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Kap. 6- Industrial Areas Foundation (IAF) : professionelles Netzwerk für Organisationen des COvon Michael Rothschuh IAF- ein Überblick (nach Charles Dobson) 55 Änderungen von Alinsky hin zur heutigen IAF 58 United Power for Action and Justice- ein Beispiel für die Arbeit von IAF 59 Die kognitive Struktur der Mitglieder und das IAF Organizing 60 Anhänge: Beispiel für eine Organisationsstruktur, Materialien
Die Industrial Areas Foundation (IAF) ist von besonderer Bedeutung, zum einen weil IAF sich auf Saul Alinsky zurück führen kann, zum anderen, weil es in seiner Arbeitsweise Vorbild für viele Organisationen insbesondere aus dem religiösen Bereich ist. Erst kürzlich hat IAF als Gesamtorganisation eine Website in das Internet gestellt: http://www.industrialareasfoundation.org/ zudem ist ein grundlegendes Werk von Ed Chambers, dem langjährigen Leiter, von IAF erschienen.[1] Neben einer Selbstdarstellung bei Tresser (http://www.tresser.com/IAF.htm,) mit zusätzlichen Materialien kann man zudem auf die Seiten der IAF Nordwest mit dort enthaltenen Aufsätzen zurück greifen (http://www.iafnw.com/about.asp ) sowie auf die Darstellungen und Kritiken von Warrens Beschreibung der texanischen IAF. Die lange Zeit fehlende Präsenz der Gesamtorganisation von IAF im Internet hat sicherlich auch mit dem Arbeitsansatz von IAF zu tun: zum einen ist es keine direkte Mitgliederorganisation, die laufend mit ihren „Erfolgen“ werben müsste, zum anderen wird das Schwergewicht auf direkte Interaktion gelegt, von Angesicht zu Angesicht, die eben nicht durch das Internet ersetzbar ist. Nach ihrer Selbstdarstellung ist die Industrial Areas Foundation (IAF) 1940 vom Chicagoer Bischof Shiel, dem Warenhausbesitzer Marshall Field, der Tochter des Gewerkschaftsführers John Lewis, Kathryn Lewis und Saul Alinsky gegründet. Diese Wurzeln haben bis heute eine Bedeutung für das Selbstverständnis der IAF als „broad-based“ Organisation und unterscheiden IAF auch von anderen Faith Based Communinty Organiziations. IAF entwickelte sich in den 70er Jahren zur „modernen IAF“ und hat heute 62 angegliederte Organisationen in dem Netzwerk der Vereinigten Staaten, sowie Organisationen in Großbritannien und Südafrika(http://www.iafnw.com/about.asp). IAF ist keine eigene Community Organisation, sondern ein Netzwerk für Community Organisationen, die vertraglich mit IAF verbunden sind und für einen Geldbeitrag als Gegenleistungen insbesondere Beratung und Training der Organizer und der führenden Leader erhalten. Der Name IAF erscheint also bei den Aktionen der Organisationen in der Regel nicht (ganz anders als bei ACORN). In einer Selbstdarstellung von IAF[2] wird die Praxis so zusammen gefasst: 1. Das Herz unserer Arbeit ist das Individual Meeting. Dies ist ein zielgerichtetes Gespräch mit einer anderen Person, das in das Zentrum der Geschichte und des Interesses beider Personen geht. Aus den individuellen Treffen erwachsen Meetings in den Häusern und Wohnblocks.. 2. Aktionen zur Erforschung von Themen, research actions, entwickeln sich zu Verhandlungen oder Aktionen. 3. Wir reflektieren die Aktionen gründlich, um möglichst viel zu lernen. 4. Professionelle Organizer sind vor allem Lehrer, die der Gemeinschaft der Führungspersonen helfen, effektive Strategien zu entwickeln. 