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Kennzeichen des FBCO..........................................................................................................
Ergebnisse der Untersuchung..................................................................................................
Kommentar: FBCO und der Anspruch der „Breiten Basis“.........................................................
Beim Faith Based Community Organizing (FBCO) geht es um
CO, das vorwiegend von christlichen oder jüdische Gemeinden, z.T. auch
Gemeinschaften anderen Glaubens, durchgeführt wird. Es wird teilweise auch
Church Based CO oder auch Congregational CO genannt.
FBCO strebt einen machtvollen Beitrag zu Amerikas
Demokratie an. Die Gruppen, die in FBCO einbezogen sind, versuchen, das
öffentliche Leben zu verbessern, indem sie sich auf demokratisches Handeln
vorwiegend in den religiösen Institutionen stützen, die das tägliche Leben der
Familien und Communities strukturieren. FBCO entwickelt Führerschaft, die von
diesen Institutionen ausgeht und von anderen, wie Schulen und Gewerkschaften,
hin zu wirksamen Führern für die Communities. FBCO …versuchen,
unterschiedliche Communities zusammen zu bringen, um die Partizipation
auszuweiten in der öffentlichen Sphäre.
Warren und Wood haben alle lokalen, FBCO untersucht, von
denen die Autoren wussten, dass sie 1999 in den USA aktiv waren.
(nach oben)
Als Kennzeichen des FBCO, die zur Auswahl der befragten
Organisationen herangezogen wurden, werden genannt:
Faith-based: Die Mitgliedschaft besteht
hauptsächlich aus religiösen Institutionen wie Gemeinden. Die Gruppen arbeiten
daran, ihr Organizing in den Werten und Traditionen der jeweiligen Religion zu
verankern.
Broad-based: FBCO streben an, möglichst umfassend
die Diversität der Community einzuschließen; typischerweise sind sie
interreligiös, viele beziehen auch Schulen, Gewerkschaften,
Nachbarschaftsgruppen u.a. ein. Die Leader sollen quer zu den Grenzen von
Rassen, Einkommen und Geschlecht zusammen kommen.
Die Gruppen sind lokal konstituiert, das
Organizing geht von großen Nachbarschaften bis zu ganzen Stadtregionen. Auch
wenn die Gruppen mit nationalen und regionalen Netzwerken verbunden sind, so
liegt die Betonung doch auf lokalem Organizing.
Multi-Issue: Die Organisationen beziehen sich
ausdrücklich auf unterschiedliche Anliegen und Themen. Ihr Ziel ist es,
lokale Leader zu trainieren, damit sie drängende Themen effektiv in Angriff
nehmen können.
Sie haben professionelle Organizer angestellt,
deren Hauptverantwortung darin liegt, lokale Leader zu rekrutieren und zu
trainieren.
Relational Organizing: Organizing geschieht durch
Bildung von Beziehungen; so lernen die Menschen, wie sie Beziehungen innerhalb
und quer zu den Institutionen als Basis für öffentliche Aktionen aufbauen
können.
Sie sind politisch, aber nicht an Parteien gebunden. Sie
suchen Macht in der öffentlichen Arena zu bilden, basierend auf der Stärke der
Beziehungen und der Mitgliedsorganisationen. In der Regel sind sie als
gemeinnützige Organisationen (nach amerikanischem Recht) eingetragen.
133 Organisationen wurden von den Autoren der
Untersuchung gefunden, von den vorgelegten Fragebögen wurden 100 beantwortet,
in der Regel durch die Haed- Organizer; anschließend wurde ein Teil von ihnen
vertiefend interviewt. Nicht alle diese Merkmale treffen auf alle befragten
Organisationen zu. Ausgewählt wurde nach dem formalen Status (beschäftigter
Organizer, noch aktiv).
Den zugrundeliegenden üblichen Aufbau der Organisation
habe ich so verstanden:


Mitglieder sind nicht Einzelpersonen, sondern mehrere
Gemeinden und zum Teil – im Idealfall –auch nicht-religiöse Institutionen.
Diese Gesamtorganisation stellt einen oder mehrere Organizer an, die
Organisations-, Trainings- und Beratungsfunktion haben. Die Organisation wird
von einem Vorstand (Board) geleitet, der sich in der Regel aus den Leadern der
tragenden Mitgliedsorganisationen zusammensetzt.
