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Stand: 16.02.2008

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Kap. 9- Zur Midwest Academy: „Direct Action Organizing Prozess“

Arten des CO

Fundamentale Prinzipien der direkten Aktion:

Schritte des Organisierens über direkte Aktionen.

Die Strategiekarte

Seminare: Organisieren lernen.

Kim Bobo, blitzschnell, blitzgescheit, überzeugt, gewandt und klar, so haben wir sie erlebt, als wir 1995 in Chicago zu Besuch in ihrer Midwest Academy waren. Ein Schaubild an der Wand: die Skala der Macht von der Sozialarbeit bis zu CO, einige farbige Arbeitsplätter in die Hand: Auswahl eines Issues, Strategien, Taktiken. Ein Blitzkurs in CO.

Training für Gruppen, die etwas bewegen wollen, ist nach wie vor die Kernaufgabe der MWA. Eine Arbeitsgrundlage bietet das Buch „Organizing for Sozial Change”: A Manual for Activists, von Kim Bobo, Jackie Kandall, Steve Max, Hrg. Midwest Academy,3. Auflage 2001) Das Buch habe ich mit Übersetzungen von Anne Schröter im foco-Rundbrief 18/1999 vorgestellt.

Die Midwest Academy führt Seminare durch und berät Organisationen im konkreten Aktionsprozess, wie Judy Hertz, Organizing for Change, 2002 zeigt. Dabei wird sie unterstützt von PraktikantInnen, die sich auch aus Deutschland über Judy Hertz bewerben können. Ich stelle den Ansatz vor anhand der Internet Seite der Midwest Academy[1].

(nach oben)


Arten des CO

Es gibt unterschiedliche Methoden des Organizing oder Wege, soziale Veränderungen herbeizuführen, und alle haben sie ihren Nutzen. Tatsächlich sind oft viele Arten des Organisierens erforderlich, die Midwest Academy konzentriert sich auf das Organisieren über direkte Aktionen (Direct Action Organizing).

 

 METHODE

BEISPIEL: Obdachlose in der Community

 

Dienstleistung

Der Organisator überzeugt Kirchengemeinden, Feldbetten für die Obdachlosen in ihren  Räumen aufzustellen. Organisator und Gemeinden erbringen eine direkte Dienstleistung für die Leute.

Akzeptiert bestehende Machtrelationen

Bildung

Der Organisator stellt Untersuchungen über die Ursachen und Lösungsmöglichkeiten zur Obdachlosigkeit an und verbreitet die Informationen.
Menschen werden über soziale Themen informiert.

 

Selbsthilfe

Der Organisator hält Workshops für Obdachlosen ab zu der Frage, wie sie eine Wohnung oder einen Job finden können.
Idee: Die Leute können ihr Problem selbst lösen, am besten in Gruppen.

 

Soziale Anwaltschaft
(advocacy)

Der Organisator beeinflusst die Stadt, Unterkünfte zu eröffnen.
Die Obdachlosen sind nicht notwendigerweise beteiligt oder wissen nicht einmal, was der Organisator tut.

 

Direkte Aktion

Der Organisator redet mit Obdachlosen und organisiert sie.
Sie entscheiden zuerst über angestrebte Lösungen und setzen die Stadt dann unter Druck, um diese Lösungen selbst zu erreichen. Organisieren über direkte Aktionen basiert auf der Macht (Power) der Menschen, die eine gemeinsame Aktion zu ihren eigenen Gunsten unternehmen.

Fordert existierende Machtrelationen heraus

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Fundamentale Prinzipien der direkten Aktion:

1.       Gewinne reale Verbesserungen im Leben der Menschen, konkrete, hier und heute.

2.       Lass die Menschen ein Gespür für ihre eigene Macht (Power) bekommen, in dem sie selbst gemeinsam gewinnen, was sie selbst erreichen wollen.

3.       Verändere die Machtverhältnisse durch:

-          Aufbau von starken Organisationen

-          Veränderung von Gesetzen und Regelungen

-          indem „unsere Leute“ für Ämter gewählt werden.

(nach oben)


Schritte des Organisierens über direkte Aktionen

Eine Kampagne wird für eine spezielle Lösung zu einem Problem, für ein Issue, geführt. Diese Kampagne führt in der Regel durch bestimmte Stadien:

A.     Die Leute identifizieren ein Problem und eine angestrebte Lösung

Mieter definieren z.B. eine „nahes“ Ziel: „Erreichen, dass der Hausbesitzer die Kaution zurück gibt, wenn wir ausziehen“; oder vielleicht weiterreichend: „Erreichen, dass der Stadtrat ein Gesetz zur Rückgabe von Kautionen erlässt.“

B.     Die Organisation macht das Problem zu einer konkreten Streitfrage, einem Issue.

C.     Die Organisation entwickelt eine Strategie.

Eine Strategie ist der Gesamtplan für eine Kampagne.