5. Führungspersonen und Organizer gehen durch einen Trainingsprozess von lokalen, regionalen und nationalen Stufen. Anhand eines Fallbeispiels hat Marion Mohrlok die Arbeit des IAF und seiner Organisationen plastisch und grundlegend dargestellt[3]; eine zusammen fassende Darstellung zur IAF ist bei Charles Dobson in dem Citizens Handbook zu finden. Ihr soll hier im wesentlichen paraphrasierend gefolgt werden: IAF- ein Überblick (nach Charles Dobson[4]):IAF führt wahrscheinlich das beste Basis- („grassroot“) Organizing in den USA durch. Der legendäre Organizer Saul Alinsky entwickelte in den 70ern die IAF zum Training von Organizern. Die IAF hebt immer noch das Training von Organizern hervor. Aber sie hat den konfrontativen Ansatz fallen gelassen und sieht Verhandlung und Kompromiss als den Hauptweg an, um den Bedürfnissen der Leute mit geringem Einkommen gerecht zu werden. Die IAF ist behilflich bei der Anhebung von Löhnen, der Wohnungsversorgung und der Verbesserung der Schulen in armen Nachbarschaften. Es lohnt sich, einige höchst erfolgreiche IAF Methoden zusammen zu fassen, die sich unterscheiden von dem, was üblicherweise im CO zu finden ist. (Dobson verweist hierbei auf Warren, Dry Bones Rattling) . IAF organisiert hauptsächlich durch kirchliche Netzwerke, insbesondere der katholischen Kirche.IAF geht in existierende Netzwerke von Gemeinden, um die Leute für ihre Ziele zu finden. Zum Beispiel werden über den Bischof die Pfarrbezirke ermuntert, dem IAF beizutreten. Die Gemeinden dieser Pfarrbezirke zahlen dann Beiträge für die IAF und stellen Freiwillige für die IAF Kampagnen. Als Hintergrund für die Organisierung durch Kirchen ist auch zu sehen, dass vor nicht langer Zeit Kirche und Community wie Zwillinge miteinander verbunden waren; jede Ortsgemeinde (Community) war ebenso eine Kirchengemeinde. IAF arbeitet daran, die Organisation über die Kirchen hinaus zu verbreiten und hat mit der Entwicklung von Beziehungen zu weltlichen Institutionen angefangen, wie zu Schulen, Gesundheitseinrichtungen und Gewerkschaften. Dadurch, dass man in vorhandene kirchliche Netzwerke hinein geht, wird das Problem der Mobilisierung gelöst. Für viele Community Organisationen ist es immer wieder schwierig, für eine Aktion Leute auf die Straße hinaus zu bekommen. Eine enge Verbindung zu einem Netzwerk von Leuten, die jede Woche die Kirche besuchen, macht dies viel einfacher. Eine übliche IAF Aktion ist ein „Verantwortlichkeits- Abend“, wenn die Führungspersonen in vorne im Raum aus den Politikern Zusagen heraus holen. Für einen solchen Abend können Kirchen Tausende von Leuten bringen, weil die Gemeindepriester den Grund für die Aktion erläutern und die Mitglieder der Gemeinden ermutigen teilzunehmen. Das Organizing des IAF hängt ab von der Identifikation und dem Training von FührungspersonenIn der modernen egalitären Gesellschaft besteht ein Trend, Führungspersonen herunter zu spielen und flache, dezentralisierte Organisationen ohne klare Autoritätslinien zu schaffen. Dies funktioniert für kleine Gruppen. Aber größere Organisationen mit schwachen Führungspersonen und ohne Hierarchie landen oft dabei, dass sie von kleinen Cliquen dirigiert werden. Weil Cliquen keine formale Autorität haben, ist nichts da, was sie verantwortlich hält. IAF versucht so viele „natürliche Führungspersonen“ zu identifizieren wie möglich. In der Begrifflichkeit von IAF ist eine Führungsperson jemand, der/die Leute vorweisen kann, die ihm folgen. Führungspersonen sagen z.B. zu, dass sie eine bestimmte Anzahl von Menschen zu einer öffentlichen Aktion und „accountability sessions“ mitbringen . Organizer zählen dann die Köpfe und machen die Führungspersonen verantwortlich für das Erreichen ihrer Quoten. IAF hat drei Stufen von Führungspersonen: Auf der dritten Stufe sind normalerweise Gemeindemitglieder, die Freunde, Familienmitglieder, Nachbarn und Arbeitskollegen zu den IAF Aktionen bringen. Mit diesem Ansatz formalisiert IAF das, was generell als der Weg angesehen wird, die meisten Leute einzubeziehen. Ein Freund oder Familienmitglied fordert sie auf teilzunehmen. „Sekundäre“ Führungspersonen der zweiten Stufe sind die Führer der Mitgliedsorganisationen, oft Pastoren oder einflussreiche Gemeindemitglieder. Sie sind vor allem bei speziellen Kampagnen beteiligt und versuchen, die jeweiligen Bedürfnisse ihrer eigenen Organisation zu treffen. Von ihnen wird erwartet, dass