Die eigentliche strategische Führung der Organisation hat
eine kleinere Gruppe (Exekutivkomitee), deren Mitglieder gelegentlich als
Leader 1. Grades bezeichnet werden. Führungspersonen der einzelnen
Mitgliedsorganisationen (Leader 2. Grades) bilden die Brücke zwischen der
Organisation und den Mitgliedern der einzelnen Gemeinden usw. Innerhalb der
Gemeinden gibt es informelle Leader (3. Grades) , die die Mitglieder der
Gemeinden und nicht-religiösen Institutionen für Aktionen usw. der Community
Organisation mobilisieren, wie z.B. Versammlungen, Befragungen,
Unterschriftenlisten.
Die Community Organisation selbst kann wiederum lokalen
oder überregionalen Netzwerken angehören. Die Zugehörigkeit zu einem der
großen Netzwerke wie IAF bedeutet nicht, dass z.B. IAF die Arbeit der
einzelnen Organisation bestimmt, sondern dass IAF (durch Vertrag) definierte
Unterstützung leistet.
Die Ergebnisse der Untersuchung sollen hier knapp
zusammen gefasst werden:
(nach oben)
Organisationen
133 lokale Organisationen sind in 33 Staaten der USA
aktiv, die Hälfte aller Organisationen in den sechs Staaten Kalifornien,
Texas, New York , Florida, Illinois und Ohio.
Die Organisationen haben insgesamt 4000
Mitgliedsorganisationen, davon 87% religiöse Organisationen, 13%
Gewerkschaften,
Schulen sowie andere Community Organisationen.
Zwischen 1 und 1,5% aller religiösen Organisationen sind
am CO beteiligt.
Organizer, Leader und Basis
- 460 professionelle Organizer
- 2700 Menschen in den
Vorständen, davon ca. ¼ Geistliche
- 24.000 Leader,
- 100 000 Leute waren
innerhalb von 18 Monaten wenigstens bei einer öffentlichen Aktion beteiligt.
- 1-3 Mio. Menschen werden als
Mitglieder der Gemeinden und anderen Mitgliedsorganisationen durch FBCO
erreicht.
Religiöse Mitgliedsgemeinschaften
- 33% Katholische Gemeinden,
- 33% liberale und gemäßigte
protestantische Konfessionsgemeinschaften (United
Methodists, Lutherans, Episcopalians, Presbyterians, and Congregationalists
(UCC);
- 16 %Baptisten, in der Regel
„black“ Gemeinden
- weitere religiöse
Gemeinschaften sind : jüdisch, unitarische Universalisten, schwarze
evangelikale (Church of God in Christ) Gemeinden mit jeweils 2%
- sehr wenige theologisch
konservative protestantische Gemeinden (Assembly of God, Nazarene, Apostolic
and Wesleyan) mit weniger als 3%
- Nicht-christlich/ jüdisch/
universalistische Gemeinden sind mit weniger als 1% beteiligt:
buddhistische, muslimische und Hindu- Gemeinschaften
Nicht am FBCO beteiligt sind
vor allem die in Amerika sehr bekannten weißen evangelikalen und
fundamentalistischen Gemeinden.
Beteiligung von nicht-religiösen Institutionen
- Mehr als die Hälfte der Organisationen (57%) haben
nicht-religiöse Institutionen als Mitglieder.
- 13% aller Mitgliedsorganisationen sind
nicht-gemeindliche Institutionen, davon
·
42 % Schulen
·
15 % Gewerkschaften
·
7% Nachbarschaftsorganisationen
·
36% verschiedenste Organisationen in der Community
Organizer
- Meistens sind ein bis zwei Organizer angestellt,
einige Organisationen haben bis zu acht Organizer.
·
Etwa die Hälfte der Organizer sind Weiße, 29% Schwarze, 16%
Hispanics;
·
56% sind Männer, bei den Head-Organizern mehr als 80%;
·
In der Tendenz werden im Laufe der Zeit mehr Farbige und mehr
Frauen Organizer.
Finanzielle Basis
- Medianwert (jeweils ½
der Organisationen haben weniger/ mehr) 150.000 $ / Jahr
- Mitgliedschaftsbeiträge 22%
- Catholic
Campaign for Human Development 19%
- Andere religiöse Geldgeber
12 %
- Private Stiftungen 30%
- Lokal 5 %
- andere 12 %
Netzwerke
Ein Teil des FBCO ist in die vier großen Netzwerke
eingebunden, die etwa 1600 Leader pro Jahr auf nationaler Ebene in mehrtägigen
Trainings trainieren.
