McKnight: Dienstleistung ist schädlich
Von
innen nach außen aufbauen – der Ansatz von John Kretzmann und John McKnight.
Die
Landkarte im Kopf austauschen
Von
der Need-Map, der Landkarte der Probleme und Bedürfnisse
Zur
Die asset – map, der Landkarte der Aktivposten.
Der
Weg der Veränderung
Unterstützung von außen beschaffen
Ressourcen erkennen lernen
Quellen und Hinweise
Asset-Based Community Development (ABCD) kann man
verstehen als einen Denk- und Handlungsansatz zur Entwicklung von Communities
auf der Grundlage der Fähigkeiten und Talente, die in ihr vorhanden sind.
Ausgangspunkte sind vor allem zwei Schriften: ein Aufsatz von 1988 von
McKnight zum Thema „Why Servanthood (Dienstbarkeit/ Dienstleistung) is bad“,
sowie die Arbeit von John Kretzmann und John McKnight an der Northwestern
University in Chicago, die sich 1993 in dem Buch „Building Communities from
Inside Out“ nieder geschlagen hat.
(nach oben)
Der Aufsatz von McKnight wird in der e-mail-Diskussion
des ABCD-Instituts 2002 wieder entdeckt
und zumeist zustimmend, z.T. auch relativierend diskutiert. McKnight
hält „servanthood“ aus drei Gründen für eher schädlich:
1.
Sie stiehlt den Menschen Geld; das für die Armen bestimmte Geld
verschwindet zum großen Teil in den professionellen Dienstleistungen, statt
direkt bei den Betroffenen anzukommen;
2.
Das Dienstleistungssystem lehrt die Menschen, dass ihr Wert in ihren
Schwächen und Problemen liegt, weil die Dienstleistungen nämlich nur mit
Hinweis auf diese Schwächen finanziert werden, und nicht in ihren Kapazitäten,
die aber die eigentlichen Bausteine einer Community sind;
3.
die Kapazität der Organisationen, z. B. der Kirchen, wird auf die
„Lösung von Problemen“ verlagert und nicht genutzt, um die Community
aufzubauen.
Nicht so sehr die Kritik an der Professionalisierung, die
an die von Ivan Illich angestoßenen Debatten in den 1970er und 1980er Jahren
anknüpft, ist für mich dabei erstaunlich, sondern eher die Begeisterung dafür
fast 15 Jahre später, nach den zwischenzeitlichen Erfahrungen mit dem
Neoliberalismus.
(nach oben)
John P. Kretzmann, Journalist und Wissenschaftler, Lehrer
an der Northwestern Universität in Evanston bei Chicago, tritt sehr
selbstbewusst auf, überzeugt und überzeugend, anschaulich lädt er ein, den
Blick zu verändern und reicht dafür das halb volle, halb leere Glas Wasser
herum: „Ja, die Menschen haben Mangelsituationen, aber sie haben auch
Fähigkeiten und Talente“, und wie ein Missionar warnt er die Leser vor dem
breiten Weg, der „achtspurigen Autobahn“ der Defizit- Orientierung, der eine
Sackgasse ist, und lockt sie zu dem verschlungenen Pfad, auf dem die
Aktivposten der Menschen entdeckt werden und zur Geltung kommen.
Das Buch „Building Communities from
Inside Out“ ist ein Programm. Nicht nur ihre Botschaft, sondern auch
ihr Weg der Forschung unterscheidet sich vom dem üblichen: Kretzmann und
McKnight suchen „success stories“ und schicken dafür ihre Studierenden zu
lokalen Führungspersonen. Das Buch ist die systematisierte Zusammenstellung
solcher Geschichten erfolgreicher Entdeckung und Mobilisierung von Ressourcen
und Chancen.
