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Stand: 16.02.2008

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Kap. 11- ABCD: die Community von Innen nach Außen entwickeln[1]

McKnight: Dienstleistung ist schädlich

Von innen nach außen aufbauen – der Ansatz von John Kretzmann und John McKnight.

Die Landkarte im Kopf austauschen

Von der Need-Map, der Landkarte der Probleme und Bedürfnisse

Zur Die asset – map, der Landkarte der Aktivposten.

Der Weg der Veränderung

Unterstützung von außen beschaffen

Ressourcen erkennen lernen

Quellen und Hinweise

 

Asset-Based Community Development (ABCD) kann man verstehen als einen Denk- und Handlungsansatz zur Entwicklung von Communities auf der Grundlage der Fähigkeiten und Talente, die in ihr vorhanden sind. Ausgangspunkte sind vor allem zwei Schriften: ein Aufsatz von 1988 von McKnight zum Thema „Why Servanthood (Dienstbarkeit/ Dienstleistung) is bad“, sowie die Arbeit von John Kretzmann und John McKnight an der Northwestern University in Chicago, die sich 1993 in dem Buch „Building Communities from Inside Out“ nieder geschlagen hat.

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McKnight: Dienstleistung ist schädlich

Der Aufsatz von McKnight wird in der e-mail-Diskussion des ABCD-Instituts 2002 wieder entdeckt[2] und zumeist zustimmend, z.T. auch relativierend diskutiert. McKnight hält „servanthood“ aus drei Gründen für eher schädlich:

1.      Sie stiehlt  den Menschen Geld; das für die Armen bestimmte Geld verschwindet zum großen Teil in den professionellen Dienstleistungen, statt direkt bei den Betroffenen anzukommen;

2.      Das Dienstleistungssystem lehrt die Menschen, dass ihr Wert in ihren Schwächen und Problemen liegt, weil die Dienstleistungen nämlich nur mit Hinweis auf diese Schwächen finanziert werden, und nicht in ihren Kapazitäten, die aber die eigentlichen Bausteine einer Community sind;

3.      die Kapazität der Organisationen, z. B. der Kirchen, wird auf die „Lösung von Problemen“ verlagert und nicht genutzt, um die Community aufzubauen. 

Nicht so sehr die Kritik an der Professionalisierung, die an die von Ivan Illich angestoßenen Debatten in den 1970er und 1980er Jahren anknüpft, ist für mich dabei erstaunlich, sondern eher die Begeisterung dafür fast 15 Jahre später, nach den zwischenzeitlichen Erfahrungen mit dem Neoliberalismus.

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Von innen nach außen aufbauen – der Ansatz von John Kretzmann und John McKnight

John P. Kretzmann, Journalist und Wissenschaftler, Lehrer an der Northwestern Universität in Evanston bei Chicago, tritt sehr selbstbewusst auf, überzeugt und überzeugend, anschaulich lädt er ein, den Blick zu verändern und reicht dafür das halb volle, halb leere Glas Wasser herum: „Ja, die Menschen haben Mangelsituationen, aber sie haben auch Fähigkeiten und Talente“, und wie ein Missionar warnt er die Leser vor dem  breiten Weg, der „achtspurigen Autobahn“ der Defizit- Orientierung, der eine Sackgasse ist, und lockt sie zu dem verschlungenen Pfad, auf dem die Aktivposten der  Menschen entdeckt werden und zur Geltung kommen.

Das Buch „Building Communities from Inside Out“ ist ein Programm. Nicht nur ihre Botschaft, sondern auch ihr Weg der Forschung unterscheidet sich vom dem üblichen: Kretzmann und McKnight suchen „success stories“ und schicken dafür ihre Studierenden zu lokalen Führungspersonen. Das Buch ist die systematisierte Zusammenstellung solcher Geschichten erfolgreicher Entdeckung und Mobilisierung von Ressourcen und Chancen.

