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Stand: 16.02.2008

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Kap. 4- Organizing for Change –
Erfolgsgeschichten des Community Organizing

Eine Vorstellung des Buchs von Judy Hertz, 2002: Organizing for Change: Stories of Success[1]

Definition  des Community Organizing durch Judy Hertz:.....

Wie geschieht Community Organizing konkret? Was erreicht es?

Jobs in der Nachbarschaft erhalten.

Das „Herz“ der Stadt Hammond retten.

Die politische Agenda für das Thema „Wohnen“ bestimmen.

„Räuberisches Verleihen“ stoppen..

Kommentar: Aspekte des Community Organizing.

Materialien: Organisationen, Quellen, Hinweise..

 

Definition  des Community Organizing durch Judy Hertz:

Community Organizing ist Organisieren der Basis (graasroot organizing),

·         das Führung  (leadership[2]) in den Stadtteilen und Nachbarschaften (communities) aufbaut,

·         bei dem die Organisationen den Bewohnern Rechenschaft ablegen und demokratische Entscheidungsprozesse haben,

·         das auf der Basis von Beziehungen zwischen vielen BewohnerInnen  Macht (power) für die Community entwickelt und

·         eine dauerhafte Organisation der Community entwickelt.

(nach oben)


Wie geschieht Community Organizing konkret? Was erreicht es?

Jetzt ist eine spannende Sammlung von „Erfolgsgeschichten“ des Organizing erschienen, in der Kampagnen des Community Organizing (CO)[3] geschildert werden, die Erfolg im doppelten Sinne hatten: eine Verbesserung der Lage der betroffenen Stadtteile und eine verstärkte Machtposition der Organisationen.

 

Geschrieben ist das kleine Buch von Judy Hertz, einer Mitarbeiterin des Trainings- Instituts Midwest Academy und des Master- Studiengangs Community Development an der North Park University, beides in Chicago.

Aus Chicago und seinem Umland stammen auch die Geschichten -  und das bedeutet, aus einer Region, in der Community Organizing nicht nur wegen Saul Alinskys Wirken tief verwurzelt ist und politisch ernst genommen wird, und in der sich verschiedenste, z.T. auch konkurrierende  Organisationen und Stiftungen den Ansätzen des CO verbunden wissen.

Hertz’ Grundlage sind Interviews vor allem mit Akteuren des CO; sie erzählt die Geschichten aus deren Sicht- also durchaus parteilich und subjektiv.

Ich möchte dieses Buch – auszugsweise und den Text paraphrasierend – vorstellen und kommentieren. Im Anhang gebe ich kurze Hinweise zu einigen hier genannten Organisationen.

Das Buch ist von der „Neighborhood Funders Group“ herausgegeben, einem US-weiten Netzwerk von Sponsoren zur Unterstützung für solche Organisationen, die Menschen mit geringem Einkommen bei der Verbesserung ihrer Communities helfen. Die NFG möchte mit diesen „success-stories“ ermutigen, CO zu unterstützen. Begründet wird dies mit der besonderen Qualität von CO:

 

„Wir unterstützen Community Organizing, weil es

·         zum Fortschritt in vielen Bereichen beiträgt,

·         Unrecht heilen kann,

·         das soziale Netz der Communities verbessert,

·         dafür sorgt, dass offizielle und private Einrichtungen die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen,

·         notwendige Ressourcen in die betroffenen Communities bringen kann,

·         eine Grundlage zum Training für Bürger und Führungspersonen schafft, von der aus sie zu anderen Themen, anderen Organisationen und Feldern weiter gehen können und

·         es die Flamme der bürgerschaftlichen Partizipation in einer Weise leuchten lässt, wie es anderen Aktivitäten, die finanziell unterstützt werden, kaum gelingt.“

Judy Hertz hat diese vier Geschichten ausgewählt, weil sie verschiedene Aspekte des CO repräsentieren, neu sind, reale Erfolge des CO zeigen und ihrer Kerndefinition von CO (s.o.) entsprechen. 

(nach oben)


(1) Jobs in der Nachbarschaft erhalten

„Dies ist eine Geschichte einer Bewohnergruppe, die in der Community-Organisation Logan Square Neighborhood Association (LSNA) gearbeitet und entschieden hat: Genug ist genug“.

Logan Square[4]:

Das Gebiet war früher Industriegebiet, die Beschäftigten wohnten in der Umgebung; es gab stabile Jobs, geprägt war das Viertel von Bewohnern der Arbeiterklasse mit einer Mischung von erschwinglichen Einfamilienhäusern und Wohnungen.

In den 80er Jahren gab es einen Kampf, um eine Fabrik (Steward-Warner) offen zu halten; er wurde 1989 verloren mit der Schließung der Fabrik. Ihr folgte eine „gated community“, also ein nach außen abgeschlossenes Wohngebiet für die reicheren Menschen. Diese „Gentrifikation“, bei der die Menschen mit geringem Einkommen aus der Arbeiterschaft verschoben werden in billigere Gebiete, vielleicht weit weg von den Jobs, den Familien und alten Nachbarn, schwappt sich langsam von Stadtteil zu Stadtteil und schleicht an den Boulevards von Logan Square entlang. 

Seit 1996 ging es vor allem um den Verkauf eines Warenhauses „Cotter & Co“ und die Frage, welche Perspektiven das Stadtviertel für Wohnen und Arbeiten entwickeln kann.

Im Rahmen der bestehenden Community-Organsation Logan Square Neighborhood Asssociation (LSNA) beginnen Führungspersonen aus der Nachbarschaft, wie z.B. eine Pastorin aus der „Church of the Good News“ oder langjährige BewohnerInnen des Stadtteils, mit einem wöchentlichen Treffen in der Kirche, um zu erforschen und zu entscheiden, was sie tun können um die Entwicklung einer „gated community“- vorgelegt war ein Plan von 500 Wohneinheiten- zu stoppen.

Einige wollen sich zunächst nicht beteiligen, weil sie den Kampf um die Erhaltung von Stewart-Warner gesehen hatten mit der Erfahrung, dass trotz allem, was die Beschäftigten und die Community taten, die Fabrik geschlossen wurde. Nach einem Rausschmiss bei dem Versuch, Kontakt zu den Verantwortlichen aufzunehmen, führt der Ärger über die bestehenden gated Communities sowie über einen Rausschmiss, aber zu dem Beschluss, die Entwicklung auf diesem Gelände zu stoppen.

Erforschung der Machtverhältnisse.