Es soll pragmatisch, in „nachbarschaftsfreundlichen“
Worten aufzeigen, wie Communities ihren eigenen Weg der Entwicklung gehen
können, die auf den Aktivposten aufbaut, die „asset based community
development“ , wie sie ihre eigenen Stärken wiederentdecken, kombinieren und
mobilisieren können, damit sie eine kraftvolle und bewusste Community
aufbauen. Es ist gedacht für Schlüsselpersonen in den lokalen Nachbarschaften
und Leiter von lokalen Vereinigungen und Institutionen. Zugleich soll es
aufzeigen, wie Leute von außen, aus Stiftungen, Wohlfahrtseinrichtungen und
Regierungen sensitiv und effektiv an diesem Prozess teilhaben und ihn
unterstützen können.
Das Buch ist zugleich die Basis für Kretzmann´s und
McKnight´s 1995 gegründetes „Asset-Based Community Development Institute“
(ABCD), in dem Videos und Arbeitsbücher zum Trainieren entwickelt werden und
30 Leader mitarbeiten aus Stiftungen, Nachbarschaftsgruppen, „United
Ways“, Kirchen und Universitäten , um Vorträge, Workshops und Beratungen
durchzuführen zu Themen wie:
-
Ökonomische Kapazitäten im Stadtteil,
-
Fähigkeiten der Bewohner,
-
gesunde Nachbarschaften,
-
Brücke vom Klienten zum Bürger,
-
Freiwillige Organisationen in Nachbarschaften mit geringem Einkommen.
Zielgruppen sind z.B. kirchliche Gruppen, Politiker,
Nachbarschaftsgruppen, Lehrer, Sozialarbeiter, Krankenhäuser, und
Bürgerservice- Einrichtungen.
Dass es auch eine Electronic Discussion Group
gibt, wird nicht weiter verwundern. In sie können sich die einklinken, die
ihre Erfahrungen teilen und Ideen austauschen wollen.
Anders als bei ACORN und dem FBCO wird in der Community
nicht so stark zwischen Leadern und den anderen Menschen in der Community
unterschieden, sondern die Einzelnen und informellen wie formellen Gruppen der
Nachbarschaft werden unmittelbar angesprochen auf ihre Ressourcen und die
Möglichkeit der Verknüpfung dieser Ressourcen. Gerade den „Strangers“ in der
Community, den Außenseitern, Behinderten, Schwachen, Alten und Jungen, gilt
die besondere Aufmerksamkeit.
Fünf Elemente kennzeichnen das Modell:
v
Erforscht werden die „Success-Stories“, die gelungenen Ansätze,
die Stärken der Community zu mobilisieren.
v
Verändert wird die „Landkarte im Kopf“ durch den Blick auf die
Stärken statt die Fixierung auf Probleme.
v
Methodisch eruiert und miteinander in Verbindung gebracht werden
die Potenziale der Einzelnen, der Gruppen und der Institutionen.
v
Gearbeitet wird mit den Stärken der Schwachen, statt dass
zwischen Schwachen und Starken sortiert wird.
v
Die Entwicklung geht immer von Innen nach Außen, nicht
umgekehrt. Das bedeutet keine Absage an Unterstützung von außen, aber diese
geschieht auf der Grundlage einer selbstbewussten Position der Community.
Im folgenden möchte ich die Philosophie des Ansatzes
nachzeichnen:
(nach oben)
South Bronx, Rostock- Lichtenhagen, Märkisches
Viertel in Berlin, Vorstädte von Marseille- über manche Stadtteile wissen wir
schon alles, auch wenn wir noch nie dort waren: Armut, Müllhaufen auf der
Straße, Arbeitslosigkeit, Gewalt in den Familien, Wände beschmiert,
Ausländerfeindlichkeit, Kriminalität, Jugendbanden, Rechtsradikalismus, kaum
jemand geht wählen, im Sozialarbeiter- Sprachgebrauch „Soziale Brennpunkte“
eben.
