensverhältnisse in Wert setzt und ihnen die Erfahrung ihrer eigenen Macht ermöglicht; CO könnte ein Instrument für reale Demokratie und soziale Gerechtigkeit sein und sich über die bisherigen Begrenzungen hinaus ausbreiten.


Herausgeber: Forum Community Organizing, Website: Michael Rothschuh, Brühl 20 31134 Hildesheim, HAWK