ihnen ihre Institutionen folgen und dass sie am Training von IAF teilnehmen. Sie treffen sich auch alle paar Monate in einer Versammlung um die Entscheidungen des Exekutivkomitees zu bestätigen, Das Exekutivkomitee wird von den erfahrensten „primären“ Führungspersonen gebildet, die die wesentlichen Entscheidungen treffen, die dann von den „sekundären“ Führungspersonen ratifiziert werden. Professionelle Organizer trainieren Führungspersonen; Führungspersonen führen Kampagnen durch. IAF ist berühmt für seine „eiserne Regel“: „Tu nie etwas für Leute, was sie selbst tun können“. Angewandt auf das Organizing bedeutet dies, dass professionelle Organizer Führungspersonen trainieren sollen, wie man eine Aktionskampagne durchführen kann, und es nicht selbst tun. In der Praxis assistieren die Organizer oft den Führungspersonen. Dieser Weg hilft den Führungspersonen zu wachsen und das Risiko teurer Fehler zu vermeiden. Die angestellten Mitarbeiter der meisten anderen Community Organisationen führen die Kampagnen selbst durch und verwenden wenig Zeit um neue Führungspersonen zu entwickeln. Als ein Resultat wird ihre Mitgliederbasis schmaler und schmaler. Dadurch, dass sich die MitarbeiterInnen auf die Rekrutierung und das Training von Führungspersonen konzentrieren, erweitert IAF die Mitgliedsbasis ständig. In Texas sind ein Drittel der primären Führungspersonen Geistliche; die übrigen Zweidrittel sind Frauen mittleren Alters aus armen Schichten und der Arbeiterklasse- Gemeinden in farbigen Communities. Laien als Führungspersonen sind zu ihrer freiwilligen Arbeit vor allem durch ihr Selbstinteresse inspiriert, spürbare Verbesserungen in ihren Leben durchzuführen, zweitens durch eine tiefe religiöse Fürsorge für die Community und drittens durch die Möglichkeiten, die sie so für ihr persönliches Wachstum und das Potential, ein „mover und shaker“, ein Beweger und Aufrüttler zu sein, bekommen. Die, die über lange Zeit involviert bleiben, sind motiviert durch den Glauben, das sie „Gottes Werk“ tun ebenso wie durch Interesse an ihrer eigenen Community, und durch „cold anger“, kalten Zorn über die Ungerechtigkeit, die erlitten werden muss. Organizer entwickeln individuelle Beziehungen mit den FührungspersonenZunächst identifizieren Organizer potenzielle Führungspersonen durch 30minütige one-to-one Treffen mit den Kandidaten, auf die sie von existierenden Führungspersonen hingewiesen wurden. Sie achten dabei auf das Selbstinteresse der potenziellen FührerInnen, sich zu involvieren[5], ihren Willen zu handeln und die Präsenz von kontrolliertem oder „kaltem“ Zorn. Sie blicken auch auf den Humor, die Fantasie, Reife, Risikobereitschaft, Verantwortlichkeit, Aggressivität, Integrität und ein gesundes Ego. IAF hebt gegenüber einzelnen Aktionen den Gesamtprozess der Praxis hervor.Der wichtigste Teil des Prozesses ist nicht so sehr die Aktion selbst, sondern die Reflexion und Evaluation, die einer Aktion folgt. Diese findet in Gruppentreffen mit anderen Führungspersonen sowie in offeneren Eins-zu-eins-Begegnungen mit Organizern statt. Diesen nutzen die Organizer oft als Herausforderung für die Führungspersonen, sich zu entwickeln. Der Gegenstand ist dabei, Hindernisse zu überwinden, die das Wachstum eines Leaders blockieren. Diese Art von einem klaren personenbezogenen „Tutoring“, der Begleitung, ist in den meisten anderen Bürgergruppen unbekannt. IAF arbeitet an der personalen EntwicklungDie meisten Organisationen führen Evaluationen der Projekte durch, aber diese sind schnell, kursorisch und unpersönlich,. Wieder einmal ist die IAF-Version formaler, aber sie ist auch tiefergehend und persönlicher. Beim 10-day-Training widmet IAF einen ganzen Tag der Analyse des Selbstinteresses jeder einzelnen Person. Die Trainer führen die Teilnehmer stärker zu einer relationalen als zu einer personalen Sicht des Selbstinteresses, da