Und wir wissen auch schon, was man dagegen tun muss: mehr
Jugendzentren, Straßensozialarbeiter, Angebote für Arbeitslose, dafür braucht
es Geld von der Stadt, dem Staat, der Europäischen Union. Und doch wird das
alles nicht an der Wurzel helfen, wir reden von der „Teufelsspirale“ oder auch
dem „Fass ohne Boden“: egal wie viele Mittel wir in den Stadtteil geben mögen,
es wird unaufhaltsam schlimmer und schlimmer, wer aus solchen Stadtteilen
kommt, hat keine Chance.
Kretzmann und McKnight haben eine ungewohnte und zugleich
„frohe Botschaft“ für uns: Dies alles ist die Landkarte von desolaten
Stadtteilen, die wir in unserem Kopf haben, sie spiegelt einen Teil der
Wahrheit wider, aber wir nehmen sie für die ganze Wahrheit. Wir können
umdenken; es stimmt: das Glas ist halb leer, aber es ist auch halb voll.
Wir können eine Landkarte entwickeln, in der die
Aktivposten, die „assets“ einer Community, eines Stadtteils, eines sozialen
Zusammenhangs verzeichnet sind. Denn auch in diesen Stadtteilen haben die
Menschen Talente, Wissen, Kraft, Mut, Kompetenzen, gibt es Vereine und
informelle Gruppen, gibt es kulturelle Aktivitäten, und lokale Institutionen
und Geschäfte. Und wenn wir sie entdecken und nutzen, gibt es einen anderen
Weg, den Aufbau des Stadtteils und der Gemeinschaft von innen nach außen,
das in ihrem Buch beschriebene „Building Communities from the Inside Out“.
Die scharfe Kritik an der „needs map“, der geistigen
Landkarte der Mängel der Stadtteile und ihrer Bewohner ist gespeist von
der Theorie des Labeling Approach, aber auch von der ermüdenden Erfahrung mit
den unendlich vielen Hilfsprogrammen, die immer wieder voraussetzen, dass man
zunächst den Stadtteil und die Menschen „schlecht redet“, um Hilfsmittel für
sie - oder für die eigene Arbeit mit ihnen- einzuwerben. Hilfe, die nur von
außen kommt, macht abhängig und passiv.
Mit der Definition der Probleme über „Defizite“ wird
determiniert, wie sie angegangen werden müssen, nämlich durch
defizitorientierte Politikansätze und Programme. Öffentliche , private und
non-profit- Dienste, aber auch Hochschulen und Stiftungen übersetzen diese
Programme in lokale Aktivitäten und Forschungen zur vermeintlichen Füllung von
Leerstellen. Die betroffenen Menschen übernehmen dann die Defizitsicht in ihr
Selbstbild.
Kretzmann weiß genau um die Probleme der Stadtteile, er
kennt den Verlust der industriellen Jobs in den Großstädten, womit unterste
Stufe der von den Amerikanern hochgehaltenen Leiter der Chancen und des
Erfolgs weggebrochen ist. Er benennt die Kürzung sozialer Leistungen gekürzt.
Sein Augenmerk gilt gerade den so entstandenen verwüsteten Stadtteilen. Ihn
interessieren die behinderten Menschen, die Jungen und Alten, die
Sozialhilfeempfänger. Aber der auf die Mangellagen beschränkte Blick fesselt
die Fähigkeiten, Talente und Kapazitäten der Menschen und der Stadtteile. Ihm
geht es darum sie freizusetzen.
(nach oben)



Jeder hat Kapazitäten, abilities,
Fähigkeiten und Talente. Wenn diese genutzt und ausgedrückt werden, fühlt sich
jemand geschätzt, voller Power und gut verbunden.
Jeder hat irgendwelche Beziehungen (Familie, informelle
Netzwerke), Wünsche, Träume; die Kreativität vereinter Träume bringt Energie,
Jeder hat den Wunsch nach einem besseren Leben. Aber bei vielen, die als
„Problempersonen“ etikettiert werden, werden diese Potenziale nicht mehr
wahrgenommen.