Es soll pragmatisch, in „nachbarschaftsfreundlichen“ Worten aufzeigen, wie Communities ihren eigenen Weg der Entwicklung gehen können, die auf den Aktivposten aufbaut, die „asset based community development“ , wie sie ihre eigenen Stärken wiederentdecken, kombinieren und mobilisieren können, damit sie eine kraftvolle und bewusste Community aufbauen. Es ist gedacht für Schlüsselpersonen in den lokalen Nachbarschaften und Leiter von lokalen Vereinigungen und Institutionen. Zugleich soll es aufzeigen, wie Leute von außen, aus Stiftungen, Wohlfahrtseinrichtungen und Regierungen sensitiv und effektiv an diesem Prozess teilhaben und ihn unterstützen können. 

Das Buch ist zugleich die Basis für Kretzmann´s und McKnight´s 1995 gegründetes „Asset-Based Community Development Institute“ (ABCD), in dem Videos und Arbeitsbücher zum Trainieren entwickelt werden und 30  Leader mitarbeiten aus Stiftungen, Nachbarschaftsgruppen, „United Ways“, Kirchen und Universitäten , um Vorträge, Workshops und Beratungen durchzuführen zu Themen wie:

-          Ökonomische Kapazitäten im Stadtteil,

-          Fähigkeiten der Bewohner,

-          gesunde Nachbarschaften,

-          Brücke vom Klienten zum Bürger,

-          Freiwillige Organisationen in Nachbarschaften mit geringem Einkommen.

Zielgruppen sind z.B. kirchliche Gruppen, Politiker, Nachbarschaftsgruppen, Lehrer, Sozialarbeiter, Krankenhäuser, und Bürgerservice- Einrichtungen.

Dass es auch eine Electronic Discussion Group gibt, wird nicht weiter verwundern. In sie können sich die einklinken, die ihre Erfahrungen teilen und Ideen austauschen wollen.

 

Anders als bei ACORN und dem FBCO wird in der Community nicht so stark zwischen Leadern und den anderen Menschen in der Community unterschieden, sondern die Einzelnen und informellen wie formellen Gruppen der Nachbarschaft werden unmittelbar angesprochen auf ihre Ressourcen und die Möglichkeit der Verknüpfung dieser Ressourcen. Gerade den „Strangers“ in der Community, den Außenseitern, Behinderten, Schwachen, Alten und Jungen, gilt die besondere Aufmerksamkeit.

Fünf Elemente kennzeichnen das Modell:

v      Erforscht werden die „Success-Stories“, die gelungenen Ansätze, die Stärken der Community zu mobilisieren.

v      Verändert wird die „Landkarte im Kopf“ durch den Blick auf die Stärken statt die Fixierung auf Probleme.

v      Methodisch eruiert und miteinander in Verbindung gebracht werden die Potenziale der Einzelnen, der Gruppen und der Institutionen.

v      Gearbeitet wird mit den Stärken der Schwachen, statt dass zwischen Schwachen und Starken sortiert wird.

v      Die Entwicklung geht immer von Innen nach Außen, nicht umgekehrt. Das bedeutet keine Absage an Unterstützung von außen, aber diese geschieht auf der Grundlage einer selbstbewussten Position der Community.

 

Im folgenden möchte ich die Philosophie des Ansatzes nachzeichnen:

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Die Landkarte im Kopf austauschen

South Bronx,  Rostock- Lichtenhagen, Märkisches Viertel in Berlin, Vorstädte von Marseille- über manche Stadtteile wissen wir schon alles, auch wenn wir noch nie dort waren: Armut, Müllhaufen auf der Straße, Arbeitslosigkeit, Gewalt in den Familien, Wände beschmiert,  Ausländerfeindlichkeit, Kriminalität, Jugendbanden, Rechtsradikalismus, kaum jemand geht wählen, im Sozialarbeiter- Sprachgebrauch „Soziale Brennpunkte“ eben.

Und wir wissen auch schon, was man dagegen tun muss: mehr Jugendzentren, Straßensozialarbeiter, Angebote für Arbeitslose, dafür braucht es Geld von der Stadt, dem Staat, der Europäischen Union. Und doch wird das alles nicht an der Wurzel helfen, wir reden von der „Teufelsspirale“ oder auch dem „Fass ohne Boden“: egal wie viele Mittel wir in den Stadtteil geben mögen, es wird unaufhaltsam schlimmer und schlimmer, wer aus solchen Stadtteilen kommt, hat keine Chance.