 

(nach oben)


Die Strategiekarte

Ziele

Überlegungen zur Organisation

Basis

Zielscheibe und Zielperson

Taktiken

Langfristig

 

mittelfristig

 

kurzfristig

Welche Ressourcen könnt Ihr einbringen?

 

Wie baut ihr die Organisation auf?

 

Gibt es interne Probleme?

Wen betrifft das Problem?

 

Wie sind die Betroffenen organisiert?

 

Welche Macht haben sie?

Wer hat die Macht, Euch zu geben, was du willst?

 

Zielpersonen „zweiter Ordnung“: wer kann die eigentlichen Zielpersonen beeinflussen?

Medienhöhepunkte;

Petitionen;

Boykotte;

 

Einfluss auf Abgeordnete;

 

Aktionen der Basis gegenüber den Zielpersonen

D. Die Organisation bringt viele Leute zusammen, die dem Entscheidungsträger gegenüber treten.

Nutzt große Versammlungen und Aktionen, damit die Person, die Euch geben kann, was Ihr wollt, reagiert. Diese Decisionmaker (oder auch "Zielscheibe", target einer Kampagne) sind immer individuelle Personen oder eine Anzahl von Individuen, nie ein gewähltes Gremium insgesamt. Wenn zum Beispiel ein Beschluss den Stadtrat passieren soll, sagt nie, dass „der Stadtrat“ entscheidet. Notwendig ist vielmehr, dass spezifische Mitglieder des Rats für Euer Anliegen stimmen. Wer sind sie? Benennt sie! Worin liegt deine Macht über sie? Habt Ihr Mitglieder in ihrem Wahlbezirk?

E.     Der Entscheidungsträger reagiert auf Euch.

Entweder bekommst du, was du willst, oder du musst noch mehr Leute für eine zweite Runde des Kampfes organisieren. Manchmal braucht es mehrere Runden bevor ein Kampf gewonnen ist. Deshalb versteht die Midwest Academy Organisieren als eine zusammenhängende Kampagne, nicht nur als Serie von einzelnen Schnellschüssen.

F. Gewinne, reorganisiere die Gruppe und geh zur nächsten Kampagne

(nach oben)


Seminare: Organisieren lernen[2]

Struktur und Inhalte der Seminare, die regelmäßig zum Wochenpreis von etwa $500 stattfinden, werden ausführlich auf der Internetseite der MWA dargestellt:

Montag

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

Fundamente:
Direct Action
Organizing

(siehe oben)

Der ökonomische Kontext des Organizing



Aktion: Rollenspiel

Leute gewinnen (rekrutieren)

Historische Bedingungen von  Bewegungen für soziale Veränderung;

Leitlinien für Accountability Sessions

Medien

 Rollen­spiel, Übung

Verständnis der Macht-Beziehungen

Auswahl von Problemen und Entscheidungsfragen (Issues)

Strategieübung

Leitlinien für Aktionen

Werbung: Rollenspiele

Arbeit mit Koalitionen

Accountability Session ,

Rollenspiel

Berichterstattung durch Medien beeinflussen



Geschichtenerzählen als Werkzeug im Organizing

Filme:
"People's Firehouse"
"Affordable Housing Campaign"

 

Film:
"Salt Of The Earth"



Einige Elemente seien hier daraus knapp vorgestellt.

Die Machtverhältnisse verstehen

In einem Rollenspiel misst eine Community Organisation ihre Kräfte mit einer Chemiefabrik, die beschuldigt wird, dass sie giftige Abfälle in einem Gebiet ablagert wo Kinder spielen.

 

Ein Thema sind die verschiedenen Arten von Macht, die Bürgerorganisationen haben, bei Wahlen und der Legislative, ökonomisch, durch rechtliche Regelungen, und mit disruptiven Aktionsformen (Stören des üblichen Ablaufs):  welche Bedingungen jeweils notwendig sind, um Power umzusetzen?

 

 

Probleme und konkrete Themen (Issues) auswählen

Ein geeignetes Issue:

 

bringt konkrete  Verbesserungen im Leben der Leute

 

lässt Leute ihre eigene Macht fühlen

verändert Machtverhältnisse

 

ist wert, dass man sich dafür einsetzt

ist gewinnbar

 

wird von vielen gefühlt

wird tief gefühlt

 

ist leicht zu verstehen

hat klare Zielpersonen

 

hat einen für dich günstigen Zeitrahmen

baut Leadership auf

 

löst eine nächste Kampagne aus

stärkt eure Organisation finanziell

 

stimmt mit euren Werten überein

Geschichtenerzählen als Werkzeug des Organisierens.