Man fand heraus, dass der für den Bezirk zuständige Abgeordnete sein eigenes Haus beim Planer der 500 Wohneinheiten gekauft hatte. Dies führte zu einer Aktion, bei der 75 Leute zur seiner Baustelle gingen und ein Band mit aneinander gereihtem Spielgeld aufhängten. Die Botschaft: Die Nachbarschaft verlangt die selbe Art von einem „guten Geschäft“, wie es der Abgeordnete gemacht hatte.

Hinzu kam ein Bündnis mit dem Besitzer einer Fleischfabrik, der 500 Arbeiter mit ausreichendem Lohn und der Kooperation mit Gewerkschaften beschäftigte; er drohte, seine Fabrik abzuziehen, wenn diese Edelwohnungen entstehen würden; der Fabrikbesitzer hatte genug eigenen Einfluss auf den Bürgermeister Daley, so dass die Bewohner auf die Unterstützung des Abgeordneten verzichten konnten. Sein Statement wurde in Chicagos Medien wieder gegeben, und er bekam einen Anruf des  in Chicago fast übermächtigen Bürgermeisters Daley: Der Bürgermeister unterstütze keine Änderung des Gebiets; dort würden deshalb keine Wohnungen entstehen.

Etwas zu stoppen ist nicht genug

Wenn keine Wohnungen entstehen, würden, was dann?

In einer Versammlung werden Kriterien festgelegt: Es sollen nur Planungen unterstützt werden, bei denen

·         mindestens 500 „living wages jobs“, d.h. Jobs mit einem gesicherten Mindesteinkommen, entstehen;

·         zudem müssten soziale Leistungen für die Beschäftigten gesichert werden, sowie

·         Kinderversorgung sicher gestellt wird und

·         ein Training für die vorgesehenen Arbeitsplätze angeboten wird.

Zum Rathaus gehen

Das Rathaus, die City Hall, ist das Zentrum für Politik und Verwaltung der Stadt. Dort verweigert zunächst der Abgeordneten, gegen den sich die dargestellte Aktion gerichtet hatte, ein Treffen, daraufhin gehen 20 Leute in seine reguläre Sprechstunde; ein Treffen mit dem Planungsamt ergibt nichts, weil das Amt nur reagieren und nicht selbst planen könne. „Offenbar handeln sie nur, wenn es ihnen passt, haben wir daraus gelernt.“

Bewohner fahren mit einer Busladung zum Rathaus und sind ab jetzt immer wieder im 5. Stock, wo der Bürgermeister residiert. „Wir wurden enge Freunde der Sicherheitswache des 5.Stocks“.

„Die konstante Anwesenheit bewirkt eine Änderung:die Leute aus dem Rathaus fangen an zuzuhören und uns früher im Entscheidungsprozess anzurufen, und ie Haltung der Nachbarschaft verändert sich.“

„Immer mehr Türen öffneten sich. Wir waren klar in Bezug auf  unsere Kriterien. Das Planungsamt wusste, wann wir auf dem 5. Stock waren. Sie wurden viel pro-aktiver, sie sandten Arbeitsplatzentwickler zu uns.

So fingen sie an, uns als eine organisierte Gruppe anzusehen. Die Bewohner fingen an zu merken, dass ihre Meinungen wert geschätzt wurden.“

Einen besseren Vorschlag erhandeln

Nachdem Vorschläge wie Kinos oder Lagerstätten verworfen werden, weil sie nicht den Kriterien entsprechen, wird die Ansiedlung einer Gesellschaft, Costo Companies, für verhandlungsfähig erklärt, weil hier mehr als 200 Leute mit einem Lohn von mindestens $8.00 eingestellt werden sollen.

Nach einer Parade der Community mit einer festlichen Atmosphäre, wird eine Vereinbarung geschlossen, dass die Bürgerorganisation genutzt wird als Ressource, um Leute aus der Nachbarschaft einzustellen.

Die nächste Phase ist es, die Details festzulegen.

„Wir mussten uns wie eine Düne bewegen, zwei Schritte voraus, einen zurück“. Aber schließlich gibt es eine Einigung, die versprochene Ausbildung beginnt, die ersten Leute wurden eingestellt

Die Organisation entwickeln

Die Einrichtung von Costco Companies wird Mai 2001 eröffnet. Die Organisation wird eingeladen, zehn Führungspersonen, die einzigen Bewohner auf dieser Veranstaltung,  erscheinen mit T-Shirts der Organisation.

„Bürgermeister Daley konnte die Augen nichtig von uns lassen; er erinnerte sich an den Sieg der Community: Wir machten dies möglich“

Eine Leaderin:

„Du musst beharrlich weiter machen. Du erlebst viele Enttäuschungen. Leute sagen, dass sie zu einem Treffen kommen und tun es nicht. Du schuftest Dich dabei  ab, so dass die Leute merken, da ist jemand, der an ihrer Seite kämpfen wird. Dann kannst Du etwas Erfolg sehen.

Ich fühle, dass die Menschen in der Community die Verantwortung für ihre eigene Community übernommen haben. Die Leute aus den Ämtern usw. können nicht einfach in unsere Community kommen und machen, was sie wollen, ohne sich mit  uns zu beraten“.

Die Organizerin:

„Die Kampagne hat uns in eine bessere Position für die Zukunft gebracht., denn die Grundlage ist, dass die Leute an der Basis uns trauen. Von den vielen, vielen Organisationen mit denen sie in ihrem Leben zu tun hatten, vertrauen sie der LSNA.“

(nach oben)


(2) Das „Herz“ der Stadt Hammond retten

„Dies ist eine Geschichte von einem niederschmetternden langen Kampf, um das Herz von Hammond zu retten.“

Hammond, südlich von Chicago, war nach dem 2. Weltkrieg eine lebendige Stadt mit einer soliden Basis von Arbeitsplätzen und einer City, in die die Menschen aus den Vorstädten zum Einkaufen, zu den Kinos und dem Opernhaus kamen. In den 60er Jahren verliert die Stadt die industrielle und kommerzielle Basis. 1990 ist nicht mehr viel geblieben in dem Zentrum von Hammond. Wachstum gibt es nur in den Vorstädten, in dem Zentrum gibt es jetzt kaum Einzelhandel,  die Nachbarschaften werden zunehmend atomisiert.

„Als die Bundesrichter planten einen neues Gerichtsgebäude in Vorstadtbereich im Süden von Hammond zu bauen und mit dem bisherigen Court House eines der letzten Wahrzeichen aus dem Zentrum verschwinden würde, entschieden die Bewohner, dass sie es satt hatten. Obwohl sie gewarnt wurden, es wäre zu spät den Plan zu stoppen, beschlossen die Mitglieder der Interfaith Citizens Organization  zu kämpfen.“

„Die ganze Community von Hammond von den Banken bis zu den Kirchen, der Handelskammer bis zu Vereinigungen von Alten, von Nord bis Süd und quer zu den Rassen und Ethnien, kamen zusammen um für die Zukunft ihrer City zu kämpfen.“

Die Basis wieder aufbauen

Die interreligiöse Organisation Interfaith Citizens Organization (ICO) stellt 1989 Scully ein, einen Organizier von der Gamaliel Foundation- einem der großen amerikanischen Netzwerke des CO- ein, um die etwas kränkelnde ICO zu revitalisieren.