Die Community, für Kretzmann meistens synonym gebraucht
mit neigbourhood, der Nachbarschaft, das ist mehr und anderes als die
Verwaltungseinheit Gemeinde oder Stadtteil, das ist auch mehr als der bloße
Wohnort, es ist die lebendige Gemeinschaft, die durch Vielfalt und
Verschiedenheit geprägt ist, und selbst aktiv ist. Jede Community hat ebenso
wie jedes Individuum Kapazitäten, Talente, Aktivposten.
(nach oben)
Der Weg der Entwicklung basiert auf den Aktiva der
Stadtteile und Menschen, er ist nach innen fokussiert, der Motor der
Entwicklung sind die Beziehungen zwischen den Menschen, vorwiegend one-to-one-
Beziehungen.
Zuerst geht es darum, die Kapazitäten der Individuen frei
zu setzen, dann die der örtlichen formellen und informellen Vereinigungun, die
lokalen Institutionen, wie z.B. Parks, Büchereien, Schulen, Colleges, Polizei
und Krankenhäuser für den Aufbau der Community zu gewinnen und die Ökonomie
der Community wieder aufzubauen. So kann die ganze Community mobilisiert
werden und es ist dann notwendig, für Unterstützung für diese von der
Community selbst getragene Entwicklung zu sorgen.
Kapazitäten der Individuen
Direkt und pragmatisch schlagen Kretzmann und McKnight
vor, wie man anfangen kann:
„Hallo, ich komme von der soundso Organisation“, heißt es
an der Haustür oder am Telefon,
„Wir reden mit den Menschen, die hier wohnen, über ihre
Fähigkeiten. Mit diesen Informationen möchten wir den Menschen helfen, zu
einer Verbesserung der Nachbarschaft beizutragen, Jobs zu finden oder ein
eigenes Business anzufangen.“
Und dann wird nach Fähigkeiten gefragt, egal ob sie in
der Familie, im Haushalt, in der Kirche, der Community oder im Job erworben
sind. Das kann die Versorgung von Kranken oder Kindern sein, die Fähigkeit zu
kochen, mit dem Computer umzugehen, zu reparieren, Küchen auszustatten, zu
tapezieren, sauber zu machen, für große Gruppen Mahlzeiten vorzubereiten,
Lastwagen zu fahren, Leute zu befragen, zu verkaufen oder zu musizieren.
Zu den individuellen Fähigkeiten kommen solche, die die
Community betreffen, Mitarbeit in Sportgruppen, Kirchen,
Nachbarschaftsgruppen.
Weil Menschen ihre Fähigkeiten am besten selbst
einschätzen können, werden sie gefragt „Welche Fähigkeiten sind gut genug,
dass andere Leute etwas dafür zahlen würden oder welche würden Sie gerne
anderen vermitteln?“.
Diese „Inventur“ der individuellen Kapazitäten ist der
erste Schritt eines geplanten Prozesses, der dann zur Verknüpfung der
Kapazitäten führt: „Haben sie mal daran gedacht, ein business, ein
Geschäft, eine Beschäftigung damit zu beginnen?“ „Was hat Sie bisher davon
abgehalten?“ und „Was würde Ihnen helfen, ein Business zu beginnen bzw. zu
verbessern?“
Der zweite Schritt ist die Eruierung potenzieller
Partner, der dritte die Verbindung von Partnern, indem Beziehungen geknüpft
werden. So entsteht ein lebendiges Netz von eins-zu-eins-Beziehungen.
Kapazitäten der lokalen Vereinigungen
Vereine, seien es formelle Organisationen oder seien es
informelle Gruppen von Menschen, die die Vision eines gemeinsamen Ziels haben,
sind Verstärker der Talente, und Fähigkeiten der individuellen Mitglieder
einer Community. Für Kretzmann sind sie das grundlegende amerikanische
Werkzeug um starke Communities zu bilden und die Demokratie wirksam zu machen.
In Logan Square, einer Chicagoer Nachbarschaft mit
niedrigem Einkommen werden von Kretzmanns Projekt mithilfe von
Zeitungsstudium, Interviews und Fragebögen 150 Vereinigungen. informelle
Gruppen gefunden.