sich die Interessen einer Person in einem Kontext von Beziehungen mit anderen gestalten. So geraten viele andere community-basierten Bemühungen in Schwierigkeiten, weil sie Gegenstände der Kampagne neben den Selbstinteressen der Teilnehmer laufen lassen.. Es lohnt sich, Zeit zu nehmen, um die Gegenstände des öffentlichen Interesses zu verbinden mit den Selbstinteressen der Teilnehmer. Diese Übung vertieft das Engagement für die öffentliche Aktion und vermeidet Konkurrenz zwischen öffentlichem und privatem Leben. IAF nutzt die Geschichten der Personen, um Allianzen voran zu bringen.Der IAF Ansatz wird oft „relationales Organizing“ genannte, weil die Organizer viel Zeit darauf verwenden Führungspersonen zu lehren, Beziehungen in und zwischen den Organisationen zu bilden. Um Beziehungen zwischen den Organisationen zu bilden, versucht IAF feste persönliche Bindungen zwischen Leuten von verschiedenen Organisationen zu entwickeln, von verschiedenen „Rassen“ ebenso wie von verschiedenen Einkommensniveaus. Dazu bringt IAF Führungspersonen von verschiedenen Organisationen zusammen in kleinen Gruppen, wo sie Geschichten der einzelnen Personen teilen und sich engagieren beim „tiefen Zuhören“. Die Leute werden ermutigt über wichtige Erfahrungen zu sprechen, die ihr Leben geformt haben. Dieser Prozess ist nicht ein schneller Vorspann, der dem „zur Sache kommen“ vorangeht, er geschieht oft über mehrere Tage. Die Lebenserfahrungen zu teilen schafft ein vertrautes Band zwischen verschiedenen Menschen, und dieses Vertrauen ist notwendig für die Kooperation zwischen Gruppen. IAF vermischt den Konsens mit Entscheidungen durch die Führungspersonen.IAF glaubt, dass die Menschen durch „leadership“ (Führerschaft) wirksam sind und wirksam sein sollten. Die erfahrensten Führungspersonen treffen die meisten Entscheidungen bei IAF, und lassen die weniger erfahrenen Führungspersonen und die Basis diese Entscheidungen bei regulären Versammlungen ratifizieren. Dieser Prozess geht normalerweise reibungslos, weil die Verabredungen über strittige Themen durch Konsens ausgearbeitet sind vor ihrer Ratifizierung. Tatsächlich verbringen die Führungspersonen von IAF viel informelle Zeit auf die Beratung untereinander um einen Konsens zu erreichen. Die Führungspersonen werden durch einen ähnlichen Prozess ausgesucht. Sie sind nicht gewählt; stattdessen werden sie empfohlen vom führenden Organizer, dann ausgewählt durch informelle Diskussion und Konsens unter den Spitzen- Führungspersonen und schließlich bestätigt auf einer Versammlung oder einer größeren Tagung. IAF versucht Cliquenbildung vorzubeugenIAF warnt Führungspersonen, Freundschaften zu begrenzen so dass es wie eine Koalition um eine Clique erscheint. Cliquen beschneiden Beziehungen quer zu den verschiedenen Communities. Keine permanenten politischen BindungenIAF betont eine strikt unparteiische Position, so dass IAF arbeiten kann mit Leuten auf der Rechten, wie der Linken und denen dazwischen. Über Haustreffen die Basis weiter entwickelnIAF fordert Führungspersonen auf, Freunde und Nachbarn in ihre Häuser einzuladen um ein spezifisches Thema zu diskutieren, wie zum Beispiel, wie man Jobtraining für Leute mit geringem Lohn erreicht. Mit diesen Gesprächen soll eine Basis für Aktionen zu einem spezifischen Problem gefunden werden. Sie beziehen dabei die Leute ein, die direkt von dem Thema betroffen sind und sammeln dabei persönliche Geschichten, die andere motivieren. Bottom-up und top-downIAF kombiniert den bottom-up Ansatz von Haustreffen mit dem top-down Ansatz von Forschungstreffen mit Experten, Geschäftsleuten und offiziellen Personen. Diese Forschungstreffen schaffen Alliierte, erweitern Glaubwürdigkeit und helfen, die Details von öffentlichen politischen Initiativen zu definieren. Auch diese Forschungstreffen sind Treffen von Angesicht zu Angesicht. IAF glaubt zutreffender