Als auf seine Anregung hin die Führungspersonen der Organisation Anfang der 90er Jahre mit den Kirchenmitgliedern sprechen, finden sie heraus, dass viele Bewohner Hammond als eine Durchgangsstation zu etwas besserem ansehen. Ein Pastor ist erstaunt als er  hört, dass die meisten am liebsten aus Hammond weg gehen möchten.

Von Scully geworben, treten mit Ermutigung des Bischofs und zunächst versuchsweise katholische Gemeinden der ICO bei, gründen ein Kernteam und senden einige Leute zu einem Leadership-Training. 

„Etwas, was die Gamaliel Foundation vorschlägt, sind One-to-one- Interviews, wo die Mitglieder unserer Gemeinde losgehen, um andere Mitglieder wirklich kennen zu lernen, was sie interessiert, was für sie wichtig ist, was ihre Anliegen sind. Alle Mitgliedsgemeinden machten das.“

Dies ist ein traditioneller Teil des Organisations-Bildens in glaubensbasierten CO s: Führungspersonen aus den Gemeinden lernen hin zu hören und Beziehungen zu bilden mit Mitgliedern aus ihrer Kirche, Synagoge oder Moschee und der Community.

Durch diesen Prozess verbinden sich die Leader wieder mit den Mitgliedern ihrer Institution, gewinnen mehr Wissen über die Community, das wichtig ist für die Führerschaft und beginnen das Netzwerk von Beziehungen und wechselseitigem Respekt zu bilden, das der Community ermöglicht, Macht auszuüben.

So werden in neun Monaten mit 200 Mitgliedern Gespräche geführt.

Ein Geschäftsmann:

„Wir konnten immer die Truppen sammeln, aber dieses One-to-one gab uns Tiefe. Die Leute verstanden einander wirklich und es schaffte eine Dynamik. Es gab uns Legitimität und eine Basis.“

Das größte Treffen, das jemand gesehen hat

Anschließend sortiert der geschäftsführende Vorstand der ICO die Issues[5] und entwickelt einen Plan für ein Treffen, auf dem die Community die Themen/ Issues auswählen soll, an denen gearbeitet wird.

Beim ersten Treffen 1992 kommen 2.200 Leute.

„Themen waren Jobs, Kriminalität, Schule. Aber eins stand über allem: das Bundes-Gerichtsgebäude. Dies war zugleich ein Thema von Jobs, weil der Verlust des zentralen Gebäudes Kunden für die Geschäfte abziehen würde und ein Neubau des Gerichts, ein 60 Mio.$- Projekt,  im gleichen Gebiet Hunderte von Arbeitsplätzen auf dem Bau schaffen würde.“

„Die Leute waren so konditioniert, dass sie – aufgrund langer negativer Erfahrungen – glaubten, sie seien machtlos. Aber an diesem Tag fingen sie an sich selbst zu glauben.“

Der Genius dieser Kampagne ist die Wahl des richtigen Issues. Es ist symbolisch dafür, dass die Entscheidungen immer wieder von Leuten außerhalb der Stadt gemacht werden. Das Issue ist groß genug, und zugleich grundlegend genug, um einen klassischen Kampf durchzuführen. Es würde die Organisation aufbauen.

„Ein gutes Issue ist nicht etwas, von dem du weißt ,dass du es gewinnen kannst, sondern etwas, wo du denkst, dass du es gut probieren kannst.  Etwas, dass fordert, dass die Leute hart arbeiten und zusammen arbeiten.“

Nach dem Treffen lautet die Überschrift in der Zeitung: „Hammond kämpft für seine Auferstehung“.

Phasen des Kampfes:

·         Der erste Test

Senatoren warnen das Thema anzupacken, weil es sowieso schon gelaufen sei. Die Kirche hätte auch kein Recht sich einzumischen. Aber das erste Meeting hatte gezeigt, dass es hier Einigkeit der lokalen Kräfte gibt, quer zu den beiden Parteien Republikaner und Demokraten und quer zu den Interessengruppen – gegen die „draußen“: die Bundesrichter, Senatoren und Kongressmitglieder.

·         Mit den Fakten beginnen

Die Folgen des Abzugs des Gerichts werden untersucht und die Möglichkeiten, wie die Community den Prozess beeinflussen kann, offizielle und inoffizielle Entscheidungsträger werden herausgefunden.

Die Bundesrichter haben dabei eine zentrale Position, weil sie auf Lebenszeit ernannt sind, unabhängig von der Stadtpolitik und viel Einfluss haben, ihre Vorstellungen durchzusetzen. Sie wollen außerhalb der Stadt ihr Gerichtshaus haben, weil sie meinen, dort ein Gebäude mit mehr Komfort und besseren persönlichen Arbeitsbedingungen zu erhalten

Die offiziell zuständige Behörde hält sich mit einer eigenen Position eher zurück.

·         Alliierte finden

Es ist kein Streitthema zwischen Republikanern und Demokraten und die Richter haben auch kaum Verbündete in der Stadt. Vor Ort gibt es viele Interessenten an dem Verbleiben eines Gerichtshauses im Zentrum, u.a. Geschäfte, die jetzt fußläufig erreicht werden konnten, Anwaltsbüros u.a. .

Eine Koalition entwickelt die ICO u.a. mit der Handelskammer, einem Krankenhaus, Geschäften, und schließlich auch Banken.

·         Runde Eins: einen fairen und objektive Entscheidungsprozess fordern

ICO-Mitglieder sind präsent auf einem Hearing der für die Standortwahl zuständigen Behörde, sie gehen mit 100 Leuten zu dem Büro der Richter, die sich jeglichem Treffen verweigern und laden sie eine Woche später – wieder mit 100 Leuten – ein zu einem Treffen der ICO.

Als die Behörde eine scheinbar neutrale Studie herausgibt, nach der das Gerichtsgebäude nicht in der Innenstadt angesiedelt werden soll, organisieren die ICO- Mitglieder eine große Kundgebung, bei der es in inszenierter und theatralischer Form zu einer Verbrennung der Studie kommt.

Schließlich gibt die Behörde eine Woche später bekannt, dass das Gebäude in der Innenstadt gebaut werden soll.

·         Runde Zwei und Drei

Der Sieg wird gefeiert, aber kurz danach erklären die Richter, dass sie die Entscheidung keinesfalls akzeptieren.