Kretzmann und McKnight haben eine ungewohnte und zugleich „frohe Botschaft“ für uns: Dies alles ist die Landkarte von desolaten Stadtteilen, die wir in unserem Kopf haben, sie spiegelt einen Teil der Wahrheit wider, aber wir nehmen sie für die ganze Wahrheit. Wir können umdenken; es stimmt: das Glas ist halb leer, aber es ist auch halb voll.

Wir können eine Landkarte entwickeln, in der die Aktivposten, die „assets“ einer Community, eines Stadtteils, eines sozialen Zusammenhangs verzeichnet sind. Denn auch in diesen Stadtteilen haben die Menschen Talente, Wissen, Kraft, Mut, Kompetenzen, gibt es Vereine und informelle Gruppen, gibt es kulturelle Aktivitäten, und lokale Institutionen und Geschäfte. Und wenn wir sie entdecken und nutzen, gibt es einen anderen Weg, den Aufbau des Stadtteils und der Gemeinschaft von innen nach außen[3], das in ihrem Buch beschriebene „Building Communities from the Inside Out“.

Die scharfe Kritik an der „needs map“, der geistigen Landkarte der Mängel der Stadtteile und ihrer Bewohner ist gespeist von  der Theorie des Labeling Approach, aber auch von der ermüdenden Erfahrung mit den unendlich vielen Hilfsprogrammen, die immer wieder voraussetzen, dass man zunächst den Stadtteil und die Menschen „schlecht redet“, um Hilfsmittel für sie - oder für die eigene Arbeit mit ihnen- einzuwerben. Hilfe, die nur von außen kommt, macht abhängig und passiv.

Mit der Definition der Probleme über „Defizite“ wird determiniert, wie sie angegangen werden müssen, nämlich durch defizitorientierte Politikansätze und Programme. Öffentliche , private und non-profit- Dienste, aber auch Hochschulen und Stiftungen übersetzen diese Programme in lokale Aktivitäten und Forschungen zur vermeintlichen Füllung von Leerstellen. Die betroffenen Menschen übernehmen dann die Defizitsicht in ihr Selbstbild.

Kretzmann weiß genau um die Probleme der Stadtteile, er kennt den Verlust der industriellen Jobs in den Großstädten, womit unterste Stufe der von den Amerikanern hochgehaltenen Leiter der Chancen und des Erfolgs weggebrochen ist. Er benennt die Kürzung sozialer Leistungen gekürzt. Sein Augenmerk gilt gerade den so entstandenen verwüsteten Stadtteilen. Ihn interessieren die behinderten Menschen, die Jungen und Alten, die Sozialhilfeempfänger. Aber der auf die Mangellagen beschränkte Blick fesselt die Fähigkeiten, Talente und Kapazitäten der Menschen und der Stadtteile. Ihm geht es darum sie freizusetzen.

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Von der Need-Map, der Landkarte der Probleme und Bedürfnisse ….

Zur Die asset – map, der Landkarte der Aktivposten

 

 

 

 

 

Jeder hat Kapazitäten, abilities, Fähigkeiten und Talente. Wenn diese genutzt und ausgedrückt werden, fühlt sich jemand geschätzt, voller Power und gut verbunden.

Jeder hat irgendwelche Beziehungen (Familie, informelle Netzwerke), Wünsche, Träume; die Kreativität vereinter Träume bringt Energie, Jeder hat den Wunsch nach einem besseren Leben. Aber bei vielen, die als „Problempersonen“ etikettiert werden, werden diese Potenziale nicht mehr wahrgenommen.

Die Community, für Kretzmann meistens synonym gebraucht mit neigbourhood, der Nachbarschaft, das ist mehr und anderes als die Verwaltungseinheit Gemeinde oder Stadtteil, das ist auch mehr als der bloße Wohnort, es ist die lebendige Gemeinschaft, die durch Vielfalt und Verschiedenheit geprägt ist, und selbst aktiv ist. Jede Community hat ebenso wie jedes Individuum Kapazitäten, Talente, Aktivposten.