Ein „Meister des Geschichtenerzählens“ führt diese Sitzung. Das Ziel ist erfahrbar zu machen, warum die Kenntnis der Lebensgeschichten der Leute ein notwendiger Schritt bei der Entwicklung von Leadership und der Herstellung eines geeigneten Rahmens (framing) der einzelnen Themen (Issues) ist. Die Mitglieder des Seminars tauschen miteinander die Geschichten aus, was sie selbst zum Organisieren brachte.

Der ökonomische Kontext des Organisierens

Ökonomische Trends im Land und der Welt prägen die Möglichkeiten für unser Organisieren. Eine Dia-Präsentation untersucht die jüngsten Trends beim Einkommen, den Arbeitsplätzen und den Steuern. Es stellt die Behauptung infrage, dass dies die besten Zeiten für die US-Ökonomie seien und betont die steigende Ungleichheit in Einkommen und Reichtum.

Leitlinien für Aktionen

Während einer Aktion ist ein Entscheidungsträger oder "Zielscheibe" konfrontiert mit einer organisierten Gruppe von Leuten. Eine Forderung wird gestellt und die Gruppe erwartet an Ort und Stelle eine positive Antwort. Die Macht der Organisation gegenüber dem Entscheidungsmacher muss in der Aktion deutlich werden. 

Werbung, Rekrutierung

Die Leute dazu zu bekommen, dass sie sich einer Organisation anschließen, erfordert zum einen, gefragt zu werden und zum anderen, dass der Akt des Beitritts sich mit dem Selbstinteresse des Beitretenden trifft. Selbstinteresse kommt von einem lateinischen Wort, dass meint: dazwischen sein. Selbstinteresse meint deshalb untereinander sein und ist etwas ganz anderes als das Wort Selbstsucht. Diese Sitzung richtet sich auf das Verständnis von individuellem Selbstinteresse und dem der Organisation. Leitlinien für die Anwerbung werden präsentiert, gefolgt von Anwerbungsrollenspielen durch direkte ein-zu-eins-Gespräche.

Mit Koalitionen arbeiten

Die Sitzung zu Koalitionen betont ein Verstehen des Selbstinteresses der Organisationen. Vor- und Nachteile des Aufbaus von Koalitionen werden diskutiert anhand der Leitlinien für erfolgreiche Koalitionsbildung. Im Rahmen der Sitzung soll Zeit sein, aktuelle Problemen in Koalitionen, mit denen die Lernenden zu tun haben, zu klären und Frieden zu stiften. Eine Übung zur Evaluation potenzieller Koalitionspartner folgt der Präsentation.

Vorbedingungen für Bewegungen der sozialen Veränderung

Viele Leute bauen Tag für Tag Organisationen auf und hoffen, dass vielleicht ihre Bemühungen zu einer sozialen Bewegung auf allen Ebenen wachsen. Deshalb ist es notwendig, die Entstehung von Sozialen Bewegungen in der Geschichte zu analysieren und ein Verständnis für die Kräfte zu entwickeln, die diese möglich machen.

Diese Sitzung blickt auf die ökonomischen Voraussetzungen der Bewegungen der 1960er und der 70er, der Bürgerrechtsbewegung, der Studentenbewegung und der Frauenbewegung und sie spürt deren Ursprünge in den ökonomischen und sozialen Bedingungen auf. Sie versucht zu definieren, was Organisatoren tun können und was nicht für die weitere Entwicklung einer Bewegung.

 

Rechenschaftssitzung, (Accountability Sessions)

Eine Accountability Session / Rechenschaftssitzung ist ein großes Treffen in der Community mit einem gewählten Amtsträger oder Abgeordneten (Stadtrat, Bürgermeister usw.).

Sie wird auf dem Boden deiner Organisation durchgeführt; es sollte nicht durcheinander gebracht werden mit einer offiziellen Bürgerversammlung, auf der alle Sichtweisen gehört werden. Dieses Treffen dient dazu, die Sichtweise deiner Organisation zu präsentieren.

Die FührerInnen deiner Gruppe und verbündeter Organisationen reden zunächst, und dann werden die gewählten Amtsträgern aufgefordert, zu ganz spezifischen Forderungen zu antworten, die von einer Reihe von Leadern vorgetragen werden.

Von dem Offiziellen wird erwartet, dass er den Forderungen der Gruppe nachgibt.

Eine Rechenschaftssitzung macht die Unterstützung der Community deutlich, die hinter den Leuten im Raum steht


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[2] http://www.mindspring.com/~midwestacademy/page8.html, geladen 26.11.2002). Das dort angebotene Material, denke ich, könnten wir auch hier verwenden.

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