Der Kampf ist also noch lange nicht beendet, weil die Richter und Instanzen des Bundes entscheidende Macht haben. Deshalb bedarf es noch eines lange anhaltenden Kampfes und vielfältiger Aktionen, bis hin zu Kundgebungen der ICO im Washingtoner Capitol, bis der Widerstand der Richter gebrochen ist und im Jahr 2001 das Gerichtsgebäude in dem Zentrum von Hammond fertig gestellt ist.

„Das stärkste, was wir haben ist, dass wir nicht weg gehen. Wir sind da im nächsten Jahr, und wir werden da sein im  Jahr danach. Und wir werden siegen. Das ist es, was wir aus der Sache mit dem Gerichtsgebäude gelernt haben“.

Die normalen Leute gewannen diesen Sieg

Im Laufe dieses ganzen Prozesses hat sich ICO verschmolzen mit ähnlichen Organisationen zu der Interfaith Federation of Northwest Indiana. Sie arbeiten mit neuen Themen: z.B. Drogen und der Schaffung eines Verkehrsverbundes.

„Wir entwickeln den Mut, auf größere Kämpfe zuzugehen und die rassischen und ökonomischen Spaltungen in dieser Region zu überwinden“.

„Die Community kam aus dem Kampf stärker als sie hineinging. Aber es war nicht nur ein Kampf um ein Gebäude, die Teilnehmer beabsichtigten, ein für allemal klar zu machen, dass die Bürger von Hammond selbst ihr Schicksal bestimmen wollen.“

(nach oben)


(3) Die politische Agenda für das Thema „Wohnen“ bestimmen

„In den frühen 1990er Jahren boomte die Ökonomie Chicagos und das Gesicht der Stadt veränderte sich, besonders signifikant im Wohnungsmarkt. Im Zuge eines neuen Romantizismus wurden einige Nachbarschaften in der City saniert, die ein Gebiet für Arbeiter und Leute mit geringem Einkommen gewesen waren. Der Chicagoer Bürgermeister Daley sah die Chance, so mehr Steuern einzunehmen und ordnete an, dass die Ämter Wohnungen und Häuser für mittlere Einkommenslagen planen; die Mittel dafür aber sollten aus dem Topf kommen, der für die Wohnungsentwicklung für niedrige Einkommen vorgesehen war. Der Bürgermeister hatte eben eine andere Vision für diese Gelder als seine Vorgänger.“

Die Entscheidung zum Organizing

Der Vorstand des Chicago Rehab Network, eines Netzwerkes verschiedenster Organisationen, die Wohnungen und Häuser für einfache Einkommen wollten, hatte eine schwierige Entscheidung: Das Netzwerk konnte nicht weiter Wohnen für ärmere Menschen entwickeln ohne Finanzierungsquellen; jetzt aber Wohnungen für mittlere Einkommen zu entwickeln, hätte seine Mission verraten und zugleich die eigene Basis von Leuten mit geringem Einkommen im Stich gelassen.

In direkten Gegensatz zur Stadt zu gehen, die Hauptquelle für das Geld, hieß: Die Hand beißen die einen füttert.

„Sollte man die Krümel akzeptieren oder mehr fordern?“

David Hunt, seit 1989 geschäftsführender Direktor:

„Das Netzwerk ist 1977 aus einem heftigen Kampf  für den Community Reinvestment Act (Banken müssen in Nachbarschaften mit geringem Einkommen investieren) entstanden. Wir haben für Gelder für das Wohnen von ärmeren Leuten gekämpft, das Geld genommen und damit Tausende von Wohneinheiten für ärmere Leute entwickelt. Aber zugleich sind wir von Stadtteilgruppen zu Stadtteilentwicklungsgesellschaften geworden.“

Als die Mitgliedsorganisationen beginnen, gegen die neue Politik der City zu protestieren, merken sie, dass sie alte Machtbasis entwischt ist.

„Wenn du Vermieter bist, kannst du nur schwer die Mieter organisieren, gegen jemanden zu kämpfen. Die Leute werden sagen: ‚Wo ist mein Türknopf?‘ ‚ ‚Wenn du willst dass ich für mehr Hausbau eintrete, dann repariere erst mal die Wohnung die ich habe‘.“

Das Netzwerk holt Kim Bobo von der Chicagoer Midwest Academy , um eine Strategie zu entwickeln. Bobo und Hunt interviewen die Repräsentanten der Mitgliedsorganisationen des Netzwerkes. Alle Organisationen brauchen mehr Geld für Wohnungsentwicklung und wollen dies für ärmere Familien einsetzen. Aber keine hat das Gefühl, dass man jetzt dafür Geld bekäme. Und es macht allen Kopfschmerzen, jetzt Häuser für mittlere Einkommenslagen entwickeln zu sollen.

Die Gruppen haben verschiedene Bedürfnisse, abhängig von der Community, zu der sie gehören. Eine Fraktion will sich bewegen, die anderen warnen eher selbstzufrieden: „Macht nicht alles kaputt.“

In einer tränenreichen und emotionalen Diskussion fällt die Entscheidung, 10.000 Wohneinheiten zu fordern, die erschwinglich sind für Leute mit niedrigem Einkommen- nicht alle Mitgliedsgruppen tragen diese Entscheidung mit.

Der Vorstand beschließt nun, nicht mehr mit dem Geld des Community Development Block Grants zu arbeiten, einem städtischen Entwicklungsfonds, der vorher die hauptsächliche Finnzierungsquelle war. „Du kannst nicht fortfahren die Hand zu beißen, die dich füttert. Also entschieden wir, nicht gefüttert zu werden.“

Stattdessen kann das Netzwerk Gelder von Stiftungen einwerben.

Die Strategie entwickeln

Es ist auch für die lang erfahrene Mid West Academy die erste Kampagne, bei der es darum geht, ein städtisches Gesetz für 10.000 Wohneinheiten durch die Ratsversammlung zu bekommen, für die man $1 Mio. fordert.

„Warum gerade 1 Mio. ?“ – „Das ist gut zu merken- die Stadt hat 500.000 für Wohnzwecke vorgesehen, wir wollen das verdoppeln und das Geld auf Leute mit geringem Einkommen richten.“

Die Strategie erfordert eine politische Analyse: Welche Macht hat das Netzwerk, um den Bürgermeister und den Rat zur Aktion zu veranlassen?

Da der wirkliche Entscheidungsmacher der Bürgermeister ist, man aber keine Macht hat, ihn jetzt direkt anzugehen, kann man ihn dadurch beeinflussen, dass man die potenzielle Mehrheit der Ratsmitglieder (Aldermen) für das Gesetz gewinnt.