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Der Weg der Veränderung

Der Weg der Entwicklung basiert auf den Aktiva der Stadtteile und Menschen, er ist nach innen fokussiert, der Motor der Entwicklung sind die Beziehungen zwischen den Menschen, vorwiegend one-to-one- Beziehungen.

Zuerst geht es darum, die Kapazitäten der Individuen frei zu setzen, dann die der örtlichen formellen und informellen Vereinigungun, die lokalen Institutionen, wie z.B. Parks, Büchereien, Schulen, Colleges, Polizei und Krankenhäuser für den Aufbau der Community zu gewinnen und die Ökonomie der Community wieder aufzubauen. So kann die ganze Community mobilisiert werden und es ist dann notwendig, für Unterstützung für diese von der Community selbst getragene Entwicklung zu sorgen.

Kapazitäten der Individuen

Direkt und pragmatisch schlagen Kretzmann und McKnight vor, wie man anfangen kann:

„Hallo, ich komme von der soundso Organisation“, heißt es an der Haustür oder am Telefon,

„Wir reden mit den Menschen, die hier wohnen, über ihre Fähigkeiten. Mit diesen Informationen möchten wir den Menschen helfen, zu einer Verbesserung der Nachbarschaft beizutragen, Jobs zu finden oder ein eigenes Business anzufangen.“

Und dann wird nach Fähigkeiten gefragt, egal ob sie in der Familie, im Haushalt, in der Kirche, der Community oder im Job erworben sind. Das kann die Versorgung von Kranken oder Kindern sein, die Fähigkeit zu kochen, mit dem Computer umzugehen, zu reparieren, Küchen auszustatten, zu tapezieren, sauber zu machen, für große Gruppen Mahlzeiten vorzubereiten, Lastwagen zu fahren, Leute zu befragen, zu verkaufen oder zu musizieren.

Zu den individuellen Fähigkeiten kommen solche, die die Community betreffen, Mitarbeit in Sportgruppen, Kirchen, Nachbarschaftsgruppen.

Weil Menschen ihre Fähigkeiten am besten selbst einschätzen können, werden sie gefragt „Welche Fähigkeiten sind gut genug, dass andere Leute etwas dafür zahlen würden oder welche würden Sie gerne anderen vermitteln?“.

Diese „Inventur“ der individuellen Kapazitäten ist der erste Schritt eines geplanten Prozesses, der dann zur Verknüpfung der Kapazitäten führt:  „Haben sie mal daran gedacht, ein business, ein Geschäft, eine Beschäftigung damit zu beginnen?“ „Was hat Sie bisher davon abgehalten?“ und „Was würde Ihnen helfen, ein Business zu beginnen bzw. zu verbessern?“

Der zweite Schritt ist die Eruierung potenzieller Partner, der dritte die Verbindung von Partnern, indem Beziehungen geknüpft werden. So entsteht ein lebendiges Netz von eins-zu-eins-Beziehungen.

Kapazitäten der lokalen Vereinigungen

Vereine, seien es formelle Organisationen oder seien es informelle Gruppen von Menschen, die die Vision eines gemeinsamen Ziels haben, sind Verstärker der Talente, und Fähigkeiten der individuellen Mitglieder einer Community. Für Kretzmann sind sie das grundlegende amerikanische Werkzeug um starke Communities zu bilden und die Demokratie wirksam zu machen.

In Logan Square, einer Chicagoer Nachbarschaft mit niedrigem Einkommen werden von Kretzmanns Projekt mithilfe von Zeitungsstudium, Interviews und Fragebögen 150 Vereinigungen. informelle Gruppen gefunden.

Auch hier geht es darum, sie zunächst zu „inventarisieren“, sodann potenzielle Partner zu finden und sie schließlich miteinander in personalen Beziehungen zu vernetzen.