Auch hier geht es darum, sie zunächst zu
„inventarisieren“, sodann potenzielle Partner zu finden und sie schließlich
miteinander in personalen Beziehungen zu vernetzen.
Wiederaufbau der lokalen Ökonomie
Der Wiederaufbau der lokalen Ökonomie ist nicht das
eigentliche Ziel, sondern ein Bestandteil des Aufbaus einer lebendigen,
starken Community. „Asset-based-development“ ist kein
Arbeitsbeschaffungsprogramm, aber Arbeit und Einkommen entstehen in diesem
Prozess. Neben den sich in den USA entwickelnden Gesellschaften zur
ökonomischen Stadtentwicklung werden vor allem bisher kaum genutzte Potenziale
hervorgehoben:
Die lokalen Institutionen und Organisationen haben oft
keine ökonomischen Zielsetzungen, wohl aber ökonomische Möglichkeiten: sie
können im Stadtteil ihre Materialien und Dienstleistungen einkaufen, sie
können Menschen aus dem Stadtteil ausbilden, trainieren und einstellen, die
physischen Ressourcen des Stadtteils verbessern.
Daneben gibt es die Möglichkeit von alternativen
Kreditinstitutionen im Stadtteil und schließlich die Chance, physische
Aktivposten zu entdecken und nutzbar zu machen, wie z.B. ungenutzte Räume und
Gebäude. So können z.B. neue Wohnmöglichkeiten und Spielflächen entstehen.
Jeder dieser Wege benutzt vor allem lokales Material,
Aktivposten der Nachbarschaft, wo oft wenig genügt, um sie wieder zu entdecken
und voll zu mobilisieren.
Lokale Partnerschaften
Aus den Entdeckungsreisen zu den „Assets“ der Individuen,
Gruppen und Institutionen erwächst die Verknüpfung dieser Assets zu Netzwerken
und lokalen Partnerschaften.
(nach oben)

Mobilisierung der Community
Aus den Entdeckungsreisen zu den „assets“, dem Knüpfen
von vielfältigen lebendigen Beziehungen und der Aktivierung von ungenutzten
Potenzialen resultiert die Mobilisierung der ganzen Community. Und diese
Mobilisierung ist der Hebel, um Außenressourcen zu beschaffen, die die lokal
angetriebene Entwicklung unterstützen können.
(nach oben)
Kretzmann will die Leistungen von außen nicht reduzieren;
auswärtige Ressourcen sind für ihn insbesondere in Stadtteilen mit niedrigem
Einkommen essentiell für den Erneuerungsprozess. Aber Voraussetzung ist: Die
innere Kapazität muss da sein, bevor auswärtige Ressourcen Wirkung
zeigen können. Und auswärtige Ressourcen, die das Potenzial der lokalen
Bürgerschaft dominieren, schwächen den Entwicklungsprozess mehr als dass sie
ihn verstärken.
Dies bedeutet eine neue selbstbewusste Position der
Community gegenüber den Geldgebern, seien es die Stiftungen oder die
Regierungen: der Weg zur Geldbeschaffung geht nicht mehr über die dramatische
Darstellung von Mängeln sondern über das Aufweisen von Möglichkeiten.
Dabei muss der Staat seine Rolle verändern, in dem er den
Definitionen und Lösungen in der Kommune folgt und in sie investiert. Nicht um
„Bürgerbeteiligung an der Regierung“ geht es, sondern um Regierungsbeteiligung
an den Initiativen der Bürger.
(nach oben)
Kretzmanns Ansatz ist „amerikanisch“, weil er bei aller
Gesellschaftskritik auf dem Grundglauben aufbaut: „Wer was kann, kann was
werden“. Das Ziel ist für die Amerikaner mehr als für uns Unabhängigkeit.