·         Eine Koalition zusammen bringen

Für den Gesetzentwurf wird eine breite Koalition gebildet mit 250 Community Organisationen, Kirchen, Synagogen, Communty Centers und insbesondere den United Latinos -  Latinos waren bisher bei Wohnungsprogrammen unterrepräsentiert.

Einige Organisationen davon mobilisieren viele Bewohner, andere leihen nur ihren Namen und guten Willen für das Vorhaben.

·         Aktionen in den Nachbarschaften

„Wir wollten für etwa ein Jahr keine große Kampagne machen, eher heimlich vorgehen, wir wollten den Bürgermeister nicht mit bösen Namen belegen. Wir wollten den Drachen nicht rufen bevor wir bereit sind. Wir wollten in den Nachbarschaften starten.

Dabei wollten wir die Energie dahin lenken, wo wir noch keine Unterstützung hatten und brauchten mehrere Jahre.“

Praktikanten der Midwest- Akademie führen diese Mobilisierung durch:

„Wir konnten als Lern- Laboratorium für College Studenten dienen; und sie konnten als Fußsoldaten dienen in den Communities, wo keine Mitglieder des Netzwerkes waren.“

Ihr Job ist es, Organisationen für die Unterstützung des Gesetzes zu bilden. Drei Fragen stellen die Praktikanten an die Organisationen, die noch nicht mit dem Thema Housing befasst waren :

-          Sind Sie bereit, ein Treffen mit dem Alderman zu arrangieren?

-          Wollen Sie für eine Postkartenaktion sorgen?

-          Wollen Sie mit dem Namen ihrer Organisation unterschreiben?

Zuletzt: Sich dem Bürgermeister annähern

Zu den Aktionen gehören immer mehr auch direkte sichtbare Aktionen mit Bewohnern, zuletzt eine achtwöchige Großkampagne z.B. mit einer Versammlung mit 600 Leuten, die im 5. Stock, dem Stock des Bürgermeisters, der City Hall singen sowie die Verteilung von 15000 Flugblätter an den U-Bahn- Haltestellen.

Es kam der Anruf von der City Hall: „O.k.,  wir treffen uns“.

Verhandlungen und Ergebnisse

Erreicht wurde ein Programm von $ 750.000 mit einem Ansatz des Monitoring, bei dem die Realisierung des Programms beobachtet werden soll.

Acht Jahre nach diesem Sieg gibt es eine feste Partnerschaft mit der Wohnungsabteilung der Stadt. 48000 bezahlbare Wohnungen sind entstanden.

„Wir waren anerkannt als unabhängige Stimme, die zu hören ist.“

Aber nicht alle in den Low- income- Communities sind begeistert.

Die Spannung, mit der das Netzwerk kämpft, besteht bis heute: eine Balance zu finden zwischen besseren kooperativen Beziehungen mit der City und andererseits dem Ansatz, Forderungen an die City für mehr Ressourcen durchzusetzen.

(nach oben)


(4) „Räuberisches Verleihen“ stoppen

„Wenn sie auf Englewood (einen Chicagoer Stadtteil) sehen, denken die meisten Leute: da ist kein Geld. Verlassene Häuser, Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Drogen - das sehen die meisten Leute. Aber die Kredithaie fanden Geld. Die Leute in solchen Nachbarschaften besitzen ihre Häuser seit Generationen. Das war Geld für die Kredithaie. Wenn Du pleite bist, das Dach ist undicht und jemand erzählt Dir, dass Du Geld bekommen kannst, nimmst Du es.“
So der Präsident der Association of Community Organizations for Reform Now  (ACON) von Illinois.

Der angebotene Zinssatz war niedrig und niemand hat besonders auf die hohen Raten geachtet, die bei Zahlungsverzug fällig waren, wenn jemand z.B. arbeitslos wurde und nicht zahlen konnte.

Wie die Community auf „Predatory Lending“ aufmerksam wird

Das National Training and Information Center (NTIC), das in den 70er Jahren eine zentrale Rolle bei der Durchsetzung des Community Reinvestment Act gespielt hatte, beobachtete das Bundesprogramm für Leute, die zum ersten Mal ein Haus besitzen. Dabei merkten sie, dass in den letzten Jahren eine Masse an Verzugsfällen (foreclosure: eine Hypothek wird für verfallen erklärt, weil die laufenden Zinsen nicht bezahlt werden) entstanden sind mit enorm hohen Zinsen. Wenn diese nicht bezahlt werden, verlieren die Eigentümer ihre Häuser. Und mittlerweile bemerken die Bewohner die leeren Häuser in der Nachbarschaft..

„Ich sah in einem Gebiet  37 mit Brettern zugenagelte Häuser. Ich merkte, dass das schlimmer ist, als diese Zahl ausdrückt; denn zugenagelte Häuser bedeutet Probleme mit der Sicherheit, Leute ziehen aus, Instabilität in der Nachbarschaft. Es war ein Thema für die Community. Etwas musste getan werden.“

Die betroffenen Leute hatten die Haltung: „Ich hab’s verdient, ich war blöde.“ Kommt man auf eine tiefere Schicht, merkt man: sie waren nicht blöde, sie waren verzweifelt: Der Ofen funktionierte nicht, der Winter kam und sie brauchten ein Darlehen um ihn zu reparieren.

NTIC und die „Tasc Force : Kredithaie“

Das National Training and Information Center (NTIC), das keine individuelle Mitglieder hat, veranstaltet mit dem NHS (Neigborhood Housing Service) Meetings von Hausbesitzern, die kurz davor standen, ihre Häuser zu verlieren wegen „Predatory Lending“.

Dabei wird die Regel des Organizing befolgt: Nachdem die Leute die Chance hatten sich abzureagieren, muss ein Weg sein für da sie, in Aktion zu gehen um eine Änderung durchführen: „Wollt ihr was dagegen tun, dass andere davon betroffen werden?“

So bilden sie eine Task Force, laden Repräsentanten der Staatlichen Aufsicht ein und wollen mit den Gesetzgebern des Staates reden. Der Gouverneur will zunächst eine Kommission einsetzen. Aber dagegen verwahrt sich NTIC.


Gale Cincotta (links), die große alte Kämpferin des NTIC:  „Verschwendet nicht meine Zeit. Aus der Geschichte wissen wir, dass die meisten Studien dazu da sind um abzuwürgen. Wir werden nicht warten.“

 

Das SWOP  hält eine POSADA  ab

Mitglieder des South West Organizing Project (SWOP) besuchen die Meetings von NTIC, sie gehen auch zu einigen „Hai-Attacken“, bei denen NTIC wütende Hauseigentümer organisiert hat, um den Büros des Predatory Lending zu zeigen, dass sie nicht ihre Nachbarschaften zerstören dürfen.