(nach oben)
Religiöse Gemeinden sind eine herausragende Basis für
lokale Organisation, weil der örtliche Bezug und die reale regelmäßige
Zusammenkunft der Mitglieder zu ihrem Wesen gehört. Was sonst oft mühsames
Produkt intensiver Arbeit ist, dass Menschen eines Ortes sich real treffen,
ist für die Gemeindemitglieder gelebte Tradition; allerdings mit zwei
wesentlichen Einschränkungen: die Menschen eines Ortes gehören, in den USA
sehr verschiedenen oder auch keinen religiösen Gemeinden an und das
traditionelle Gemeindeleben erodiert.
Das Interesse der Gemeinden liegt deshalb nicht nur
darin, Verbesserungen für den Stadtteil, die Stadt oder die Region zu
erreichen, sondern ebenso darin, die innere Community mit neuem Leben zu
füllen. FBCO verspricht insofern eine „win-win- Situation“ als es insbesondere
aufgrund des „relational power“ Ansatzes Stärkung der jeweils
unterschiedlichen Gemeinden und zugleich der Lebensbedingungen im Stadtteil
anstrebt.
Deutlich wird eine Dominanz von katholischen und
evangelischen Organisationen.
Damit kommen hier mit den verschiedenen Konfessionen und
Religionsgemeinschaften sehr unterschiedliche Kulturen zusammen, z.B. befindet
sich die katholische Kirche in einer Minderheitsposition in der amerikanischen
Gesellschaft und ist selbst hierarchisch gegliedert, was zu einer besonderen
Stellung von Kardinälen und Bischöfen führt. Die protestantischen Kirchen sind
sehr fragmentiert; ihre Gemeinden haben oft ein hohes Maß an Autonomie. Die
Fragmentierung gilt auch für die theologischen und sozialmoralischen Fragen
mit einem Nebeneinander von Fundamentalisten und reformorientierten Gemeinden.
Insofern ist der Anspruch des „broad-based“ teilweise
allein schon durch die Zusammenarbeit von verschiedenartigen Gemeinden
erfüllt. Allerdings ist insgesamt nur der kleine Teil der Gemeinden in das CO
involviert, der für sich eine spezifische Aufgabe in der Veränderung der
Gesellschaft sieht, wobei dies durchaus mit einem „Wertkonservatismus” etwa in
Bezug auf die Bedeutung der „Familie” verbunden sein kann.
Verankert ist das CO auch z.T. im jüdischen Bereich,
allerdings mehr bei den Organizern als den Gemeinden selbst. Kaum gelungen ist
die Einbeziehung von moslemischen, buddhistischen und anderen
nicht-christlichen Organisationen; zu Recht ist deshalb z.B. United Power for
Action and Justice in Chicago stolz auf ihre Diversität, die über die
christlichen Gemeinden hinaus geht.
Die Zusammenarbeit von sehr unterschiedlich geprägten
religiösen sowie nicht-religiösen Vorstellungen geprägten Institutionen macht
den Dialog zwischen den Organisationen und ihren Mitgliedern zu einer
zentralen Aufgabe und dürfte mit ein wesentlicher Grund sein dafür, dass es
zwar gemeinsame Orientierungen (z.B. Demokratie wirksam machen,
Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit) gibt, nicht aber ein „Programm”, eine
„Plattform” für alle. Eine Untersuchung zur IAF kommt zu dem Schluss, dass die
konsensuale Entwicklung von Issues zwischen den verschiedenen Organisationen
zu Grenzen z.B. bei der Thematisierung von Rassendiskriminierungen führen kann.
Innerhalb der Organisationen sind zwar nur ¼ der
Vorstandmitglieder Geistliche, aber mir erscheint es als plausibel, dass diese
zum einen innerhalb ihrer Gemeinden eine herausragende Bedeutung haben und zum
anderen auch die Laien-Leader innerhalb der Kirchen – ähnlich wie
Kirchenvorstandsmitglieder in Deutschland – die Institution Kirche verkörpern.
Die Frage ist, wieweit dann kirchlich nicht gebundene „native leader“, die
informellen Führungspersonen, die Alinsky angesprochen hat, noch eine
eigenständige Rolle auch bei der Formulierung der Ziele und
Lösungsmöglichkeiten in den Community Organisationen spielen können.