weise dass die Kunst der Politik am besten face to face geführt wird, nicht durchs Telefon, Briefe oder Emails. IAF anerkennt die Bedeutung von finanziellen RessourcenDie meisten Mitglieder von IAF haben ein jährliches Budget von etwa 150.000 $, genug, um wenigstens einen Organizer zu bezahlen, die Bürokosten zu decken und die Kosten von extensivem Führungstraining zu bezahlen. Etwa 20% kommen von Mitgliedsbeiträgen, 20% von der katholischen Kampagne für „Human Development“ , 30% von privaten Stiftungen und der Rest von lokalem Fundraising oder anderen kirchenbasierten Geldgebern. Wie bei den meisten progressiven Organisationen sind die Aktivitäten von IAF limitiert durch die Geldmittel, die mobilisiert werden können, “Soft Art of Organizing”Broadbased Organizing beginnt nach Penta mit dem progressiven und demokratischen Potenzial bestehender, oft strukturell konservativer und hierarchischer Institutionen. IAF versucht mit einer von McNeil so benannten „soft art of organizing“ mehr „relationale“, also auf Beziehungen gründende, als bürokratische Organisationen aufzubauen, die, hier zitiert Penta Mike Gecan, einen Supervisor von IAF, so voneinander unterscheiden:
Änderungen von Alinsky hin zur heutigen IAFsieht Warren[6] hauptsächlich in folgenden Punkten: · IAF reicht tiefer in die Mitgliedsorganisationen, um dort Laien als Führungspersonen heraus zu bilden. · Der Fokus richtet sich mehr auf die Beziehungsbildung und Entwicklung von Führungspersonen ; dadurch wird eine breitere Basis für Führungspersonen erreicht, insbesondere werden verstärkt Frauen einbezogen. · Anders als Alinsky nimmt IAF die religiösen Traditionen ernst. Organizing verbindet Interessen der Leute mit ihren Werten; dies trägt dazu bei, Organisationen über lange Zeit zu erhalten. IAF achtet mehr als Alinsky darauf, dass breit basierte Organisationen aufgebaut werden, die in Bezug auf Rasse, Ökonomie und Religion divers sind. Sie umfassen eher Metropolen als Nachbarschaften und versuchen die Ebene der Staaten und Regionen zu vernetzen. Das gibt ihnen die Fähigkeit, ambitionierte Initiativen durchzuführen. United Power for Action and Justice- ein Beispiel für die Arbeit von IAFWie IAF arbeitet, wird deutlich bei der Entstehung von United Power, wie sie Tom Lenz[7], ein Vertreter der jüngeren Generation von IAF, darstellt[8] : Auf den Internetseiten wie im Film „The Democratic Promise“ wird immer wieder eine Versammlung in Chicago am 19. Oktober 1997 gezeigt: Über 10.000 Leute von 320 verschiedenen Institutionen kamen, um die Gründung einer neuen Organisation für die Stadtregion (metropolitan-wide), “United Power for Action and Justice“ öffentlich zu machen. Schwarze, Weiße, Latinos, Asiaten. Juden, Christen und Moslems, Gewerkschaftsmitglieder, Nachbarschaftsentwickler, Führer von Gesundheitszentren. Stadtbewohner und Vorstädter kamen zusammen ohne ein spezifisches Programm. In der Universität von Illinois ging das Gespräch darum, eine Politik des Gemeinwohls aufzubauen, und für das Ganze einzustehen. Ohne ein genaues Programm zu spezifizieren (sehr zur Verwunderung der Chigagoer Zeitung Chicago Tribune), sprachen die Führungspersonen über die drängenden Themen in ihren Communites- Gewalt, ökonomischer Niedergang und hohe Kosten für die Wohnungen-, und betonten ihre regionale Natur. Die Schritte Tom Lenz beschreibt die Schritte auf dem Weg zu diesem Großereignis[9] · Eine Gruppe von katholischen Priestern ist alarmiert durch den ökonomischen Niedergang Chicagos und die dadurch verursachten verheerende Auswirkungen auf weite Teile der Stadt und wendet sich an den Kardinal Bernardin. · Der Kardinal stimmt 1994 zu, eine führende Rolle bei der Schaffung einer neuen Organisation zu spielen. · Nach dem Tod des schwarzen Bürgermeisters Harold Washington sind afro- amerikanische religiöse Führungspersonen beunruhigt über die wachsende