SWOP ist eine Organisation von Gemeinden, Kirchen, Synagogen und Moscheen, Krankenhäusern, Schulen und anderen lokalen Institutionen. Und da SWOP eine religions-basierte CO ist, haben die SWOP Mitglieder das Gefühl, dass wütende Meetings nicht wirklich ihr Stil sind.

SWOP rückt bei den Aktionsformen spezielle Events in den Vordergrund, die die verschiedenen Kulturen in den Stadtteilen repräsentieren. Deshalb organisiert SWOP neben vielen anderen Aktionen eine „Posada“. Eine Posada ist ursprünglich ein Schauspiel, wie die Heilige Familie nach einer Unterkunft sucht, von Tür zu Tür weggeschickt wird und schließlich im Stall ankommt. Ein gemeinsames Gebet vor den Toren einer Gesellschaft, die des Predatory Lending beschuldigt wird, wird Teil des Umzugs.

So gelingt es, auch die Schwestern eines dortigen Ordens (St. Casimier), die nie in Politik involviert waren, einzubeziehen. Das wiederum ermutigt andere mitzumachen.

ACORN geht die Finanzorganisationen an

ACORN arbeitet anders.

ACORN wirbt in sehr einkommensschwachen Nachbarschaften Mitglieder durch Tür-zu-Tür Arbeit. Predatory Lending gehört zu den Themen, mit denen ACORN sich in vielen Staaten der USA befasst.

Predatory Lending wird von ACORN als eine zusätzliche Möglichkeit gesehen, wie auswärtige Interessenten Dollars aus den armen Communities heraus saugen.

„Unsere Leute sind eine leichte Beute;  sie haben immer die Angst, von den Banken abgewiesen zu werden. Die Verleiher kommen zu den Leuten, nehmen persönlichen Kontakt auf und beuten so die Leute aus.“

„Wir wollten Predatory Lending zu einem festen Begriff machen; wir wollten ein neues Verständnis schaffen: Es ist nicht ein persönliches Problem, das keinen Namen hat, nach dem Muster : ‚ich habe vielleicht einen Fehler gemacht‘.“

Kern des Organizing ist es , persönliche Probleme zu öffentlichen Themen  zu machen, so dass die Leute sehen können: das ist ein gemeinsames Problem.

„Die Schnittstelle zwischen Biografie und Geschichte, ist das, was Organizing macht. Dies verändert die Einstellung von vielen ACORN Mitgliedern: Leute erzählten ihre Geschichten. Die Leute fühlten sich nach dieser Aktion empowert“, sagt Madaleine Talbott, die leitende ACORN- Organizerin von Illinois.

ACORN unternimmt direkte Aktionen- und dazu gehören auch spektakuläre, bei denen die Polizei geholt wird -  gegen Finanzinstitutionen, statt der Gesetzgebungslinie zu folgen, und macht dann Agreements mit Finanzinstitutionen, die ordentliche Angebote für ACORN- Mitglieder herausgeben.

Talbott:

„Es muss Ergebnisse direkt für die Mitgliedschaft geben. Wir müssen manche Produkte schaffen, die gangbare Alternativen sind zu dem, was die Leute angeboten bekommen von den Räubern“.

Den Opfern helfen: die Northwest Neigborhood Federation

Die NNF, die ein multiethnisches Gebiet von Menschen aus der Arbeiterklasse repräsentiert, hat einen ganz anderen Ansatz zu dem Thema.

„Zuerst sahen wir darauf, ob das Gesetz des Staates Predatory Lending verhindert. Da das nichts nütze, änderten wir unseren Focus: Wir sahen auf die, deren Kredit verfiel und die aus den Häusern vertrieben werden sollten. Wir arbeiteten mit den Leuten, die mitten drin sind in den Problemen, statt bei der Prävention.“

Es wird mit einigen Banken ein alternatives Produkt erarbeitet für die, die mitten im Problem stecken.

Unterstützt werden sollen die, die ihr Haus behalten wollten, u.a. auch mit einer Absicherung durch kirchliche Fonds.

„Wir blicken auf unseren Meetings herum: Wie kann man sagen, dass es um Prävention geht und nicht um die Sorge für die, die jetzt da sind. Dies sind unsere Nachbarn, Leute, die hart arbeiten, die ihre Steuern zahlen. Das sind keine Leute, die es umsonst haben wollen. Deshalb haben wir diesen Weg gewählt.“

Schritte auf dem Weg zu einem Gesetz

Die Schritte seien hier nur in Stichworten beschrieben

·         Eine Koalition von verschiedenen Organizing- Gruppen bringt über einen Abgeordneten ein Gesetz im Staat Illinois ein.

·         Die City geht in Aktion: Die Stadt soll festlegen, dass sie keine Geschäfte mit Finanzinstitutionen macht, die Predatory Lending betreiben. Die Stadt ist involviert, weil verlassene Häuser auch eine Gefahr für die Nachbarschaften bedeuten.

·         Die Banken wehren sich gegen die Vorstöße; mit Aktionen von Bürgern werden sie, aber auch Mitglieder des Stadtrats, attackiert.

·         SWOP verfolgt eine andere Strategie; sie bringt Fotografien von allen verlassenen Häusern in der Gegend auf eine CD und präsentiert sie dem Wohnungsamt.

·         Nach einer Pressekonferenz von Bürgermeister Daley über Predatory Lending wird eine städtische Verordnung erreicht.

Im Staat Illinois erlässt der Gouverneur Ryan eine Regulierungsverordnung, die die schlimmsten Praktiken ausschließen soll – er braucht eine gute Presse, weil er in Skandale verwickelt ist.

·         Einige Organisationen haben das Gefühl, dass der Weg der Regulation keinen nutzbaren Schutz bietet, andere wie SWOP schuften sich weiterhin damit ab. ACORN geht z.B. seinen eigenen Weg weiter.

·         Schließlich wird mit Mehrheit des Parlaments von Illinois die Verordnung des Gouverneurs gebilligt.

Die Arbeit ist noch nicht erledigt

„Das war der Höhepunkt von mehreren Jahren harter Arbeit, und die CO s hatten das Gefühl, der Sieg war süß. Sie nahmen sich Zeit für eine Runde von Feiern, aber sie wussten, dass ihre Arbeit fortgesetzt werden musste.“

„Regulierungen sind nur so gut, wie ihre Durchsetzung und so muss noch viel getan werden, bevor Hausbesitzer sicher sind vor Praktiken des Predatory Lending.