Wiederaufbau der lokalen Ökonomie

Der Wiederaufbau der lokalen Ökonomie ist nicht das eigentliche Ziel, sondern ein Bestandteil des Aufbaus einer lebendigen, starken Community. „Asset-based-development“ ist kein Arbeitsbeschaffungsprogramm, aber Arbeit und Einkommen entstehen in diesem Prozess. Neben den sich in den USA entwickelnden Gesellschaften zur ökonomischen Stadtentwicklung werden vor allem bisher kaum genutzte Potenziale hervorgehoben:

Die lokalen Institutionen und Organisationen haben oft keine ökonomischen Zielsetzungen, wohl aber ökonomische Möglichkeiten: sie können im Stadtteil ihre Materialien und Dienstleistungen einkaufen, sie können Menschen aus dem Stadtteil ausbilden, trainieren und einstellen, die physischen Ressourcen des Stadtteils verbessern.

Daneben gibt es die Möglichkeit von alternativen Kreditinstitutionen im Stadtteil und schließlich die Chance, physische Aktivposten zu entdecken und nutzbar zu machen, wie z.B. ungenutzte Räume und Gebäude. So können z.B. neue Wohnmöglichkeiten und Spielflächen entstehen.

Jeder dieser Wege benutzt vor allem lokales Material, Aktivposten der Nachbarschaft, wo oft wenig genügt, um sie wieder zu entdecken und voll zu mobilisieren.

Lokale Partnerschaften

Aus den Entdeckungsreisen zu den „Assets“ der Individuen, Gruppen und Institutionen erwächst die Verknüpfung dieser Assets zu Netzwerken und lokalen Partnerschaften.

 

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Mobilisierung der Community

Aus den Entdeckungsreisen zu den „assets“, dem Knüpfen von vielfältigen lebendigen Beziehungen und der Aktivierung von ungenutzten Potenzialen resultiert die Mobilisierung der ganzen Community. Und diese Mobilisierung ist der Hebel, um Außenressourcen zu beschaffen, die die lokal angetriebene Entwicklung unterstützen können.

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Unterstützung von außen beschaffen

Kretzmann will die Leistungen von außen nicht reduzieren; auswärtige Ressourcen sind für ihn insbesondere in Stadtteilen mit niedrigem Einkommen essentiell für den Erneuerungsprozess. Aber Voraussetzung ist: Die innere Kapazität muss da sein, bevor auswärtige Ressourcen Wirkung zeigen können. Und auswärtige Ressourcen, die das Potenzial der lokalen Bürgerschaft dominieren, schwächen den Entwicklungsprozess mehr als dass sie ihn verstärken.

Dies bedeutet eine neue selbstbewusste Position der Community gegenüber den Geldgebern, seien es die Stiftungen oder die Regierungen: der Weg zur Geldbeschaffung geht nicht mehr über die dramatische Darstellung von Mängeln sondern über das Aufweisen von Möglichkeiten.

Dabei muss der Staat seine Rolle verändern, in dem er den Definitionen und Lösungen in der Kommune folgt und in sie investiert. Nicht um „Bürgerbeteiligung an der Regierung“ geht es, sondern um Regierungsbeteiligung an den Initiativen der Bürger.

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Ressourcen erkennen lernen

Kretzmanns Ansatz ist „amerikanisch“, weil er bei aller Gesellschaftskritik auf dem Grundglauben aufbaut: „Wer was kann, kann was werden“. Das Ziel ist für die Amerikaner mehr als für uns Unabhängigkeit. Armut ist deshalb vorwiegend definiert als dependency, als Abhängigkeit; als Schreckgespenst gilt in Wissenschaft und Politik „welfarisation“. Deshalb ist es besser für wenig Geld zu arbeiten als zum Wohlfahrtsempfänger zu werden.

In Kontinentaleuropa geht es stärker um soziale Sicherheit und soziale Gerechtigkeit. Armut wird definiert als zu geringes Versorgungsniveau. Arbeit zu ungerechten Löhnen und Bedingungen wird eher abgelehnt als in den USA; für Sozialhilfe gibt es einen Rechtsanspruch und das Herauskommen aus der Abhängigkeit vom Sozialamt ist nicht für alle erstrebenswert.