politische und ökonomische Isolation, weshalb der Bischof der Apostolischen Kirche und Geistliche der Baptisten und andere auf Anfrage von Bernadin sich zur Teilnahme an einem Sponsoring-Komitee bereit erklären. · Das Sponsoring Komitee weitet sich aus auf protestantische Gemeinden, jüdische Organisationen, islamische Institutionen und drei Gewerkschaften. Die Sponsoren sammeln 2,5Mio Dollar von ihren Institutionen und · Schließen einen Vertrag mit IAF („hire“ IAF) · Es folgen vor der ersten öffentlichen Aktion ungefähr 12.000 individuelle unmittelbare (face-to-face) Treffen · 1998 hat United Power 212 Mitglieder und eine jährliche Beitragsbasis von 500.000$. · Anschließend arbeiten örtliche Community Organisationen an bestimmten Themen. Beschrieben wird eine Aktion der North Lakefront Assembly (LAC), in dem sie die Opposition gegen ein Haus für misshandelte Frauen überwindet[10]. · Für regionale Aktionen setzt das Steuerungs- und Strategie-Team, zu dem Repräsentanten aus allen lokalen Versammlungen gehören, Gesundheitsversicherung für arbeitende Familien und erschwingliche Hausbesitzerschaft als Prioritäten fest. Lenz betont das Neue des Vorgangs: zum einen wäre es die besondere Breite, bei der auch Muslims einbezogen sind, zum anderen die Verbindung von Organisationen der Stadt und der Vorstädte und damit auch Verbindung von Interessen der ärmeren Schichten mit den mittleren Einkommensschichten. Er setzt sich dabei auch mit Kritikern auseinander, die das Gefühl gehabt hätten, die neue Organisation würde zu breit oder zu sehr an die Mittelklasse gebunden sein, so dass diese zu ihren eigenen Gunsten die Bedürfnisse der Armen übersehen würde. Aber auch diese wären beeindruckt gewesen von der Gründungsversammlung am 19.Oktober 1997. Die kognitive Struktur der Mitglieder und das IAF OrganizingByrd[11] untersucht die Gründe für die von ihm so eingeschätzte generelle Effektivität von IAF -Organizing in Nashville anhand von Intensivinterviews von Mitgliedern der Tying Nashville Together,(TNT). Dabei konzentriert er sich auf die Zusammenhänge und Parallelen zwischen der „kognitiven Struktur“ der teilnehmenden Gemeinden und den Prinzipien und Arbeitsweisen des IAF Organizing. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die Mitgliedsgemeinden von TNT – von 600 Gemeinden in Nashville nehmen durchschnittlich etwa 20-25 an TNT teil – zum linken Flügel der traditionellen religiösen Organisationen gehören. Es sind vor allem liberale und gemäßigte oder afro-amerikanische Gemeinden, sowie jüdische Synagogen. Bei diesen Gemeinden hat danach die Idee der sozialen Gerechtigkeit ein stärkeres Gewicht hat als der Altruismus, ohne dass dieser ausgeschlossen wird. Es geht hier weniger darum, Armen zu helfen als um die Kritik an der gegenwärtigen Machtverteilung, die ungleiche Startchancen zur Folge hat. - Die Bewegung der Gemeinden weg von der geschlossenen Gruppe und konfessionellem Denken hin zur Ökumene hat eine Parallele zu dem Prinzip des IAF- Organizing, auf breiter Basis für das Wohlergehen der Menschen zu organisieren. - Die Ambivalenz in den Gemeinden gegenüber kirchlichen und moralischen Autoritäten, die Tendenz zur demokratische Leitung, zum Individualismus, und mehr Partizipation für Laien und Bürger steht in enger Korrelation zur Betonung der Basis bei IAF und zum Organizing in den Nachbarschaften. - Eine Neuinterpretation von Familienwerten und der Rolle der Frau bei Gemeindemitgliedern passt mit der verstärkten Betonung von familiären Netzwerken und einer Frauen akzeptierenden Führerschaft bei IAF zusammen. Anhang: Beispiel für eine Organisationsstruktur: Allied Communities of Terrant,[14] |
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Herausgeber: Forum Community Organizing, Website: Michael Rothschuh, Brühl 20 31134 Hildesheim, HAWK
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