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Stand: 16.02.2008

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Kap.1- COMM-ORG: Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis[1]

COMM-ORG ist eine Online- Konferenz zu Community Organizing und Development, zu der jeder Mensch Zugang hat. Auch in die damit verbundene e-mail-Liste ist die Einschreibung ohne Begründung möglich.

COMM-ORG ist 1994 als Online-Seminar in Chicago entstanden und wird jetzt von Randy Stoecker, einem Soziologie-Professor an der Universität Wisconsin, geleitet.

Die Konferenz will Leute aus der Praxis und Wissenschaft zusammenbringen, die sich für Community Organizing interessieren und beruht auf der Überzeugung, dass das Internet ein Platz für offene und kostenfreie Kommunikation bleiben soll.

Die technische Basis beruht ebenfalls auf frei zugänglicher, kostenloser Software und ist bewusst einfach gehalten, ohne bunte Farben, Bilder, Animationen, auf den Text orientiert und mit möglichst geringen System-Ressourcen erreichbar.

·         COMM-ORG umfasst eine Sammlung von zum Teil umfangreichen Original-Papieren und sonst schwer zu findenden Reprints. Die Themen sind ebenso vielfältig wie die Autoren, wobei Männer überwiegen und ebenso wissenschaftlich Arbeitende.

·         Einen zweiten Block bilden Skripte für Vorlesungen und Seminare zum CO, die ausgesprochen sorgfältig und ausführlich Angebote und Anforderungen beschreiben. Es ist leicht möglich, Seminarplanungen bis zu Details von Vorbereitungspapieren, Arbeitsaufgaben und didaktischen Arrangements nachzuvollziehen.

·         Vielfältige Quellen für CO und Community Development werden aufgeführt: Links zu Trainings-Instituten und teilweise vollständig online verfügbarem Trainingsmaterial, CO-Dachorganisationen, Organisationen der Demokratieentwicklung, Forschungsinstituten sowie internationalen Quellen.

·         Mit einer integrierten Suchmaschine findet man Einträge sowohl in den Papieren als auch in den Mails der letzten Jahre. Zum Suchwort „Germany“ z.B. findet man nur sehr wenig, zu Alinksy gibt es über 160 Hinweise auf spezifische Beiträge.

·         Besonders lebendig gehalten wird COMM-ORG durch eine von Stoecker moderierte e-mail- Diskussion mit über 850 Leuten aus mehr als einem Duzend Nationen. Es gibt kaum einen Tag (oder besser eine Nacht) in der nicht zwei, drei Mails eingehen, Job- Angebote für Organizer, Veranstaltungshinweise, Berichte aus Organisationen und sich oft aufeinander beziehende Diskussionsbeiträge. Das Themenfeld geht deutlich über Community Organizing und Development hinaus.

Exemplarisch seien die Themen der Rundmails einiger Tage im Januar 2007 genannt:

- Mehrere Stellenanzeigen mit Beschreibung der Organisation, Aufgaben und Qualifikationsanforderungen. Community Organizer, Lead Organizer, Director of Giving, Community Ogranizing Director, Communications Manager, usw.
- Hinweis auf ein neues Buch zum Community Organizing
- Angebot einer Fernsehgesellschaft, Designer und Maler zur Renovierung eines Community Centers zu schicken
- Intensive Diskussion zu der Frage: "Are community benefit agreements neo-liberal?", teilweise im Vergleich zum europäischen Sozialdemokratismus
- Suche nach Fundraising für ein Datenbasis-Projekt für Organizer
- Angebot für die Finanzierung von auf der Community basierenden gesundheitlichen Unterstützung von Asian Americans , Native Hawaiians und Pacific Islanders

Die Interessen des Moderators werden deutlich in seiner Bitte, neue Paper zuzusenden (Mail 1.2.03):

„Wir sind besonders interessiert an Papieren zu folgenden Themen:

  • Was funktioniert und was nicht bei Cmmunity Organizing, Planning und Development (CD)?

  • Geschichten aus dem realen Leben von Kampagnen des CO und/oder CD

  • Beziehungen zwischen Theorie und Praxis in CO

  • Die Geschichte von CO in einem sich verändernden strukturell- historischen Kontext

  • Verbindungen zwischen CO und CD

  • Verbindungen zwischen CO und Planung

  • Rolle der religiösen Institutionen in CO

  • Verbindungen zwischen CO und sozialen Bewegungen

  • Die Rolle von Gender, Rasse, Identität und Ideologie in CO

  • Zusammenarbeit zwischen Aktivisten und Akademikern in CO“

 

COMM-ORG lebt wesentlich von der Kompetenz des Moderators und  seiner engagierten, zuverlässigen und unermüdlichen Arbeit.

Viele Web-Seiten des CO sind von Organisationen herausgegeben, die verständlicherweise ein positives Selbstbild vermitteln möchten, dem Leser damit aber manchmal auch ein geschöntes Bild vermitteln. Mit COMM-ORG werden auch Quellen der kritischen und weiter führenden Diskussion erschlossen.

Für mich ist COMM-ORG zudem ein Tor auch für Menschen diesseits des Ozeans zu einem „anderen Amerika“ weitab vom Mainstream der amerikanischen Selbstdarstellung. Die Konferenz bildet selbst so etwas wie eine Community von Menschen, die sich für CO engagieren und zugleich kritisch diskutieren, eine Meta-Ebene jenseits der einzelnen, oft konkurrierenden Organisationen des CO, auf der der dringend notwendige Austausch unter Aktiven in Wissenschaft und Praxis ermöglicht wird.


 



[1] http://comm-org.wisc.edu/