(Zwei Monate nach dem Text von Judy Hertz gibt es eine äußerst kritische Einschätzung der Entwicklung durch die SWOP (http://www.woodstockinst.org/obredfimemo.pdf )

Die CO s und ihre Führungspersonen haben an Stärke gewonnen durch die Kampagne. Viele der Opfer des Predatory Lending leiden nicht mehr in der Stille und die Leute verteidigen ihre Community.

(nach oben)


Kommentar: Aspekte des Community Organizing

Der Text ist viel anschaulicher und facettenreicher, als ich ihn hier (mit oft nicht zureichenden Übersetzungskünsten) paraphrasieren und zusammenfassen konnte. Es lohnt sich, die Schilderung der einzelnen Fälle, mit ihren Verwicklungen und Verwinkelungen, genau und  im amerikanischen Original zu lesen, um die Professionalität mit ihren gut überlegten Strategien und ausgeklügelten Taktiken würdigen zu können, mit der Organizing dort betrieben wird.

Eine solche Vielfalt und Präsenz des Community Organizing gibt es wohl nur im Raum Chicago. Das bedeutet einerseits, dass für Kampagnen immer viele Organisationen bereit stehen, teilweise miteinander vernetzt oder koalierend, teilweise auch miteinander konkurrierend. Zum anderen heißt das auch, dass die Chicagoer Politik gewohnt ist, mit den Aktionen umzugehen; die „Spielregeln“ sind beiden bekannt; es ist sicher nicht ganz leicht, einen Bürgermeister wie Daley noch mit irgendwelchen Aktionsformen zu überraschen.

Gelungen ist es der Autorin, sehr unterschiedliche Aspekte des CO darzustellen. Ich versuche sie, in der folgenden Tabelle zu erfassen:

 

 

(1) Logan Square

(2) Hammond

(3) Wohnungspolitik

(4) Predatory Lending 

Issue

Jobs erringen, Wohnumfeld erhalten

Stadtidentität wahren, Jobs erhalten/ erringen

Wohnen für ärmere Leute fördern

Wohneigentum bei Geldproblemen erhalten

Raum

Stadtteil

Stadt

Stadt

Stadt> Staat> Bund

Agierende Organisationen

Stadtteil-Organisation

Stadt-Netzwerk

Netzwerk zum Thema Wohnen

Verschiedene Organisationen. mit unterschiedlichen Ansätzen

Gegner

Entwickler von Gated Communities

Bundesrichter

z.T. BM Daley

Kredithaie

Erfolg?

Teilerfolg: Verhinderung einer neuen Gated Communty, aber weniger neue Jobs als angestrebt

Erfolg: Gericht wird im Zentrum gebaut

Teilerfolg: Wohnungs­programm

Erfolg: es bleibt strittig, ob die Regulierungen durch Stadt und Bundesstaat ein Erfolg sind.

Entwicklung der Bürgermacht

Beziehungen zwischen Inhalten, Strategien und der Entwicklung der Organisation

Es gibt eine Dialektik zwischen Issues/ Themen und den Organisationen: Der Abzug des Warenhauses in Logan Square oder des Gerichts  in Hammond sind Themen, die im Wortsinne „auf der Straße“ liegen und geradezu nach einer Organisation rufen, die sich ihrer annimmt.

Dennoch eignen sich die Organisationen das Thema unterschiedlich an:

Während sich LSNA unhinterfragt dem Thema widmet, ist die Auswahl des Themas bei der kränkelnden ICO in Hammond ein sorgfältig durchgeführter Prozess: die Wiederbelebung der Organisation kann nur bei einem richtig ausgewählten Thema realisiert werden.

Das Thema der Wohnungspolitik wird zunächst von den Professionellen des Rehab Netzwerkes als Herausforderung für die eigene politische Moral erkannt und dann an die Mitgliedsorganisationen und weiter an die Leute vor Ort transportiert; die Neuorientierung des Netzwerkes ist durchaus ein Risiko für die Organisation, ein „weiter-so“ aber wäre eine Gefährdung der eigenen Mission und zugleich des Rückhalts der Mitglieder.

Die Verleihpraktiken für Hausbesitzer, die von den Betroffenen als Folge individuell falschen Handelns gesehen werden, werden erst durch eine Organisation zum „sozialen Problem“, das einen eigenen Namen bekommt: Predatory Lending. Ist dieses soziale Problem gesetzt und in den Köpfen der Betroffenen verankert, so kann keine Organisation mehr an ihm vorbei gehen. Allerdings zeigt der weitere Verlauf, dass das Thema auch „enteignet“ werden kann, wenn z.B. Präsident Bush sich selbst zum Kämpfer gegen das „Predatory Lending“ erklärt und die Gesetzgebung hierzu an sich zu ziehen versucht[6]. ACORN kämpft seither gegen eine Regulierung durch Bundesregierung und Kongress, die die lokalen Erfolge wieder zunichte machen würde.

Der Erfolg wird manchmal erst längerfristig in den Lebensverhältnissen der Menschen sichtbar; aber es ist oft ein brüchiger Erfolg, wenn es um Zusagen für die Zukunft geht: Was nützt das Versprechen von Arbeitsplätzen oder Wohnungen, wenn diese ein paar Jahre später nicht eingehalten werden (können)?

Deshalb gehen die Organisationen über die „Durchsetzung einer Forderung“ hinaus, wenn sie Monitoring betreiben wollen oder aber auch selbst Programme implementieren und realisieren.

Das Ringen im „Rehab Networt“ um die Entscheidung, zum Thema Wohnen wieder mit Organizing zu beginnen, zeigt das Dilemma erfolgreicher Arbeit: Unabhängigkeit ist in Gefahr, wenn man mit an dem Tisch sitzt, an dem Gelder verteilt werden, die man zuvor in einem erfolgreichen Kampf eingefordert hat.

Insofern stehen die Organisationen z.T. durchaus im Spagat der Rollen „Bürgerorganisation“ und „Dienstleistungsunternehmen“.

Die Handlungsformen sind u.a.

·         Erforschung von Machtverhältnissen,

·         interne Mobilisierung in den Organisationen,

·         öffentlich sichtbare Aktionen wie – teils konfrontative, teils festliche  – Versammlungen, Demonstrationen und theatralische Akte sowie

·         Verhandlungen zwischen Repräsentanten.

Dabei habe ich den Eindruck bekommen, dass sehr viel auf der Ebene von Organizern/ Leadern und Vertretern von Institutionen geschieht und die „einfachen Leute“ jeweils punktuell mobilisiert werden; Graswurzel- Demokratie heißt hier also nicht, dass die Willensbildung von ganz unten, den einfachen Leuten, ausgeht.

Das Buch schildert vor allem die Sichtweise der Aktivisten von den betreffenden Organisationen; wir erfahren so nur aus deren Blickwinkel, wie die Aktionen und Ergebnisse von den BewohnerInnen selbst- sowohl den aktiv an Aktionen beteiligten als auch nicht direkt involvierten BewohnerInnen- wahrgenommen werden.