Armut ist deshalb vorwiegend definiert als dependency, als Abhängigkeit; als
Schreckgespenst gilt in Wissenschaft und Politik „welfarisation“. Deshalb ist
es besser für wenig Geld zu arbeiten als zum Wohlfahrtsempfänger zu werden.
In Kontinentaleuropa geht es stärker um soziale
Sicherheit und soziale Gerechtigkeit. Armut wird definiert als zu geringes
Versorgungsniveau. Arbeit zu ungerechten Löhnen und Bedingungen wird eher
abgelehnt als in den USA; für Sozialhilfe gibt es einen Rechtsanspruch und das
Herauskommen aus der Abhängigkeit vom Sozialamt ist nicht für alle
erstrebenswert.
Deshalb kann man Kretzmanns Ansatz nicht 1:1 übertragen.
Aber es gibt viel daraus zu lernen:
Wir sollten in der Sozialen Arbeit und ihrer
Wissenschaft- über alle verbalen Bekenntnisse zum „Empowerment“ und
„Ressourcenorientierung“ hinaus- die Blickrichtung verändern und nicht
vorrangig die Mängel, sondern die Aktivposten, die Kapazitäten und
Möglichkeiten ins Auge fassen.
Die Geschichten aus den Stadtteilen selbst sind für uns
nicht so außergewöhnlich. Auch bei uns gibt es Projekte in den
Nachbarschaften, die von den Stärken der Menschen und Stadtteile ausgehen die
„von innen nach außen“ entwickelt werden, sei es im Rahmen professioneller GWA
und Sozialer Arbeit, sei es außerhalb eines institutionellen und beruflichen
Rahmens.
Aber unsere Aufmerksamkeit ist oft eng verknüpft mit
Förderprogrammen und „Maßnahmenkatalogen“. Manche Städte entdecken ihre
soziale Seite, seitdem es ein Bund- Länder- Programm „Soziale Stadt“ und damit
den Zugang zu neuen Geldquellen gibt; und dabei hat die meisten Chancen für
Fördermittel, wer seinen Stadtteil am negativsten darstellen kann.
Wie lernen wir, Aktivposten der Individuen,
Nachbarschaften und Stadtteile zu erkennen, frei zu setzen, miteinander zu
vernetzen? Wie lernen wir die Mobilisierung von Communities von innen und von
diesem Prozess aus kraftvoll die Unterstützung zu beschaffen, die für das
Gelingen notwendig ist? Dies ist eine Herausforderung an Soziale Arbeit als
Praxis, als Wissenschaft und besonders als Ausbildung.
Wir können Forschungsreisen unternehmen zu den
Kapazitäten der klientelisierten Menschen, wir werden viel entdecken.
(nach oben)
John P. Kretzmann, John L. McKnight:
Buiding Communities from Inside Out, Chicago/ Evanston 1993
Übersichts- Material ist leicht zu erhalten über das
Internet. Teilweise werden Bücher zusammenfassend dargestellt oder Auszüge zum
Herunterladen bereit gestellt. Darüber hinaus sind konkrete
Handlungsanweisungen oder Datensammlungen erhältlich.
Über
www.nwu.edu/IPR/publications besteht die Möglichkeit, die
Einleitung zum Buch herunterzuladen sowie eine Reihe von Handbüchern in
Ausschnitten oder vollständig zu erhalten.
In die Diskussionsgruppe kann man sich über:
lists@nwu.edu einschreiben.
Einen Zusammenhang zu dem Ansatz von Stephen Covey, Seven
Habits of Highly Effective People wird über
www.commnityleadership.org/publications hergestellt.
Einen umfassenden Überblick zu
„Community Building“ geben Kingsley, McNeely, Gibson: Community Building
Coming of Age, in:
www.urban.org/community/combuild.htm.
Sie sind der Auffassung, dass im Community Building verschiedene
Ansätze des Community Development, der Settlement- Bewegung, des Asset Based
Ansatzes und des Community Organizing, bei dem IAF und ACORN ausdrücklich
genannt werden, zusammen fließen