Deshalb kann man Kretzmanns Ansatz nicht 1:1 übertragen. Aber es gibt viel daraus zu lernen:

Wir sollten in der Sozialen Arbeit und ihrer Wissenschaft- über alle verbalen Bekenntnisse zum „Empowerment“ und „Ressourcenorientierung“ hinaus- die Blickrichtung verändern und nicht vorrangig die Mängel, sondern die Aktivposten, die Kapazitäten und Möglichkeiten ins Auge fassen.

Die Geschichten aus den Stadtteilen selbst sind für uns nicht so außergewöhnlich. Auch bei uns gibt es Projekte in den Nachbarschaften, die von den Stärken der Menschen und Stadtteile ausgehen die „von innen nach außen“ entwickelt werden, sei es im Rahmen professioneller GWA und Sozialer Arbeit, sei es außerhalb eines institutionellen und beruflichen Rahmens.

Aber unsere Aufmerksamkeit ist oft eng verknüpft mit Förderprogrammen und „Maßnahmenkatalogen“. Manche Städte entdecken ihre soziale Seite, seitdem es ein Bund- Länder- Programm „Soziale Stadt“ und damit den Zugang zu neuen Geldquellen gibt; und dabei hat die meisten Chancen für Fördermittel, wer seinen Stadtteil am negativsten darstellen kann.

Wie lernen wir, Aktivposten der Individuen, Nachbarschaften und Stadtteile zu erkennen, frei zu setzen, miteinander zu vernetzen? Wie lernen wir die Mobilisierung von Communities von innen und von diesem Prozess aus kraftvoll die Unterstützung zu beschaffen, die für das Gelingen notwendig ist? Dies ist eine Herausforderung an Soziale Arbeit als Praxis, als Wissenschaft und besonders als Ausbildung.

Wir können Forschungsreisen unternehmen zu den Kapazitäten der klientelisierten Menschen, wir werden viel entdecken.

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Quellen und Hinweise

John P. Kretzmann, John L. McKnight: Buiding Communities from Inside Out, Chicago/ Evanston 1993

Übersichts- Material ist leicht zu erhalten über das Internet. Teilweise werden Bücher zusammenfassend dargestellt oder Auszüge zum Herunterladen bereit gestellt. Darüber hinaus sind konkrete Handlungsanweisungen oder Datensammlungen erhältlich.

Über www.nwu.edu/IPR/publications besteht die Möglichkeit, die Einleitung zum Buch herunterzuladen sowie eine Reihe von Handbüchern in Ausschnitten oder vollständig zu erhalten.

In die Diskussionsgruppe kann man sich über: lists@nwu.edu einschreiben.

Einen Zusammenhang zu dem Ansatz von Stephen Covey, Seven Habits of Highly Effective People wird über www.commnityleadership.org/publications hergestellt.

Einen umfassenden Überblick zu „Community Building“ geben Kingsley, McNeely, Gibson:  Community Building Coming of Age, in: www.urban.org/community/combuild.htm. Sie sind der Auffassung, dass im Community Building verschiedene Ansätze des Community Development, der Settlement- Bewegung, des Asset Based Ansatzes und des Community Organizing, bei dem IAF und ACORN ausdrücklich genannt werden, zusammen fließen



[1] http://www.northwestern.edu/ipr/abcd.html; ein vergleichbarer Ansatz ist an mehreren Orten im „Community Building“ zu finden, z.B. bei der Association for the Study and Development of Community (ASDC), http://www.capablecommunity.com/about.html

[3] das Bild „innen- außen“ hat eine Analogie, aber auch einen Unterschied zum Bild „oben- unten“, das in der deutschen Gemeinwesenarbeit (auch der amerikanischen: bottom uo,  top down“)  verwendet wird und stärker die Machtverhältnisse und potentiellen Konflikte betont. Mit der Begrifflichkeit wird auch an das Zusammengehörigkeitsgefühl angeknüpft und wohl auch appelliert: Innen, das sind schon ganz  verschiedene Gruppen von unterschiedlicher Durchsetzungskraft und power (Geschäfte, behinderte Menschen, Arme, Reiche usw.) Das Modell funktioniert auch besser bei durchmischteren Communities.

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