Eine solche kritische Auseinandersetzung ist nicht  Ziel des sehr spannenden und plastischen Buches gewesen, dies wäre ein nächster Schritt, der folgen könnte.

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Materialien: Organisationen, Quellen[7], Hinweise

Judy Hertz

JtwoDtwo@aol.com

http://www.midwestacademy.com/Intern/ilintern.html

http://www.northpark.edu/acad/macd/faculty.htm,

[1] Judy Hertz, organisiert auch Praktika der Midwest Academy, bei denen an Kampagnen von Organisationen mit gearbeitet werden kann:,

Midwest Academy
(MWA)

http://www.midwestacademy.com/

Trainings und Beratung für Führungspersonen und Mitarbeiter von Bürger- und Community – Gruppen

Zentral: Bobo, Kim/ Kendall, Jackie/ Steve, Max, 2001: Organizing für Social Change, A Manual for Activists, Chicago, 3th edition

Neighborhood Funders Group
(NFG)

http://www.nfg.org/

http://www.nfg.org/cotb/index.htm

Ein nationales Netzwerk von Sponsoren für stärkere Unterstützung von Organisationen, die Menschen mit niedrigem Einkommen bei der Entwicklung ihrer Community zur Seite stehen.

Wichtig:  toolbox for funders, ein hervorragender Überblick zum CO

Logan Square Neighborhood Association

(LSNA)

http://www.logansquare.net/ http://www.logansquare.net/zoning_committee.html

Prinzip der Entwicklungsstrategie ist die Erhaltung

- der ökonomischen Vielfalt der Bewohner

- der Vielfalt der Nutzung des Landes (Wohnen, Geschäfte, Industrie)

- des historischen Charakters der Nachbarschaft

Interfaith Citizens Organization (ICO) /
Interfaith Federation of Northwest Indiana

http://www.lakeco.lib.in.us/iris/my0zw0cj.htm

über Aktionen: http://www.post-trib.com/news/race0422a.html

Eine Community Organisation von  30 religiösen Gemeinden, die im Gebiet von Gary, Hammond und Ost-Chicago arbeitet; die ICO bezog sich auf das Gebiet Hammond und ist zu einem Teil dieses Zusammenschlusses geworden.

Gamaliel Foundation

http://www.gamaliel.org/Foundation/foundation.htm

Die Gamaliel Foundation will ein machtvolles Netzwerk von Basisorganisationen, interreligiösen, quer zu den Rassen und Multi-Issue-Organisationen sein, die zusammen arbeiten, um eine gerechtere und demokratischer Gesellschaft zu schaffen. Die Organisationen des Netzwerkes sind ein Vehikel für einfache Leute, effektiv an politischen, sozialen und ökonomischen Entscheidungen teilzuhaben, die ihr Leben bestimmen.

Chicago Rehab Network (CRN)

http://www.chicagorehab.org/who/who.htm

 

Eine stadtweite Koalition von nachbarschafts-basierten, non-profit Organisation zum Thema Wohnen, die dafür arbeitet, dass erschwingliches Wohnen in Chicago und der Region geschaffen und erhalten wird.

Zur Koalition gehören etwa 45 sehr unterschiedliche größere und kleinere, regionale und landesweit arbeitende Organisationen aus dem Raum Chicago , z.T. aus dem Bereich des CO, zum Teil stärker aus der Stadtentwicklung. Besonders aktiv  sind z.B. ACORN und die Coalition for the Homeless.

National Training and Information Center
(NTIC)

http://www.ntic-us.org/about/about.htm

NTIC ist 1972 in Chicago von Gale Cincotta, Shel Trapp, und Anne-Marie Douglas gegründet. Seine Mission ist, Basis-Führerschaft aufzubauen und Nachbarschaften zu stärken durch issue-basiertes Organizing

Southwest Organizing Project SWOP

http://www.woodstockinst.org/obredfimemo.pdf

SWOP gehört zu den vielen lokalen Organisationen in Chicago. In der hier aufgeführten Quelle vom 20.Mai 2002 setzt sich SWOP kritisch mit der Praktizierung der von der Organisation mit herbeigeführten Regulative zum Predatory Lending auseinander.

Nothwest Neigborhood Federation

http://www.ntic-us.org/employment/emp-northwest-neighborhood-federation-org.htm

In dieser Quelle ist eine Stellenanzeige von NNF zu finden.

NNF ist eine multi-issue, non-profit-  und nachbarschaftsbasierte Organisation, 1979 gegründet, zu ihr gehören sieben Nachbarschaftsorganisationen, neun Schulen und ein Altenzentrum. 32.000 Familien aus dem Nordwesten von Chicago werden von NNH repräsentiert.

ACORN

www.acorn.org

Die größte Organisation mit persönlicher Einzelmitgliedschaft des CO in den USA; vgl. dazu meinen Überblick zum CO in den USA (siehe oben).


 

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[1] 68 Seiten, als pdf-Datei: www.nfg.org/publications/Organizing_For_Change.pdf ,
als html-Datei: http://comm-org.utoledo.edu/papers2002/hertz/hertz.htm,
(Die Abbildungen sind, soweit nicht anders nachgewiesen, aus dem Buch entnommen.)

[2] Leadership gehört zu den schwer übersetzbaren Begriffen; gemeint ist die Fähigkeit, demokratisch handelnde „Führungsperson“ im organisatorischen wie auch charismatischen Sinn zu sein. „Leader“ ist jemand, der darauf achtet, was die Menschen selbst wollen, der sie zusammen bringt, öffentlich für sie glaubhaft sprechen kann und auch Aktionen anführt. Vor allem Alinsky hat zwischen formellen Leadern, wie z.B. Pastoren, Lehrern, Gewerkschaftsführern, und informellen Führungspersonen („Little Joe“) unterschieden.

[3] Der Begriff „Community“ ist schwer zu übertragen, Begriffe wie Gemeinschaft oder Gemeinde fassen nur einen Teil des Begriffs. Im Community Organizing geht es meistens um das soziale Gefüge in einem räumlich begrenzten Bereich, insbesondere einem Stadtteil oder Wohngebiet.

[4] Bild aus www.logansqarepreservation.org

[5] Issue ist ein konkretes brennendes Thema, zu dem z.B. eine Kampagne gestartet wird.

[6] President Hosts Conference on Minority Homeownership am 15.10.2002 und The President’s Agenda to Expand Opportunities to Homeownership, www.whitehouse.gov/infocus/homeownership

[7] Alle Internet- Adressen gelten für den Stand 7.-15.Juli 2002.

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